Aktuell
Home | Lokales | Energie-Wende für neues Viertel?
Dort, wo heute die Kasernengebäude der ehemaligen Schlieffenkaserne stehen, soll das Hanseviertel Ost realisiert werden, nach dem Wunsch der Linken im Stadtrat als energieautarkes Quartier. Foto: t&w

Energie-Wende für neues Viertel?

Lüneburg. „Wir sollten nicht jeden Tag eine neue Idee durch die Zeitung jagen und alte Menschen erschrecken.“ Ob es nun echte Sorge um die Bürger seiner Stadt war oder mehr Verdruss darüber, nicht selbst die Initiative für ein „Mieterstrom-Modell“ auf die Tagesordnung gebracht zu haben, ließ Oberbürgermeister Ulrich Mädge zwar nicht durchblicken. Wohl aber zeigte sich in der jüngsten Ratssitzung, dass die Stadt dem Gedanken nicht grundsätzlich abgeneigt gegenübersteht. Diesen hatte die Fraktion der Linken per Antrag eingebracht. Ihr Ziel: die Chance für ein energieautarkes Hanseviertel Ost nicht zu verpassen.

Stadt befürwortet Mieterstrom-Modell

600 Wohnungen sollen im geplanten Hanserviertel Ost entstehen, ein Vorhaben, das die Stadt nutzen sollte, „um die Vorteile dezentraler und bürgernaher Energien für viele Anwohnerinnen und Anwohner spürbar zu machen“, wie Linken-Fraktionsmitglied Rainer Petroll in der Sitzung erklärte. Denn Strom und Wärme könnten heute günstig vor Ort regenerativ erzeugt werden, wie Petroll mit Hinweis auf Photovoltaik-Anlagen ausführte. Weil diese Energien zugleich auch „ohne Durchleitung durch das Netz eines Energiemonopolisten“ dem ganzen Quartier zur Verfügung gestellt werden könnten, würden obendrein die Energiekosten für den Verbraucher sinken.

Damit dies gelingen kann, soll laut Antrag der Linken ein sogenannter Vorbehaltsbeschluss zum Abschluss eines Erschließungsvertrages durch den Rat gefasst werden. Dieser soll es ihm ermöglichen, selbst darauf hinwirken zu können, „dass möglichst alle denkbaren Modelle von Quartiersnetzen im Hanseviertel Ost realisierbar sind“, wie es im Antrag heißt. Denn bereits während der Erschließung müssten dafür die erforderlichen Grundlagen – die Eintragung von Rechten oder das Verlegen von Leerrohren – geschaffen werden. Etwa für ein Mieterstrom-Modell, mit dem ein vernetzter Anschluss aller Wohnungen im Hanseviertel Ost an die dort installierten Photovoltaik-Anlagen ermöglicht wird.

„Die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen ist nur möglich, wenn die Eigentümer einverstanden sind“, sagte Mädge. Die Mieter müssten auch einverstanden sein. Schließlich gebe es das Recht auf Wahlfreiheit beim Stromanbieter, die aber mit einer Abkopplung vom öffentlichen Netz nicht mehr gegeben wäre. „Gerade bei älteren Menschen stoßen Sie da auf wenig Verständnis“, mahnte Mädge, der aber sagte: „Wir wollen das machen, aber es gibt große Hürden.“

Rat kann sich Beschlüsse schon jetzt vorbehalten

Wofür er sich nicht begeistern ließ, war die Bereitstellung von Wärme durch Sonnenenergie-Nutzung. „Das haben wir untersuchen lassen, ist aber nicht wirtschaftlich.“ Zudem sei das neue Heizwerk für Wärmelieferungen ins gesamte Hanseviertel ausgelegt. Er erinnerte auch an den bereits getroffenen Beschluss, dass 30 Prozent des Energiebedarfs im neuen Viertel aus regenerativen Quellen kommen soll. Und der Vorbehaltsbeschluss? Den brauche man im Prinzip nicht, der Rat könne sich Beschlüsse, für die der Verwaltungsausschuss zuständig ist, ohnehin vorbehalten. Alles also viel Wind um Nichts? Das soll nun im Bauausschuss diskutiert werden, in den der Antrag mehrheitlich verwiesen wurde.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Andreas Janowitz

    „Das haben wir untersuchen lassen, ist aber nicht wirtschaftlich.“

    Öhm … ja…

    https://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article111915989/Waermespeicher-aus-Salz.html

    Vorallem nicht wenn man es mit vom Steuerzahler BEzahlten und ABgezahlten Grosskraftwerken vergleicht, wie etwa mit in den späten 70ern gebauten Atomkraftwerken, die in gewissen Vorstandsetagen grosse Führsprache geniessen, weil sich mit Null Finanzaufwand aus abgezahlten Werken prima Aktiendividenden generieren lassen. Es war von Anfang an eine bescheuerte Idee die Energieversorger an die Börse zu bringen und nutze ausschliesslich der ersten Reihe am Trog. Steuerzahler haben die Atomkraftwerksentwicklung bezahlt. Und nachdem diese den Aktiengesellschaften übertragen wurden sprudelten – oh Wunder – die „Gewinne“. Wenn man nicht ständig nur Teile der Gesamtrechnung betrachten würde, beschlichte einen wohlmöglich der Gedanke das ein Endlager die Energieversorger pleite gingen liesse. Aber dann wären auch keine famosen Verstandstantiemen für die respektable Bagage mehr drin, was?
    Und das es als Komunalunternehmen auch keine exorbitaneten Gehältszuwächse gegeben hätte, ist völlig abstruss, nicht wahr? Mich beschleicht mehr und mehr der Gedanke, diese Spezies könnte tatsächlich einfach nur zu dämlich zum Überleben sein, denn für solcherlei frechen Beschiss am laufenden Meter soll man obendrauf auch noch dankbar sein.