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Elektriker Alex Klein und seine Kollegen sind gefragt. Und sie sind keine Einzelfälle, im gesamten Handwerk gibt es derzeit reichlich zu tun für gut ausgebildete Fachkräfte. Foto: t&w

Langes Warten auf Handwerker dank voller Auftragsbücher

Lüneburg. Der Bau-Boom hält an. Nicht nur Kommunen wie die Stadt Lüneburg legen kostenintensive Programme auf, auch immer mehr Familien möchten sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Die Folge: Die Region wächst weiter. Und wer schon ein Eigenheim besitzt, nutzt die günstigen Kreditzinsen schon mal für eine Modernisierung – davon profitieren nicht nur die großen Bauunternehmen, sondern vor allem auch die Handwerker in Stadt und Landkreis, die derzeit reichlich zu tun haben. Viele Unternehmen haben so volle Auftragsbücher, dass sie für neue Kunden oft gar keine Zeit mehr haben. Andere Betriebe nehmen zwar weiterhin Aufträge an, verweisen aber auch gleich auf lange Wartezeiten. Nicht selten müssen sich Kunden mehrere Monate gedulden, wenn es kein Notfall ist. Die LZ hat sich bei einigen Betrieben umgehört und mit der Handwerkskammer gesprochen.

Herbert Twesten ist Seniorchef der Zimmerei Twesten mit Sitz in Wittorf. Er sagt: „Momentan müssen Kunden bis Mitte November warten, bis ein Auftrag umgesetzt wird. Wir machen zurzeit viele Neubedachungen und Dämmungen, weil Kunden lieber in ihre Immobilie investieren, statt das Geld auf der Bank liegen zu lassen.“ Akut-Fälle versuche er jedoch dazwischen zu schieben. Das Unternehmen habe zwei weitere Mitarbeiter eingestellt, aber es sei schwierig, Fachpersonal zu bekommen.

Vier bis sechs Wochen Wartezeit für Neukunden

Fachkräfte, die durch ihre Erfahrung für vielseitige Arbeiten in ihrem Beruf einsetzbar sind, sind knapp, räumt auch Klaus Hartmann, Inhaber von Elektro-Hartmann in Adendorf, ein. Das sei auch ein Grund dafür, dass es längere Vorlaufzeiten brauche, damit Arbeiten ausgeführt werden – abhängig zudem vom Umfang des Auftrags. Auch in diesem Unternehmen gilt: Bei akuten Problemen versuche man, sie möglichst schnell zu beseitigen. Zum Thema Fachkräftemangel sagt der Handwerksmeister: Neue Mitarbeiter seien nur noch zu gewinnen, wenn jemand in die Region umziehe, eine Firma Insolvenz anmelde oder ein Arbeitnehmer mit seinem bisherigen Arbeitgeber unzufrieden sei. Zudem setze man auf Ausbildung im eigenen Betrieb.

„Stammkunden werden bevorzugt behandelt, und natürlich entscheiden wir nach Dringlichkeit“, sagt Christian Hannebohm, Mitinhaber der Adendorfer Hannebohm Heizung-Sanitär GmbH. Neue Kunden müssten derzeit mit einer Wartezeit von vier bis sechs Wochen rechnen – abhängig vom Umfang und der Art des Auftrages.

Weil auch die Küche oder das Bad hin und wieder mal in neuem Glanz erstrahlen sollen, sind auch Fliesenleger-Betriebe derzeit stark nachgefragt. Manfred Grabowski, Seniorchef des Amelinghausener Unternehmens Grabowski, kann das bestätigen: Mit mindestens zehn Wochen müssten Kunden aktuell rechnen, ehe ein erteilter Auftrag auch umgesetzt werden kann.

Von Antje Schäfer