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Landessuperintendent Dieter Rathing (M.) lässt sich Daten zu den riesigen Zeitungspapierrollen erklären von Christian von Stern (l.), geschäftsführender Gesellschafter der von Stern‘schen Druckerei, und Geschäftsführer Andreas Jörß. Foto: be

Landessuperintendent in der Druckerei

Lüneburg. Er wähnte sich zunächst als künftiges Opfer der „versteckten Kamera“. Als An­dreas Jörß, Geschäftsführer der von Stern‘schen Druckerei, telefonisch gefragt wurde, ob Landessuperintendent Dieter Rathing ein Betriebspraktikum in der Druckerei machen könne, wurde ihm aber schnell klar: Das ist ernst gemeint. Seinem Praktikanten stellte er jetzt nach einer Woche ein gutes Zeugnis aus: „Er war wissbegierig.“ Und auch der Landessuperintendent für den Sprengel Lüneburg, der regelmäßig Betriebspraktika absolviert, war begeistert: „Ich habe sogar nachts von mathematischen Formeln für die Zeitungsproduktion geträumt.“

Überrascht von Zeitdruck

„Ziel des Praktikums war es, das Reformationsjubiläum neben Vorträgen und anderen Veranstaltungen zu erden – und dabei hat der Buchdruck eine wichtige Seite“, sagt Rathing. Denn ohne die Erfindung des Buchdrucks hätte Luther vor 500 Jahren nicht so erfolgreich gewesen sein können: „Die Bibel muss in den Kopf rein, so gab‘s und gibt‘s sie im Großformat ebenso wie im Taschenformat, man kann sie immer dabei haben.“ Der Bibeldruck galt im 17. Jahrhundert als wichtigstes Geschäftsfeld der von Stern‘schen Druckerei, Lüneburg als „Stadt der Bibeln“.

Fünf Tage lang packte Rathing im Haus im Industriegebiet Hafen mit an, war beispielsweise überrascht, unter welchem Zeitdruck gearbeitet wird, was nicht nur beim Druck selber, sondern unter anderem auch bei der Kostenkalkulation und der Nachkalkulation so sei. Und es gab etliche Informationen. So erfuhr er beispielsweise, dass es bei dünnem Papier und hoher Luftfeuchtigkeit, wie es sie am Freitag gab, Probleme beim Drucken geben könne. Beeindruckt war er von den 1,2 Tonnen schweren Zeitungspapierrollen, zu denen Jörß ihm erklärte: „Jede Rolle hat bis zu 20 Kilometer Papier. Für eine Ausgabe der Landeszeitung benötigen wir je nach Seitenumfang zwischen zwei und vier Rollen.“

Kirchenmann backte auch schon Brötchen

Für Dieter Rathing war es das erste Betriebspraktikum in Lüneburg. Seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren sucht er einmal im Jahr die Gelegenheit zu einem einwöchigen Praktikum. So war er bereits in einer Autowerkstatt der Diakonie Kästorf tätig, reinigte Toilettenanlagen auf einem Campingplatz in der Heide und backte Brötchen in einer Wolfsburger Großbäckerei. 2016 baute er in den Werkstätten des Celler Schlosstheaters Requisiten und half den Beleuchtern.

Von Rainer Schubert