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Dr. Rolf-Dittmar Heinze sorgt sich aufgrund der immer größeren Verbreitung des Jakobskreuzkrautes um die Gesundheit seiner Pferde.

Kreuzzug gegen Jakobskreuzkraut

Oldendorf/Göhrde. Rolf-Dittmar Heinze sieht rot, wenn er in diesen Tagen das viele Gelb auf den Feldern und entlang der Straßen sieht. Denn da s, was da zurzeit in schönster Blüte steht, ist hochgiftig. Das Jakobskreuzkraut! Und gegen diesen Korbblütler ruft der Oldendorfer trotz seiner 91 Jahre zum Kreuzzug auf. „Gegen die ungebremste Ausbreitung dieser Pflanze muss man vorgehen“ fordert der ehemalige Mediziner, der um das Leben und die Gesundheit nicht nur seiner Pferde fürchtet.

Die Pflanze enthält nämlich giftige Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) und ist somit für Menschen wie auch für Tiere sehr gefährlich. Bereits 80 Gramm Frischpflanze pro Kilogramm Körpergewicht sind für ein Pferd tödlich, warnen Experten. Selbst abgemäht, getrocknet und zu Heu verarbeitet bleiben die Giftstoffe erhalten.

Heinze achtet zwar darauf, dass sich die tödlichen Pflanzen nicht auf seinen Weiden ausbreiten können, aber das ist eine echte Sisyphus-Arbeit. Vor allem dann, wenn auf den benachbarten Feldern die ungeliebte Pflanze ungestört wachsen und gedeihen und der Blütenstaub sich durch den Wind weiter verbreiten kann. Denn dann können sich die kleinen Flugsamen, das Giftigste der Pflanze, an das Gras anheften und werden so mitgefressen. Da eine Pflanze bis zu 150.000 Samen bilden kann und diese bis zu 70 Meter weit fliegen können, ist diese Gefahr nicht zu unterschätzen.

„Viele Menschen sind sich nicht bewusst, welche Gesundheitsrisiken von natürlich vorkommenden Pflanzen und Pilzen ausgehen können. Oftmals fürchten sich Verbraucher mehr vor Pflanzenschutzmittelrückständen“, so Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Er warnt vor einer Verunreinigung von Lebens- und Futtermitteln mit Pyrrolizidin-Alkaloiden, da sie die Leber schädigen und im Tierversuch krebserregend sind. Mit PA verunreinigte Kräutertees, einschließlich Rooibostee, sowie schwarzer und grüner Tee und Honig sind die Hauptquellen, über die Verbraucher Pyrrolizidin-Alkaloide aufnehmen können. Die in diesen Lebensmitteln enthaltenen PA-Mengen können sowohl für Kinder als auch für Erwachsene bei längerer (chronischer) Aufnahme gesundheitlich bedenklich sein. Ein akutes Gesundheitsrisiko besteht laut BfR aber nicht.

In der Lüneburger Kreisverwaltung sieht man die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes daher mit durchaus gemischten Gefühlen: „Unsere Veterinäre sehen ebenfalls die Gefahr für Pferde und andere Weidentiere“, berichtet Kreissprecherin Katrin Holzmann. Die Untere Naturschutzbehörde dagegen fürchtet, das bei einer großflächigen Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes die Gefahr besteht, dass auch andere Pflanzen mit entfernt werden – zu Lasten der Biodiversität. Denn leicht könne das Jakobskreuzkraut zum Beispiel mit dem Johanniskraut oder dem Wiesenpippau verwechselt werden. Die Erkennungsmerkmale: Die Pflanze ist 50 bis 150 Zentimeter hoch, ihre Blütendolden haben viele kleine gelbe Korbblüten, jede Blüte hat 13 Blütenblätter. Die Stängel sind oft violett gefärbt, die dunkelgrünen Blätter sind zudem unregelmäßig gefiedert.

Weitere Informationen gibt es unter www.ak-kreuzkraut.de.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Nicht mit dem Gartenabfall entsorgen

Wohin mit den giftigen Pflanzen aus dem eigenen Garten? Reiner Jilg vom kommunalen Entsorger GfA weiß Rat: „Giftige Pflanzen wie Herkulesstaude, Jakobskreuzkraut oder Ambrosia werden bei uns abgenommen und im Biokompostwerk abgeladen. Dort erreichen wir, anders als beim Kompost zu Hause, über einen längeren Zeitraum Kompostierungs-Temperaturen von mindestens 70 Grad. Dabei werden auch die Samen zerstört.“

Die Pflanzen sollten getrennt vom „ungefährlichen“ Gartenabfall abgegeben werden. Nicht nur bei größeren Mengen. Wer die Problem-Pflanzen zur GfA bringt, muss das am Deponie-Eingang anmelden. Zum Schutz der Deponie-Mitarbeiter, die sonst mit den giftigen Pflanzenteilen in Kontakt kommen könnten. Die Giftpflanzen werden dann gesondert im Biokomposter behandelt.

Mehr zahlen müssen die GfA-Kunden für diesen Aufwand nicht: „Die Gebühr ist die gleiche wie für den gewöhnlichen Gartenabfall.“ lz