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Im Circus Probst tritt Tierlehrer Hans Ludwig Suppmeier mit weißen Tigern auf. In der kommenden Woche gastiert das Unternehmen auf den Sülzwiesen in Lüneburg. Foto: nh

Gehören Tiere in die Manege?

Lüneburg. Es ist ein Dauerthema in Lüneburg und flammt immer stets auf, wenn auf den Sülzwiesen das nächste Gastspiel eines Zirkus ansteht. Während sich die einen an den Darbietungen mit dressierten Vierbeinern erfreuen und Tiere im Zirkus durchaus gut aufgehoben sehen, weil sie dort aus ihrer Sicht liebevoll betreut, gefordert und gefördert werden, steht für die anderen fest, dass Tiere nicht in Gefangenschaft gehören und ein Tier kein Gefallen daran finden kann, auf Kommando Kunststücke vorzuführen. Das Thema hat in den vergangenen Jahren auch die Lokalpolitik beschäftigt. Aktualität erreicht es nun wieder, weil einerseits Die Linke eine Anfrage an den Kreis gestellt hat und andererseits in der kommenden Woche der Circus Probst in Lüneburg Station macht.

Erst im Juni hatte der Lüneburger Rat über einen Antrag der Linken beraten, die gefordert hatte, dass die Stadt für Zirkusbetriebe mit Wildtieren keine Flächen mehr zur Verfügung stellen sollte. Der Antrag fand Sympathie auch bei anderen Fraktionen, doch die hatten Bedenken, ob ein solcher Schritt rechtlich überhaupt durchsetzbar wäre. Eine Entscheidung fiel nicht, das Thema soll nach der Sommerpause im Ausschuss für Feuerwehr und Gefahrenabwehr weiter diskutiert werden.

Nun untermauert die Linke ihren Vorstoß mit der Antwort auf eine Anfrage, die die Kreistagsfraktion gestellt hatte. Danach habe das Lüneburger Veterinäramt in den vergangenen fünf Jahren in 14 verschiedenen Zirkussen insgesamt 49 Tierschutzkontrollen zu verzeichnen gehabt, in 23 Fällen seien Verstöße festgestellt worden. „Dieses Ergebnis ist erschreckend. Es zeigt, dass Tiere im Zirkus leiden und gerade Wildtiere dort nicht hingehören“, wertet der linke Kreistagsabgeordnete Christoph Podstawa.

Kathrin Holzmann, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, bestätigt die Zahlen, sagt jedoch auch: „Es ging dabei im Großen und Ganzen um Verstöße gegen die Dokumentationspflicht. Jeder Zirkus muss ein Tierbestandsbuch führen, in dem unter anderem Daten zu jedem einzelnen Tier vermerkt sind, außerdem Tierarztbesuche und ob die Tiere genügend Auslauf haben. Beim Auslauf zum Beispiel haben wir auf den Sülzwiesen keine Probleme. Meist waren die Bücher nicht auf dem aktuellsten Stand. Es tauchte darin ein Tier auf, das schon nicht mehr zum Zirkus gehört, oder umgekehrt war ein Tier, das relativ neu dabei ist, noch nicht im Buch vermerkt. Oder es gab bei der Hufpflege etwas zu beanstanden, was aber auch bei vielen Pferdebesitzern immer mal wieder vorkommt. Ein richtig großer Hammer war nicht dabei.“

Gleichwohl findet auch David Amri von der Stadtratsfraktion der Linken: „Die Zahlen zeigen, wie dringend der Handlungsbedarf ist.“ Deshalb sieht er es auch besonders kritisch, dass mit dem Circus Probst in der kommenden Woche nun wieder ein Unternehmen nach Lüneburg kommt, das mehrere Wildtiere dabei hat. „Dem wollen wir ein Ende setzen. Es gibt zahlreiche Zirkusse mit tollen akrobatischen und artistischen Vorführungen, die ohne Tiere auskommen, sodass niemand auf Zirkusshows verzichten muss“, sagt Amri.
Von Alexander Hempelmann

Vorstellungen vom 12. bis 16. Juli

Probst feiert Premiere

Der Circus Probst gastiert von Mittwoch bis Sonntag, 12. bis 16. Juli, auf den Sülzwiesen. Zur Crew gehören 60 Angestellte aus zwölf Nationen sowie mehr als 60 Tiere, darunter Tiger, Kamele, Zebras, Lamas, Esel, Ziegen und Pferde. Zu sehen sein werde eine Show unter dem Titel „Fantastico“ mit Artistik, Clownerie, Tiernummern und einem Live-Orchester. Unter anderem wird Ren Yanan auf einem nur 12 Millimeter dünnen Stahlseil unter der Zeltkuppel über Kopf Einrad fahren. Vorstellungen finden statt am Mittwoch um 16 und um 19.30 Uhr, am Donnerstag um 17 Uhr, am Freitag und am Sonnabend um 16 und um 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 11 und um 16 Uhr. Die Preise beginnen bei 10 Euro, der teuerste Platz kostet 30 Euro. Mehr Informationen gibt es auf www.circus-probst.de und unter (0175) 7978449. Der Zirkuszoo hat an allen fünf Tagen auch außerhalb der Vorstellungszeiten geöffnet.

One comment

  1. Der Antrag der Linken ist ein verzweifelter Versuch, noch ein paar Wählerstimmen einzufangen und ein entsprechender Beschluss wäre rechtswidrig. Hat doch erst im März das OVG Lüneburg ein Klares Urteil gegen die Stadt Hameln gefällt das feststellt, dass kommunale Wildtierverbote keinen Bestand haben, weil sie in Bundesrecht eingreifen und die Berufsfreiheit dazu in unzulässiger Weise einschränken.