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Hans-Jürgen Orth ist Chef der Leitstelle für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Auf den Bildschirmen können er und seine Kollegen im Alltag sehen, wo Notrufe auflaufen und wo sich Streifenwagen gerade befinden. Foto: t&w

Leitstelle der Polizei erhält 21.000 Notrufe pro Monat

Lüneburg. Als die Planungen begannen, gab es es eine Menge Bedenken. Wie sollen die Beamten in der Leitstelle in Lüneburg wissen, wo eine Straße in Celle, wo ei n Waldweg im Heidekreis liegt? Inzwischen hat sich der „Kopf“ an der Ilmenau bewährt. 21 000 Notrufe unter 110 laufen hier jeden Monat durchschnittlich auf. In der Regel könnten seine Kollegen die sich daraus ergebenen 18 500 Einsätze gut managen, sagt Chef Hans-Jürgen Orth.

Mangelnde Ortskenntnis sei anhand von detailliertem Kartenmaterial und Google kein Problem. „Aber wir gehen weiter“, sagt der 60-Jährige. „Die Blaue Lagune in Uelzen finden Sie in keinem Straßenplan. Unser System kennt sie trotzdem, weil wir ständig neue Daten einpflegen. So wissen wir, dass wir dann jemanden zu einer Aral-Tankstelle in Uelzen schicken müssen.“

Es war ein ambitioniertes Projekt, das mehrfach verzögert wurde, auch wegen steigender Kosten. Nach rund zehn Jahren stand das Konzept: Notrufe aus allen acht Landkreisen der Polizeidirektion sollten in Lüneburg auflaufen. Anfang 2013 begannen umfangreiche Bauarbeiten, im August 2015 startete der Betrieb. Zunächst betreute das Lage- und Führungszentrum Lüneburg und Harburg, dann Uelzen und Lüchow-Dannenberg, in zwei Schritten kamen Rotenburg und der Heidekreis, schließlich im März 2017 Celle und Stade hinzu. 1,25 Millionen Menschen leben auf dem rund 12 000 Quadratkilometer großen Gebiet.

„Erlebten wir am Anfang eine gewisse Skepsis, haben die letzten beiden Polizeiinspektionen schon freudig erwartet, dazuzukommen“, sagt Orth mit einem leichten Grinsen. Der Erste Polizeihauptkommissar ist sicher: Seine Kollegen fahren unter dem Befehl von Luna viel besser informiert in ihre Einsätze.

Steuerte vor Jahren jede Wache ihre Lagen selbst, laufen heute die Fäden Auf der Hude zusammen: Streifenwagen und Funkgeräte sind mit GPS-Sendern und Datenempfangsgeräten ausgestattet. Der Disponent weiß, wo eine Besatzung frei und nahe am Geschehen ist. Da spielen Kreisgrenzen keine Rolle, ein Streifenwagen aus Celle fährt Munster an, auch wenn das im Heidekreis liegt – Schnelligkeit zählt.

Die Beamten können nun oft auch eher einschätzen, was auf sie zukommt. Ein Klassiker ist der handfeste Streit unter Partnern. In den Datenbanken der Polizei ist aus früheren Einsätzen beispielsweise gespeichert, wenn der Mann extrem gewalttätig auftritt, ein Alkoholproblem hat und möglicherweise sogar Waffen besitzt. Bei einem Feuer kann über einen Abgleich im Meldesystem eine Einschätzung erfolgen, wie viele Bewohner in dem Haus leben – wird jemand vermisst?

Orth weiß aus der Praxis, dass einem Anrufer, der via Handy einen Unfall meldet, nicht immer klar ist, wo er sich gerade befindet. Da es entsprechende Vereinbarungen mit Mobilfunkanbietern gibt, grenzt die Polizei in Notfällen den Sendemast ein: „Im Gespräch kann der Disponent noch Einzelheiten erfragen, zum Beispiel, ob es in der Landschaft markante Punkte gibt. So wissen wir meist schnell, wo wir hin müssen.“

Auf den Wachen sah man anfangs die Eigenständigkeit des leitenden Beamten der Schicht gefährdet. Doch der Dienstabteilungsleiter (DAL), kann nun, statt in der Wache zu koordinieren, direkt bei seinen Leuten vor Ort sein, hat einen Überblick und gibt entsprechende Anweisungen. Orth, der vor Jahren in Uelzen selbst im Streifendienst arbeitete, sagt: „Wir halten dem Kollegen den Rücken frei.“

Polizeidirektor Jens Eggersglüß, in dessen Verantwortungsbereich die Leitstelle fällt, sagt, dass man sich auch auf die neue Lage durch die Terrorgefahr eingestellt habe nach den jüngsten Ereignissen in London, Paris, aber auch in Ansbach. „Wir haben alle Abläufe überprüft, Stabsübungen mit jeder Polizeiinspektion abgehalten“, sagt er.

Wer den Beamten in der Leitstelle über die Schulter guckt und weiß, dass sie von Unfällen, Schlägereien oder Feuern hören, ist beeindruckt von der Ruhe. Gemeinsam arbeiten sie die Lage ab. Einer versucht so viele Informationen wie möglich vom Anrufer zu erhalten, andere setzen Streifen- und Rettungswagen in Marsch. Die Hilfe läuft an.
Von Carlo Eggeling

Zahlen und Hintergrund

Lüneburger Feuerwehr ist mit an Bord

73 Mitarbeiter arbeiten im Schichtdienst von Luna, dazu kommen zehn weitere für Technik und Zuarbeit. Ursprünglich sollten auch die Leitstellen von Feuerwehr und Rettungsdienst der jeweiligen Landkreise unter das Dach der Polizei ziehen, doch nur die Lüneburger sind den Schritt gegangen. Die anderen pochten auf Eigenständigkeit, für die Lüneburger hat sich die Zusammenarbeit indes bewährt. 13 Arbeitsplätze mit Bildschirmen, Computer und Head-Sets nutzt die Polizei, vier die Feuerwehr in modifizierter Form.
7,1 Millionen Euro haben Umbauten und Technik für die Leitstelle gekostet. Der Landkreis Lüneburg hat für seine Einsatzzentrale 900.000 Euro beigesteuert.