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Auf Irrwegen nach Rullstorf

Rullstorf. Der Hilferuf erreicht die Redaktion per E-Mail. Betreff: „Schildbürgerstreich: Straßenbaustelle zwischen Scharnebeck und Kronsber g“. Verfasser: Peter Dolan aus Rullstorf. Sein Problem: Eine „völlig irrwitzige Aus- und Umleitungs-Beschilderung“, die aus seiner Sicht nicht nur den Weg nach Rullstorf zu einer Irrfahrt werden lässt. „Auch die Fahrt raus aus Rullstorf stellt vor allem Auswärtige vor eine Herausforderung.“ Wie unerreichbar Rullstorf wirklich ist? Die LZ hat den Test gemacht.

Von Lüneburg aus ist die Fahrt nach Rullstorf normalerweise schnell gemacht: Lüneburg Ebensberg – Erbstorf – Scharnebeck – Rullstorf. Distanz: rund 12,5 Kilometer. Fahrzeit mit dem Auto und ohne Stau: etwa 20 Minuten. Seit Ende Juni saniert der Landkreis Lüneburg allerdings die Kreisstraße 2 zwischen Scharnebeck und Rullstorf, voraussichtliche Bauzeit bis Ende Juli. Wir fahren zunächst wie gewohnt, bis zur Scharnebecker Ortsmitte läuft alles problemlos. Dort allerdings endet unsere gewohnte Route an der Kreuzung Echemer Straße/Auf der Domäne vor Bake und Verbotsschild – und die Umleitung beginnt.

Suche nach Umleitungsschildern vergeblich

Kleine gelbe Schilder führen uns über Land bis nach Echem. Dort verlieren wir die Orientierung, folgen unserem Gefühl und nehmen die schmale Gemeindeverbindungsstraße nach Lüdersburg. Erst später und auf Nachfrage beim Landkreis Lüneburg erfahren wir, dass die offizielle Umleitung weiter über Bullendorf nach Hittbergen und dann ebenfalls nach Lüdersburg führt. Erschlossen hat sich uns die Umleitung nicht. Auch dass wir uns ab Lüdersburg wieder auf der Umleitungsroute befinden, erfahren wir erst im Nachhinein. Weitere Umleitungsschilder suchen wir hier vergeblich.

Wir folgen also dem üblichen Weg nach Rullstorf auf der K 2 und können nach sechs Kilometern den Abzweig in den Ort schon sehen. Nur weiterfahren dürfen wir nicht. Wenige hundert Meter vor dem Ziel versperren erneut Bake und Verbotsschild die Durchfahrt. Warum? Das bleibt ein Rätsel. Bauarbeiten sind weit und breit nicht zu sehen. Fest steht nur: Die offizielle Umleitung über Echem endet hier in einer Sackgasse.

Bake stand falsch

Mit der Hilfe eines jungen Mannes erreichen wir zehn Minuten später über Neumühlen und Boltersen dann doch noch Rullstorf, stehen bei dem Versuch, wieder nach Lüneburg zu kommen, allerdings erneut vor Baken und Verbotsschildern. Umleitungsschilder gibt es nicht, wir finden nur mit Ortskenntnis den Weg zurück. Rullstorfer berichten, dass am Wochenende sogar Auswärtige bei ihnen geklingelt hätten, um nach dem Weg zu fragen. Und auch Gemeinde-Bürgermeister Jürgen Hagemann ist genervt. „Dass das so unglücklich abläuft, hätte ich mir nicht träumen lassen“, erklärt er auf Nachfrage. „Als Gemeinde hat man uns allerdings erst etwa eine Woche vor Baubeginn informiert.“

Und was sagt der zuständige Landkreis zu den Vorwürfen? „Wir werden uns die Strecke nochmal genau ansehen, haben aber schon nachgebessert“, erklärt Sprecherin Katrin Holzmann. Außerdem erläutert sie die offizielle Umleitungsstrecke sowie die inoffizielle Abkürzung nach Rullstorf (siehe Kasten). Und:  „Die Nachbesserungen sollen am kommenden Montag umgesetzt werden.“

Abkürzung freigegeben

Die offizielle Umleitung von Lüneburg nach Rullstorf führt laut Kreissprecherin Katrin Holzmann über die Landesstraße 221 Richtung Bleckede bis nach Sülbeck.

In Sülbeck biegt man links ab auf die Kreisstraße 28 Richtung Boltersen weiter nach Rullstorf. „Wer aus Scharnebeck nach Rullstorf will, fährt über Lentenau bis zum Nutzfelder Kreisel und von dort aus auf der Landesstraße bis nach Sülbeck, Boltersen und Rullstorf.“

Nachträglich ist zudem noch eine Abkürzung für Pkw freigegeben worden, die allerdings weder ausgeschildert wurde noch für Ortsfremde leicht zu finden ist:

Sie führt in Scharnebeck über den Hof der Raiffeisen und die Straße Kringelsburg auf einem Wirtschaftsweg direkt nach Rullstorf.

Die Straße, die eigentlich nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist, wurde auf Drängen der Gemeinde auch für Pkw geöffnet. Umleitungen aus allen anderen Richtungen sollen ausgeschildert sein.

Von Anna Sprockhoff