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Für die App „Lüneburg schockt“ des ASB wurde jetzt der 100. Defibrillator registriert – bei der Firma Clage in Lüneburg (v. l.): Christian Koch, Harald Kreft, Joschka Schiller und Daniel Roemer. Foto: dth

Über die App zum nächsten Defibrillator

Lüneburg. Jede Minute zählt: Nach einem plötzlichen Herzstillstand ist schnelles Handeln erforderlich. Pro Minute, die bis zum Beginn der Rean imation verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um zirka zehn Prozent, heißt es. Im Herznotfall helfen auch „Automatisierte Externe Defibrillatoren“ (AED), die den Ersthelfer per Sprachausgabe anleiten, mit gezielten Stromschlägen das Herz wieder in den richtigen Takt zu bringen.

„Eine gute Erste Hilfe ist der Garant für den Erfolg des Rettungsdienstes.“
Harald Kreft, ASB-Kreisgeschäftsführer

Mit der Handy-App „Lüneburg schockt“ baut der Kreisverband Lüneburg des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) seit Herbst 2015 ein für alle nutzbares Kataster mit Defi-Standorten auf. Jetzt wurde das 100. Gerät registriert. Das Projekt wächst. Negativ fällt dabei auf, dass an wichtiger Stelle auch ein Defibrillator wieder abgebaut wurde, an der besonders viel Publikumsverkehr herrscht: am Lüneburger Bahnhof.

App kann auch Notrufe absetzen

„Eine gute Erste Hilfe ist der Garant für den Erfolg des Rettungsdienstes“, sagt Harald Kreft, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbands Lüneburg, denn vor allem beim plötzlichen Herzstillstand sei schnelle Hilfe wichtig. Dabei bietet die kostenlose App „Lüneburg schockt“ in mehrfacher Hinsicht Unterstützung: Sie kann einen Notruf unter Verwendung der eigenen Standortdaten absetzen, Tipps zur Ersten Hilfe geben und – das ist das Herzstück der mobilen Anwendung – verfügbare Standorte von Defibrillatoren in unmittelbarer Umgebung auf einer Karte anzeigen.

Damit „Lüneburg schockt“ im Notfall eine Hilfe sein kann, ist es wichtig, eine größtmögliche AED-Dichte in Stadt und Landkreis Lüneburg herzustellen. „Die Qualität der App steigt mit zunehmender Datenmenge“, sagt Kreft, „wir sind daher auf die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Firmen und Vereine angewiesen, indem sie uns helfen, alle AED-Standorte in Stadt und Kreis zu identifizieren.“

Mittlerweile können neue AED auch direkt über die App gemeldet werden. Der ASB nimmt dann Kontakt zu den Besitzern auf. Projektverantwortlicher Joschka Schiller vom ASB sagt: „Längst sind auch noch nicht alle Geräte erfasst oder aufgenommen. Bis wir ein Gerät veröffentlichen, braucht es ein wenig Zeit.“ Neben dem Einverständnis der Besitzer, den Standort zu veröffentlichen, werden noch weitere Daten für die App erhoben, beispielsweise zu welchen Uhrzeiten der Defi erreichbar ist, sollte er sich beispielsweise in einem Firmengebäude befinden. Verfügbare Standorte werden in der Defi-Karte dann in Grün angezeigt, nicht erreichbare sind grau hinterlegt.

Defis wurden nicht genutzt oder geklaut

Den 100. AED im Defi-Kataster hat jetzt die Lüneburger Firma Clage im Pirolweg registriert. Die Idee hatte Mitarbeiter Daniel Roemer. Mit dem Defi werde nicht nur die Sicherheit der rund 200 Mitarbeiter vor Ort zusätzlich erhöht. „Durch die App können wir auch andere, die in einer Notsituation sind, teilhaben lassen“, sagt der Technische Leiter Christian Koch.

Das sieht man bei der Deutschen Bahn anders. Vor mehr als einem Jahr ist der Defibrillator aus der Lüneburger Bahnhofshalle verschwunden. Das war seinerzeit einem Bundespolizisten aufgefallen, der dachte, das Gerät sei gestohlen worden. Doch der vermeintliche Dieb war die Bahn selbst. Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst bot auf LZ-Nachfrage gleich mehrere Erklärungsversuche an, warum der Defi entfernt wurde: „In manchen Bahnhöfen haben Defis gehangen. Die Geräte wurden aber nicht genutzt, weil die Leute damit nicht umgehen können oder sie waren oft von Vandalismus und Diebstahl betroffen.“

Hinzu käme, dass es „keine gesicherten Erkenntnisse über Wechselwirkungen“ der Magnetfelder der Bahn-Oberleitungen und der Elektronik des Defis gebe. Brunkhorst: „Mit der Notrufnummer 112 ist man doch auch gut bedient.“ Zu den Ausführungen der Bahnsprecherin sagt ASB-Geschäftsführer Kreft: „Keine Frage: Einen Notruf abzusetzen ist schon mal gut, aber wenn man Maßnahmen wie mit einem Defi einleiten kann, ist die Hilfe umso effektiver.“ Schließlich zählt beim Herzstillstand jede Minute.
Weitere Informationen gibt es hier.

Von Dennis Thomas

One comment

  1. Was mache ich, wenn ich kein „Wischtelefon“ habe? Ach ja, kann ja jemanden fragen, ob sie / er eins hat. Aber hat sie / er auch die App auf seinem Wischtelefon??