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Acht Meter lang und drei Meter hoch ist die Arche, die bei einer gemeinsamen Aktion von Pfadfindern und Kirchengemeinde Bardowick entstanden ist. Foto: phs

Bardowick: Pfadfinder bauen Arche

Radbruch. Das Unwetter der vergangenen Tage überraschte auch die Kinder und Jugendlichen bei der Holzarbeit. „Aber wir sind doch noch gar nicht fertig“, rief einer empört Richtung Himmel. Im Rahmen der Kinderferientage der Kirchengemeinde Bardowick werkelt der Nachwuchs unter freiem Himmel an einer Arche, gut acht Meter lang und drei Meter hoch – auf einem Treckeranhänger.

Die Idee stammt von Christoph Müller, Radbrucher Hofinhaber und Leiter der Radbrucher Gruppe in der Baptistischen Pfadfinderschaft (BPS). Eigentlich war das Projekt noch eine Nummer größer angelegt. Müller: „Aber wir haben ein wichtiges Ziel erreicht, wir bauen gemeinsam unter freiem Himmel etwas Neues und haben eine gute Zeit zusammen.“

Die Kinderferienzeit der Kirchengemeinde Bardowick hatte eine lange Tradition unter dem damaligen Pastor Derik Mennrich. Nach einer Unterbrechung hat Pastorin Johanna Reimers die Veranstaltung im vergangenen Jahr wiederbelebt und war froh, als nun die Pfadfinder aus Radbruch auf sie zukamen für ein gemeinsames Projekt.

Reimers: „Ich wollte gerne etwas im Freien machen, außerhalb vom Gemeindehaus.“ Rund 40 Kinder und Jugendliche nehmen seit Donnerstag an der Aktion teil, basteln, töpfern, spielen Fußball und werken eben gemeinsam an der hölzernen Arche auf dem Hof von Christoph Müller. Besonders unterstützt werden sie auch von Teamern der evangelischen Jugend. Mit allen Helfern und Organisatoren wuseln bis zu 60 Menschen dieser Tage über den Hof. Und irgendwie passt auch das Symbol der Arche zu dem bunten Treiben.

Großzügige Spende noch unangetastet

Reimers sagt: „Auf der Arche mussten nach der Überlieferung unterschiedliche Wesen auf kleinem Raum miteinander zurechtkommen.“ Und so ist auch der Austausch bei den Kinderferientagen in unterschiedlicher Hinsicht gegeben. So sind beispielsweise rund zehn Flüchtlingskinder von Syrien bis Montenegro mit von der Partie. Und auch das Wechselspiel zwischen Kirchengemeinde und Pfadfindern klappt. Müller sagt mit einem Lachen: „Jetzt kann auch die evangelische Jugend aus Bardowick Jurten aufbauen.“

Der Anlass für die Kooperation war aber eigentlich ein etwas anderer. Christoph Müller hatte nach eigenen Angaben eine großzügige Spende für die Pfadfinder erhalten, um auf seinem Hof ein Clubhaus aus Holz zu bauen, zweistöckig und in Form einer Arche. Als fliegendes Gebäude, es sollte also nicht fest verbaut, sondern leicht demontierbar sein, um es an anderer Stelle innerhalb eines Tages wieder aufbauen zu können. Müller: „Meine Idee war, diese Arche auf die Reise durch verschiedene Kirchengemeinden zu schicken.“

Um seine Pläne offiziell zu machen, hatte er im Januar eine Bauvoranfrage an den Landkreis gestellt. „Leider habe ich bis heute keine Antwort bekommen.“ Dafür begeisterte sich Pastorin Reimers für die Kooperation. Nur fällt die Arche jetzt eine Nummer kleiner aus. Als Fahrzeuganhänger. Müller: „Jetzt kriegen wir immerhin eine kleine Wetterschutzhütte.“

Das Spendengeld habe er dafür nicht abgerufen. Es stünde wohl noch eine Weile zur Verfügung. Vielleicht komme die Behörde demnächst auf ihn zu, dann könne er die Idee doch noch verwirklichen. Müller schaut zu den Kindern rüber, die Bretter abschmirgeln und an der Arche werkeln: „Ich will auch gar nicht politisch werden. Hauptsache ist doch, dass wir hier gemeinsam Freude haben und etwas für die Menschen machen.“

Zum Abschluss der Kinderferientage lädt die Kirchengemeinde Bardowick ein zum Freiluft-Gottesdienst für alle am Sonntag, 25. Juni, ab 10.30 Uhr, Hof Müller (Eilshoop 1) in Radbruch. Dabei wird auch die gemeinsam geschaffene Arche präsentiert.

Von Dennis Thomas