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Bürgermeister Clemens Leder vor dem geschlossenen Dorfladen in Wendisch Evern. Er hofft, dass sich schon bald ein neuer Pächter findet. Foto: kre
Bürgermeister Clemens Leder vor dem geschlossenen Dorfladen in Wendisch Evern. Er hofft, dass sich schon bald ein neuer Pächter findet. Foto: kre

Dorfladen in Wendisch Evern geschlossen

Wendisch Evern. „Dorfladen“ steht noch mit großen, weißen Buchstaben an der Eingangstüre zu lesen. Zu kaufen gibt es in dem kleinen Lädchen aber schon seit Woch en nichts mehr. Das Geschäft hat geschlossen – und das bedauert nicht nur Wendisch Everns Bürgermeister Clemens Leder (CDU).

Schließlich war der „Dorfladen-Treff“ die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Der einzige öffentliche Treffpunkt, an dem man zu einer Tasse Kaffee zusammenkommen und sich über Neuigkeiten austauschen konnte. Geht es nach Bürgermeister Leder und seinen Ratskollegen, soll das bald wieder möglich sein. „Wir sind dabei, einen Nachmieter zu suchen“, sagt Leder – wissend, dass das nicht einfach wird.

1745 Einwohner zählt die Gemeinde Wendisch Evern. „Früher gab es im Ort einen Edeka- und einen Spar-Markt“, erinnert sich Clemens Leder – „zwei Gaststätten, eine Post und eine Sparkasse gab es auch.“ So lange ist die Sparkasse noch nicht weg – und doch Geschichte. Jetzt ist alles weg. Selbst den Geldautomaten der Sparkasse gibt es in Wendisch Evern nicht mehr.

Dass trotz der Ausweisung neuer Baugebiete die Infrastruktur immer dünner wurde und wird, dafür kann der Bürgermeister Gründe nennen: „Die Bürger sind mobiler geworden, fast jeder hat ein Auto“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Da fällt es leicht, den Weg zur Arbeit mit dem täglichen Einkauf zu verbinden. „Die meisten fahren ohnehin zum Einkaufen ins nahe Lüneburg oder in die Nachbargemeinden Barendorf oder Deutsch Evern – auch dort gibt es ja Supermärkte.“ Seine Sorge aber gilt denen, die nicht mobil sind. Die kein Auto besitzen, schlecht zu Fuß sind und nicht ohne Weiteres nach Lüneburg zum Einkaufen kommen. „Gerade für viele ältere Mitbürger war der Dorfladen ein Segen.“

Dass die Betreiber vor wenigen Wochen ihren Traum von der Selbstständigkeit an den Nagel gehängt und das Geschäft aufgegeben haben, dafür gab es wohl mehrere Gründe, glaubt Clemens Leder. Der Kontrollbesuch des Landkreises, der Anfang des Jahres bauliche Veränderungen in dem kleinen Ladengeschaft gefordert hatte, sei einer gewesen. Zwar hatte die Gemeinde ihre Unterstützung zugesichert, doch da hatten die beiden Unternehmerinnen bereits ihren Entschluss zum Aufhören gefasst.

Jetzt also steht das zu einem kleinen Geschäft umgebaute Gemeindebüro erneut leer und die Lokalpolitik muss sich wieder auf die Suche nach einem Ladenbetreiber machen: „Vieles ist möglich“, sagt Leder, der aber keinen Hehl daraus macht, dass ihm die Ansiedlung eines Kiosks am liebsten wäre.

Ein kleiner Laden, in dem es neben belegten Brötchen, Kaffee, Eis und Zeitungen auch diverse Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf zu kaufen gibt. Eine Grundversorgung eben.

Und falls sich kein Betreiber findet? Aufgeben will der Bürgermeister nicht. „Möglich wäre auch ein Reparatur- und Fahrrad-Café“, sinniert Leder. Gute Ideen werden wohl auch künftig mehr denn je gefragt sein, denn der demografische Wandel wird die Landflucht noch weiter verstärken. Der allgemeine Bevölkerungsrückgang in Deutschland dürfte sich laut Expertenmeinung bis 2050 auf mindestens zwölf Millionen Menschen summieren und überwiegend die ländlichen Regionen treffen.

Zwei Drittel aller ländlichen Gemeinden Deutschlands haben laut einer Studie zwischen 2003 und 2008 mehr als ein Prozent ihrer Bevölkerung eingebüßt. „Dorfläden sorgen für Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit von Dörfern. Sie sind Anker in der Dorfentwicklung und sorgen auch für Zuwachs im Dorf“, betonen deshalb die beiden Vorsitzenden der Dorfläden-Bundesvereinigung, Günter Lühning und Wolfgang Gröll.

Lühning verweist zugleich auf den drastischen Rückgang der Lebensmittelgeschäfte von 160.000 auf unter 38.000 in weniger als 50 Jahren. „Engagierte Bürger und Kommunalpolitiker auf dem Lande wollen sich von den großen Konzernen aber nicht vorschreiben lassen, wie weit sie zu den immer größer werdenden Märkten fahren müssen, teilweise 10 oder 15 Kilometer weit“, ist Lühning überzeugt. Quasi als Gegenbewegung hätten sich deshalb weit mehr als 200 Bürgerläden gegründet – Tendenz steigend.

Vielleicht wäre auch das eine Option für Wendisch Evern. „Auch das werden wir in die Überlegungen mit einbeziehen“, verspricht Clemens Leder.
Von Klaus Reschke

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