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Sie war am 6. November 2006 erstmals in der Rolle der Petra Jansen zu sehen: die Ur-Rose Angela Roy. Foto: be

Interview mit Angela Roy: Erfolgreich sein oder untergehen

Lüneburg. 2500 Folgen der „Roten Rosen“ sind abgedreht. Ein Grund für eine rauschende Feier, zu der Produzent Emmo Lempert als Gastgeber am Sonnabend rund 600 geladene Gäste im Zentralgebäude der Universität eingeladen hatte. Nicht dabei sein wird Angela Roy, die 2006 erste Hauptdarstellerin des neuen TV-Formats war und ein Jahr lang von Folge zu Folge mehr Zuschauer vor die Bildschirme lockte: „Das tut mir sehr leid.“ Sie ist beruflich stark eingespannt, steht aktuell mit „Sekretärinnen“ noch bis 9. Juli an den Hamburger Kammerspielen auf der Bühne. Im Gespräch mit Peer Körner und Rainer Schubert erinnert sie sich an die „alten“ Zeiten und erzählt von neuen Projekten.

Wie waren die Anfänge „damals“ vor fast elf Jahren?
Angela Roy: Damals gab es nur eine riesige, leere Halle ohne Abtrennungen. In der Mitte stand ein Tapeziertisch mit einem Modell. Ich konnte mir zunächst gar nicht vorstellen, wie das wird. Ich hatte noch nie eine Telenovela gesehen. Wenn man zum ersten Mal eine erwachsene Frau über 40 in den Mittelpunkt rückt, kann man auch erwachsene Geschichten erzählen, dachte ich mir – das hat mich gereizt. Auch für einige in der Produktion war eine Telenovela Neuland – so haben wir Pionierarbeit geleistet. Ich wollte die Erste in diesem neuen Format sein.

Wie hat man sich die Arbeit vorzustellen?
Am Ende der ersten Woche dachte ich, das Pensum schaffe ich nicht. Aber schon am nächsten Tag hatte ich wieder Kraft und habe das tägliche Spielen genossen. An manchen Tagen waren es 17 Stunden Arbeit. Ich wurde um 6 Uhr zu Hause in Hamburg abgeholt und war meist erst so um halb neun am Abend zurück. Für meine 214 Folgen habe ich 6800 Seiten Text gelernt – es waren insgesamt 1700 Szenen. Am Abend habe ich mich um meine Tochter gekümmert und dann bis Mitternacht in der Küche den Text für den nächsten Tag gelernt – meist waren es 40 Seiten.

Was hat sich bei den Rosen geändert?
Heute werden bei den Rosen viel mehr Stränge erzählt als am Anfang. Heute ist die Produktion ein gut geölter Laden, die Fehler der Anfangszeit sind fast elf Jahre später ausgebügelt. Viele Mitarbeiter sind dabeigeblieben. Das war ein großes Hallo, als ich 2016 für die Jubiläumsfolgen zum zehnjährigen Bestehen wiederkam. Der Empfang war so herzlich, als wäre man nie weggewesen. Am Arbeitsdruck hat sich nichts geändert – 48 Minuten müssen ja jeden Tag gedreht werden..

Was hat Ihnen besonders gefallen? Was ist die Herausforderung?
Es ist eine sehr ehrliche Arbeit – eine Mischung aus Theater und Film. Es muss in einer Telenovela viel über das Wort erzählt werden und weniger über Bilder, weil diese 48 Minuten am Tag produziert werden müssen. Wenn ich einen Tatort drehe, habe ich viele Einstellungen für jede Szene, von der Totalen bis zur Nahaufnahme, auch viel Atmosphärisches. Beim „Tatort“ hat man für eine Szene manchmal mehrere Stunden Zeit, bei einer Telenovela muss sie in höchstens 20 Minuten abgedreht sein. Damals habe ich zu meinen Kollegen gesagt: Lasst uns die Chance nutzen, trotzdem lebendige und für den Zuschauer nachvollziehbare Figuren zu schaffen, und nicht nur Text aufsagen. Von Anfang an wurde auch auf der technischen Seite auf höchstes Niveau gesetzt – das muss sich vor vielen Fernsehspielen nicht verstecken.

Was hat die Rolle Ihnen gebracht?
Es war für mich eine intensive, einmalige Erfahrung. Ich würde heute keine Telenovela mehr drehen. Selbst die Jubiläumsfolgen wollte ich erst nicht drehen. Ich wollte lieber als Ur-Rose in guter Erinnerung bleiben. Doch die Geschichte, die mir 2016 zum zehnjährigen Rosen-Bestehen angeboten wurde, dass Petra Jansen zum 60. Geburtstag ihres Ex-Mannes mit ihrer Tochter Jule nach Lüneburg kommt, fand ich charmant. Beruflich hat es mir wohl nicht viel gebracht. Ich hatte schon, bevor wir im Sommer 2006 mit den Rosen anfingen, im ersten Halbjahr einen „Tatort“ und drei andere Filme gedreht, war also gut beschäftigt.

Ist man festgelegt, kann eine solche Rolle sogar schaden?
Ob es mir geschadet hat, kann ich nicht beurteilen, da müsste man Caster und Redakteure fragen. Ich habe damals viel Anerkennung in der Branche bekommen, viele Zuschauer haben mich in der Serie gesehen. Noch heute kommen fremde Menschen auf mich zu und flippen schier aus vor Freude – selbst in Italien. Dass sich die Menschen nach zehn Jahren noch an mich erinnern, finde ich so beeindruckend wie rätselhaft.

Wie hat es sich ausgewirkt?
Ich habe vor den Rosen sehr viel abseitige Rollen angeboten bekommen – oft sehr düstere Charaktere. Nach den Rosen bekam ich oft auch komödiantische Rollen angeboten – so etwa „Alles Chefsache“ und „Harry nervt“. Die Serie „Geld Macht Liebe“ als renitenter Freigeist Mona habe ich auch gerne gespielt und dann kamen die komplexeren Rollen wieder, auch der im März gesendete Bremer Tatort „Nachtsicht“ ist mir wichtig. Ich suche He­rausforderungen in meinen Rollen. Das hat mich auch bei den Rosen gelockt – die Erste zu sein und entweder erfolgreich zu sein oder unterzugehen. Gerade habe ich zwei Folgen „Zürich Krimi“ abgedreht. Ende August ist Drehbeginn in Köln für zehn neue Folgen der Sat.1-Serie „Einstein“, und parallel dazu beginnen die Proben für Gabriel Baryllis neues Stück „Sommerabend“, mit dem ich am 11. Oktober in Düsseldorf Premiere habe.

Warum sind Sie Schauspielerin geworden? Was lockt Sie?
Ich liebe es, mich in andere Menschen hineinzuversetzen. Ich liebe Menschen überhaupt. Es ist ein wunderbares Geschenk, in das Wesen und den Charakter eines Anderen eintauchen zu können. Außerdem bin ich ein sehr spielfreudiger Mensch, mit kindlicher Neugier. Das kindliche Element ist bei vielen Schauspielern stark ausgeprägt – auch Kinder „verkleiden“ sich gern.

Was hat Ihnen Lüneburg bedeutet?
Von Lüneburg habe ich damals wenig gesehen, es blieb mir als alleinerziehende Mutter nicht viel Zeit. Das ist schade, denn es ist ein wunderschönes Städtchen. Die alten Backsteinhäuschen in Verbindung mit den vielen jungen Menschen – eine außergewöhnliche und einnehmende Mischung. Das ist eine lebendige Stadt.

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