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Uni-Präsident Sascha Spoun mit Juliane Frost (l.) und Lena Heuer vom Verein Zugvögel, der beim „Dies Academicus“ mit dem Preis für ehrenamtliches Engagement bedacht wurde. (Foto: t&w)

Bereit sein, auch mal Fehler zu begehen

Lüneburg. Dass der Abend den Ehrendoktoren, Preisträgern und Studenten galt, geriet zunächst in den Hintergrund. Uni-Präsident Sascha Spoun un d Oberbürgermeister Ulrich Mädge lobten erstmal den „großartigen, außergewöhnlichen Raum“ und das Gebäude, in dem nun nach „zehn Jahren harter Arbeit“ zum ersten Mal der „Dies Academicus“ als Abschluss und Höhepunkt des akademischen Jahres stattfinden konnte. Mädge, bekennender Fan des Liebeskind-Baus, sagte im Audimax vor rund 700 Gästen: „Auch in zehn oder 20 Jahren werden die Leute sagen, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Er hatte auch eine Bitte aus dem Rathaus mitgebracht, denn neben dem Bogen der Frau Luna sei nun auch das neu aufgestellte Schild mit der Aufschrift „Universitätsallee“ für Diebe interessant. „Ich würde Sie bitten, es etwas länger stehen zu lassen. Sonst wissen Auswärtige nicht, wo sie aus dem Taxi aussteigen müssen.“

„Dann müssten auch die Dozenten rausfliegen“

AStA-Sprecherin Susanna De­dring lobte die gute „Feedbackkultur“ auf dem Campus, kritisierte aber auch die Notengebung und Zwangsexmatrikulation. Denn wer an der Leuphana drei Mal durch die gleiche Prüfung fällt, darf nicht mehr weiter studieren und in ganz Deutschland kein vergleichbares Fach wählen. Provokant sagte sie: „Dann müssten Dozenten auch rausfliegen, wenn sie drei Mal eine schlechte Vorlesung halten. Dazu bekommen sie dann noch ein Berufsverbot.“

Nur Lob erhielten dagegen die vier Professoren, die mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet wurden (siehe unten). Und auch Spoun machte in seiner Festrede Mut. Er sprach über Disziplin, heutzutage vergleichbar mit einem Nadelwald. „Junge Triebe müssen nach oben zum Licht wachsen, um zu überleben. Sie wollen schnell an das Licht der Reputation gelangen.“ Die Menschen seien in der Disziplin sozialisiert, „aber auch das Zweifeln ist menschlich“, sagte er und kam damit auf seine Botschaft. „Eine solche Feier ist ein Ort für eine kritische Diskussion. Seien Sie stets voller Zweifel, ecken Sie an. Das bringt uns alle voran.“

Für eine kleine Atempause sorgte dann ein neues Format: Die Preisträger durften sich und ihre Projekte selbst in einem Videobeitrag vorstellen, der Film wurde im Saal ausgestrahlt. Zwei Projekte erhielten einen Lehrpreis auf Vorschlag von studentischer Seite, drei Konzepte wurde von den Dozenten selbst eingereicht und ausgezeichnet. Bei der Übergabe sagte Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident der Graduate School: „Lernen ist eigentlich ein schmerzhafter Prozess. Es zwingt uns, uns zu verändern, andere Standpunkte einzunehmen, in Seminaren zu streiten.“ Deshalb müsse man stets bereit sein, zu experimentieren, Fehler zu begehen und auch scheitern zu können.

Auch im Bereich Forschung wurden viele Leistungen ausgezeichnet: So erhielten zwei Professoren der Leuphana den Forschungspreis, zwei junge Postdoktoranden den Promotionspreis, der Fundraising-Preis ging an ein Duo. Verliehen wurden auch ein Preis für Geschlechter- und Diversitätsforschung sowie der Wissenstransferpreis.

