Donnerstag , 18. Oktober 2018
Aktuell
Home | Lokales | Bleckede | Neuer Antrieb für Elbfähre „Tanja“
Mehr als 50 Jahre alt sind die Antriebe der Fähre „Tanja“, die zwischen Neu Darchau am linken und Darchau am rechten Elbeufer übersetzt. In den kommenden drei Jahren sollen zwei neuere Motoren eingebaut werden. Foto: t&w

Neuer Antrieb für Elbfähre „Tanja“

Neu Darchau. Ein dumpfer Schlag hallt über die Elbwiesen bei Neu Darchau: Die Fähre „Tanja“ hat angelegt. Es ist mittlerweile 20 Uhr – noch immer fahren viele Autos auf die Fähre und von ihr herunter. Und während draußen vor der Tür reger Fährverkehr zwischen Neu Darchau und Darchau herrscht, geht es drinnen – im Göpelhaus – am Mittwochabend um die Zukunft eben jenes Gefährtes. Es tagt der Rat Neu Darchau. Der steht an diesem Abend vor vielen Fragen: In eine dringend notwendige neue Antriebstechnik investieren? Den Fährbetrieb verkaufen? Eine neue Fähre bauen lassen?

„Ich kann mich nicht damit abfinden, einen funktionierenden Fährbetrieb, der keine roten Zahlen schreibt, zu verkaufen.“
Gabriele Mischke, SPD-Ratsfrau

Zwei gebrauchte Antriebe sollen es sein, so bestimmt es die Mehrheit des Rates mit sechs Ja-Stimmen bei zweimal Nein und zwei Enthaltungen. Das könnte den Eigenbetrieb der Fähre „Tanja“ bis zu 170 000 Euro kosten: bis zu 100  000 Euro für die Antriebe der Firma Voith und noch einmal bis zu 70 000 Euro für die Instandsetzung nur des ersten der zwei Antriebe. „Eigenmittel stehen dafür bereit, es müssen keine Kredite aufgenommen werden“, versichert Bürgermeister Klaus-Peter Dehde (SPD). Die Fähre soll also aufgemotzt werden.

Während Grüne und SPD diese Variante am sinnvollsten finden, hinterfragen CDU und Bürgerliste Neu Darchau, ob es nicht sinnvoller wäre, in eine neue Fähre zu investieren. „Wir wollen gern zwei Angebote für einen möglichen Neubau einholen. In der Vergangenheit musste schon so viel investiert werden“, erklärte Martina Pühse (CDU) den Hintergrund eines gemeinsamen Antrags der beiden Fraktionen. Parallel, fuhr sie fort, könne man Gespräche mit dem Kreis Lüneburg anstreben, um zu erfahren, wie man dort zum Fährbetrieb stehe. Dabei schnitt sie auch das Thema eines möglichen Verkaufs des Betriebs nach Lüneburg an.

Erstmal prüfen, was ein Neubau kostet

Damit war die Debatte voll im Gang. „Wie soll denn bitte so ein Neubau finanziert werden, gibt es da schon ein Konzept?“, wollte Gabriele Mischke (SPD) wissen. Sie und ihr Fraktionskollege Henning Bodendieck rechnen mit Neubau-Kosten von bis zu vier Millionen Euro. „Und ich kann mich nicht mit dem Gedanken abfinden, einen funktionierenden Fährbetrieb mit Angestellten, der keine roten Zahlen schreibt, zu verkaufen. Der Landkreis Lüneburg würde den Betrieb sowieso nicht in unserem Interesse weiterführen“, meinte Mischke. Zumal der Kreis Lüneburg für den Hafen in Bleckede große Pläne habe. „Wir wissen ja, was das für die Neu Darchauer Fähre bedeuten würde, wenn sie in Lüneburger Hand wäre“, fuhr sie fort.

Ex-Bürgermeister Ralf Hinneberg (Bürgerliste) wollte den Vorschlag seiner und der CDU-Fraktion noch nicht aufgeben: „Wir stecken jedes Jahr zig Tausende Euro in die alte Fähre. Vielleicht lässt sich ja eine Finanzierung realisieren, wenn man vernünftig gegenrechnet und diese ganzen Ausgaben nicht mehr hätte“, sagt er. Um belastbare Zahlen zu bekommen, „muss man einen Planer hinzuziehen, der genau berechnet, welche Anforderungen die Elb-Situation in Neu Darchau an die neue Fähre stellt“, hakte Dehde ein. „Und dann wird es schon teuer, bevor wir beschließen, eine neue Fähre bauen zu lassen.“

So einigten sich alle Ratsmitglieder einstimmig darauf, kostenlose Vergleichszahlen von Werften einzuholen, was ein Neubau überhaupt erst einmal grob gerechnet kosten würde. Sondierungsgespräche mit dem Landkreis Lüneburg sollen nach dem Mehrheitswillen von Grünen und SPD nicht aufgenommen werden. Henning Bodendieck verdeutlichte noch einmal die Notwendigkeit der nun anstehenden Investition: „Die Antriebe sind mehr als 50 Jahre alt, da muss etwas geschehen. Die jetzigen Antriebe, die wir angeboten bekommen haben, sind selten auf dem Markt. Das ist eine einmalige Chance.“

Und so sieht der Fahrplan für die Fähre „Tanja“ nun aus: Beide Antriebe sollen gekauft werden. Einer der Antriebe soll pünktlich zur SUK – eine Hauptuntersuchung, die dem TÜV für Autos entspricht –, im Jahr 2018 instand gesetzt und eingebaut werden. Der zweite Antrieb soll in einem weiteren Zwei-Jahres-Projekt danach startklar gemacht und eingebaut werden, zu den Kosten gibt es noch keine Angaben. Und einer der alten Antriebe, die in der Vergangenheit immer wieder Probleme verursachten, gilt dann als Ersatz, falls doch mal etwas mit den neuen Antrieben sein sollte.

Von Thomas Lieske