Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Alte Stifte, Tampon-Verpackungen, Haarbänder: Nur ein Teil des Mülls, der mit dem Kompost auf den Äckern gelandet ist. Foto: plu

Melbeck: Ursache für Müll-Skandal gefunden

Melbeck. Kleine Ursache, große Wirkung: Ein falsche und defekte Siebrolle war Schuld daran, dass im März aus einem Kompostwerk der Firma „LüneRecycling“ mit Plastik verschmutzter Kompost auf Ackerböden bei Bienenbüttel, Neetze und Bleckede gelangt war. Das ergeben die Recherchen des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg (GAA). In der ausgebrachten Erde befanden sich zerkleinerte Plastikteilchen, Glasscherben und anderer Müll wie zum Beispiel Wattestäbchen, Zahnbürsten, Kugelschreiber oder Blutzuckertester (LZ berichtete). Das GAA untersuchte daraufhin den Betrieb. „Inzwischen liegen uns alle Untersuchungsergebnisse vor“, teilt die stellvertretende GAA-Leiterin Christina Freifrau von Mirbach mit und kann in einem Punkt Entwarnung geben: „Der Kompost, den das Werk sonst produziert, hält alle in der Bioabfallverordnung festgelegten Werte ein.“

Harter Schlag für junges Unternehmen

Ursache der Verunreinigung war der fehlerhafte Einsatz der Siebtrommel, die nicht mit der nötigen Sorgfalt von den Mitarbeitern ausgetauscht worden sei. Hier sieht von Mirbach auch eine Mitschuld der Geschäftsführung. Es habe an konkreten Arbeitsanweisungen an die Mitarbeiter vor Ort, aber auch an ausreichender Kontrolle im Bereich der Siebanlage gefehlt. „Wir haben daher vom Betreiber verlangt, dass er im Rahmen seiner eigenverantwortlich wahrzunehmenden Betreiberpflichten die erforderlichen innerbetrieblichen Maßnahmen ergreift, um Vorsorge zu treffen, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt“, erklärt von Mirbach. Die Firma LüneRecycling sei dieser Aufforderung auch unverzüglich nachkommen.

Für LüneRecycling-Chef Karsten Burmester war der fehlerhafte Einsatz der Siebtrommel ein harter Schlag: „Der Betrieb wurde Mitte 2016 gegründet, befindet sich also noch mitten in der Aufbauphase.“ Der Betrieb verwertet sogenannte „Siebüberläufe“ aus Kompostierungsanlagen aus dem Kreis Uelzen, dem Herzogtum Lauenburg, den Kreisen Nienburg, Göttingen und Kassel. Bei den Siebüberläufen handelt es sich um den verschmutzen Anteil des Kompost, den herkömmliche Kompostierungsanlagen nicht mehr oder nur unter großem Aufwand ausfiltern können – also das, was vorher schon nicht in den Bioabfall gehörte. Diesen „verunreinigten“ Kompost kaufen die Melbecker, um ihn in ihren Anlagen weiter auszusieben. 10 000 Tonnen Siebüberläufe pro Jahr will der Betrieb verwerten, davon 10 bis 20 Prozent Kompost.

Betrieb darf keinen Kompost ausliefern

Obwohl die Ursache der Verunreinigung mittlerweile abgestellt wurde, darf der Betrieb noch keinen Kompost an Landwirte abgeben. Erst muss die Landwirtschaftskammer (LWK) die Zulässigkeit dieses Kompostes als Düngemittel prüfen. Vergangene Woche hat ein Gespräch mit der LWK, dem Kreis Uelzen und dem Gewerbeaufsichtsamt auf dem Betriebsgelände in Melbeck stattgefunden. Das bestätigte Burmester gestern auf LZ-Anfrage. Damit der Kompost künftig als Dünger ausgebracht werden darf, muss LüneRecycling nicht nur die Grenzwerte für Schad- und Fremdstoffe einhalten und diese regelmäßig überprüfen, sondern die Analysen deutlich engmaschiger durchführen. Zudem muss der Betrieb eine lückenlose Dokumentation über die Herkunft des Ursprungs-Materials nachweisen können.

„In den vergangenen Wochen haben wir die Annahme von Rohmaterial deutlich zurückfahren müssen“, sagt Burmester, der jetzt wieder Licht am Ende des Tunnels sieht: „Wir stehen kurz davor, dass wir wieder ausliefern dürfen.“ Allerdings schränkt von Mirbach ein: „Wir werden den Kompost erst dann freigeben, wenn die Landwirtschaftskammer aus düngemittelrechtlicher Sicht grünes Licht gibt.“ kre