Studenten müssen lange ausharren

Nach rund zwei Stunden durften dann Studenten vors Publikum treten. So zeichnet der Social Change Hub der Leuphana jedes Jahr gesellschaftlich relevante Projekte mit dem „Award für Andersdenkende“ aus. Leiterin Prof. Dr. Jantje Halberstadt betonte, wie wichtig es sei, an einem solchen Abend auch die Studenten zu würdigen. „Sie nehmen sich Zeit, orientieren sich nicht nur an ihrem Lebenslauf.“ Von der Hochschulöffentlichkeit gewählt wurden: der Kulturgarten, der Verein Lunatic, Policy Lab und Hochschule ohne Grenzen/No Border Academy.

Den Preis für ehrenamtliches studentisches Engagement konnten die Zugvögel ergattern. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, institutionellen Rassismus und globales Ungleichgewicht zu bekämpfen. So organisieren die Mitglieder Freiwilligendienste in Deutschland, zurzeit arbeiten zwei junge Männer aus Ecuador und Mexiko in einem Kindergarten. Die Preisträgerinnen des Vorjahres, Antonia Mohr und Eva Kern, durften die Studenten auszeichnen. „Ich möchte betonen, dass sie sich in ihrer Freizeit mit und für andere engagieren. Niemand zwingt sie dazu, es geschieht aus der Motivation heraus, die Gesellschaft zum Positiven zu verändern“, sagte Mohr.

▶ Alle Preisträger und Details zu den Projekten gibt es unter www.leuphana.de/dies-academicus im Internet.

Von Anna Paarmann

12 Kommentare

  1. „Uni-Präsident Sascha Spoun un d Oberbürgermeister Ulrich Mädge lobten erstmal den „großartigen, außergewöhnlichen Raum“ und das Gebäude,…“

    Wenn etwas nicht wirklich schön und großartig ist versucht man eben es sich schön und großartig zu reden. Das ist schon fast zu einem Mantra geworden in Lüneburg.
    Mir ist dagegen kaum ein Gebäude bekannt das eine derartige Kälte ausstrahlt und nicht die geringste Atmosphäre besitzt. Es kommt mir innen eher vor wie ein Rohbau. Äußerlich ist es durchaus eine interessante und gewagte Architektur, aber auf Äußerlichkeiten kommt es nicht an. Entscheidend ist der innere Kern. Aber Schönheit liegt eben in den Augen des Betrachters.

    • Mir kommt der Klotz von Daniel Libeskind innen UND außen kalt vor. Und obwohl ich weiß, dass es sich bei seinem abstrakten Expressionismus nur um die bewährte, gut verkäufliche Masche eines umtriebigen Architektur-Konfektionisten handelt, sehe ich darin auch ein in Beton und Metall übersetztes Sammelsurium leuphanatisch präsidialer Grandiositätsaffekte und städtisch jahrmarktlicher Spektakelbedürfnisse: des Verlangens nach beliebig ausdeutbaren theatralischen Kulissen, der nie gestillten Gier nach ebenso leerer wie betäubender Symbolik sowie des Willens zur Beeindruckung, zur Überwältigung, ja, zur Überrumplung und Einschüchterung.

  2. »Und auch Spoun machte in seiner Festrede Mut. Er sprach über Disziplin, heutzutage vergleichbar mit einem Nadelwald. ›Junge Triebe müssen nach oben zum Licht wachsen, um zu überleben. Sie wollen schnell an das Licht der Reputation gelangen.‹«

    Die Gedankenbahn eines Schaumschlägers. Sprache kann ja so verräterisch sein.

  3. Florian Güttler

    „Nach rund zwei Stunden durften dann Studenten vors Publikum treten.“

    Wie jetzt? Studierende waren auch anwesend? Nee, ne?! Brrrrr! Wieso d a s denn?

