Donnerstag , 22. Februar 2018
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Sie haben tatkräftig an dem neuen interkulturellen Stadtführer für Lüneburg mitgewirkt: (v.l.) Amer Mostafa, Katarzyna Rollert, Mohammad Aldoumani, Adel Sultan und Ayman Zaki. Foto: t&w

Neuer Lüneburg-Stadtführer auf Deutsch und Arabisch

Lüneburg. Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Damaskus oder in eine kleine Stadt in Syrien, so groß wie Lüneburg. Die Sprache verstehen Sie nicht, die Schrift können Sie nicht lesen. Sie kennen niemanden und wissen nicht, wie Sie sich orientieren sollen, wo es Hilfe gibt, Informationen, wo Behörden sind, welche Bedeutung kulturelle Einrichtungen haben und wo Menschen zusammenkommen. Kurz: wie die Stadt tickt. Für Lüneburg gibt es das jetzt. Er nennt sich „interkultureller Stadtführer“ und wurde gemeinsam von Lüneburgern und hier lebenden Flüchtlingen erstellt.

„Er soll Menschen, die Arabisch sprechen, aber noch nicht gut Deutsch können, eine bessere Orientierung in ihrer neuen Heimat bieten“, sagte Katarzyna Rollert vor den gut vierzig Gästen und Teilnehmern, die anlässlich der Vorstellung des neuen Stadtführers ins Gemeindehaus der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien gekommen waren. Entstanden, berichtet Katarzyna Rollert, die das Projekt von Beginn an begleitet hat, sei die Idee im Café international, dem regelmäßigen Treffen im katholischen Gemeindehaus. Vorbild seien andere Gemeinden gewesen, die bereits ein ähnliches Projekt umgesetzt hatten. Weil der Stadtführer auch dafür gedacht ist, Alteingesessenen die Perspektive der Neuankömmlinge näherzubringen, sei es ein „interkultureller Stadtführer“ geworden.

Wegbeschreibungen zu Orientläden

Auf 60 Seiten wird aufgelistet, was vor allem neu in Lüneburg Angekommene wissen sollten: Was die Stadt mit dem Salz verbindet, welche Bedeutung die zentralen Plätze und die drei Hauptkirchen haben, wo Lüneburger Erholung suchen und Kultur genießen. Auch Praktisches wird geboten: etwa, wo es Orientläden mit Halal-Produkten gibt und die beiden Moscheen zu finden sind, ebenso, wofür das Jobcenter gut ist. Jeder einzelne der insgesamt 27 Beiträge ist bebildert, alle Texte sind zweisprachig, außerdem liegt ein kleiner Stadtplan mit Hinweis zu den Beiträgen bei.

Insgesamt 20 Personen haben an dem Projekt mitgewirkt, sieben davon Flüchtlinge, die mitrecherchiert und auch Fotos und Zeichnungen beigesteuert haben. „Alles war schwer, aber wir haben es geschafft und gelernt, Barrieren zu überwinden“, sagt Ayman Zaki als einer der Mitwirkenden. Anlass zu Diskussionen gab es bereits während der Arbeiten an dem Projekt. So gab es bei den Flüchtlingen fragende Gesichter zu den Liebesschlössern an der Brausebrücke. „Wir haben das dann gleich zum Anlass genommen, über das Thema Liebe zu diskutieren“, sagte Katarzyna Rollert.

Ein Interview mit den beteiligten Flüchtlingen und ein Gedicht, „Die Hoffnung“ von Mohamad Darweesh, runden den lesenswerten Stadtführer ab, der dank Unterstützung der Lüneburger Sparkassenstiftung, der Caritas und Spenden der katholischen Gemeinde produziert werden konnte. Er liegt bei der Buchhandlung am Markt, der Tourist-Info am Rathaus, in den Lüneburger Museen und im Gemeindehaus an der Friedenstraße aus und kostet 3 Euro. Das Geld kommt dem Café international zugute.

Von Ulf Stüwe