  4. Ulrike Mädle

    „Uni-Präsident Sascha Spoun und Oberbürgermeister Ulrich Mädge lobten erstmal den ‚großartigen, außergewöhnlichen Raum‘ und das Gebäude, in dem nun nach ‚zehn Jahren harter Arbeit‘ zum ersten Mal der ‚Dies Academicus‘ als Abschluss und Höhepunkt des akademischen Jahres stattfinden konnte. Mädge, bekennender Fan des Liebeskind-Baus, sagte im Audimax vor rund 700 Gästen: ‚Auch in zehn oder 20 Jahren werden die Leute sagen, dass wir alles richtig gemacht haben.'“

    Großartig Herr Mädge! Die Leuphana-Vermarktung macht einen Quantensprung, wenn in zehn oder zwanzig Jahren der Innenausbau des Zentralgebäudes fertig ist. Ich werde schon im ganzen Land darauf angesprochen. Eher nebensächlich sind daher die Kosten, wichtiger die Bedeutung für Ihr Renommee und Ihre Reputation. Bei der Hoppeburg-Arena Lüner Schlachthof redet auch niemand mehr über Geld. Und auch ob die Spoun- und Eventhalle auf dem Bockelsberg jetzt nochmal zehn oder zwanzig Millionen Euro teurer wird, sollten wir nicht mehr diskutieren!

    Kein Steuerzahler erwartet, dass Sie der Kommunalaufsicht Bericht darüber erstatten, wie Sie es mit dem Ratsvotum für ein Stadtentwicklungskonzept getan haben, das Sie für einen rechtswidrigen Beschluss halten, der gegen den mit dem Land geschlossenen Entschuldungsvertrag verstoße.

  5. „Seien Sie stets voller Zweifel, ecken Sie an. Das bringt uns alle voran.“
    Bei Herrn Spoun „anzuecken“, z.B. durch Vortrag fundierter konstruktiver Kritik, sollte sich nur gestatten, wer von ihm völlig unabhängig ist.

    • Denise Schmitt

      Was haben Sie gegen Spoun, HaGe?

      • Nichts. Wie kommen Sie darauf, Denise Schmitt? Weil ich eine nicht freundliche Charaktereigenschaft aufgeschrieben und um eine Empfehlung ergänzt habe? Ist es das, worauf Sie hinaus wollen, Denise Schmitt?

  6. Hallo Frau Paarmann, Ihre Überschrift finde ich klasse: „Bereit sein, auch mal Fehler zu begehen“. Diese „Bereitschaft“ haben Präsi Spoun und dessen Vizepräsi Keller uns Lüneburgern nicht nur „mal“, sondern zehn Jahre lang in extenso und kontinuierlich „vorgelebt“. Allerdings ist ihnen dabei die andere Seite der „Fehlerkultur“, das Bekennen, vollständig aus dem Blick geraten. „Bereit sein, auch mal Fehler zu gestehen“, gehört nicht zu den Stärken des Studienmodelators neuen Typs und seines hauptberuflichen Impresarios.

    • Holm Keller und Sascha Spoun machen keine Fehler, Herr Fuchs! Das überlassen die beiden stets ihren Mitarbeitern. Der hauptberufliche Vizepräsident ist überdies Ende Februar 2016 Knall auf Fall und mit sofortiger Wirkung von seinem „Amt“ zurückgetreten und backt seitdem wieder ganz kleine Brötchen, aber selbstverständlich immer mit unglaublich viel Luft drumrum.

  7. Helmut Müller

    Spoun und Mädge sind einfach nur peinlich. Ihr Gerede lädt zum Fremdschämen ein. Da wiederhole ich HaGe, ich weiß. Ich weiß es aber nicht treffender zu sagen.

  8. Benjamin Bunge

    Wenn Uni-Präsident Sascha Spoun und Oberbürgermeister Ulrich Mädge wieder einmal die Gelegenheit haben, sich stundenlang selber zu loben, tritt alles, alles andere in den Hintergrund.