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Taxen stehen auf dem Platz Am Sande in Lüneburg und warten auf Kundschaft. Durch die Einführung des Mindestlohns hat sich für die Fahrer einiges geändert. Manche verdienen jetzt weniger als vorher. Foto: t&w

Lüneburger Taxi-Fahrer: Gehaltseinbußen durch Mindestlohn

Lüneburg. Zu wenig Lohn zum Leben? Viele Taxifahrer in Deutschland bekommen als Grundeinkommen weniger als den Mindestlohn. Das belegen Daten der Bundesagentur für Arbeit, die von der Links-Partei im Bundestag angefordert wurden. Danach verdient die Hälfte der mehr als 39 000 vollbeschäftigten Fahrer 1503 Euro brutto oder weniger (LZ berichtete). Wie sieht die Situation in Lüneburg aus? Die LZ hat sich bei Taxi-Fahrern und -Unternehmen umgehört.

„Es reicht für die Grundbedürfnisse“, sagt Manfred Huschebeck. Der 54-Jährige fährt seit 21 Jahren in Lüneburg Taxi, vier Tage pro Woche. Seit Einführung des Mindestlohns habe er zwar weniger Einkommen als zuvor, „aber es geht“. Große Sprünge könne er sich damit nicht erlauben, wenn Anschaffungen anstehen, müsse er vorher sparen. Grundsätzlich gegen den Mindestlohn ist er aber nicht, „wenn es schlecht läuft bei den Fahrten, fällt man nicht mehr nach unten“.

Beschwerden wegen eingeschränkter Fahrzeiten

Das sieht auch Reinhard Böttcher so: „Früher hat man immer gehofft, viel zu tun zu haben. Das ist heute entspannter“, sagt der 63-Jährige. Neun Stunden dauert seine Schicht, abzüglich 45 Minuten Pause, im Monat kommt er auf 190 Stunden. Da er an seinen eingefahrenen Umsätzen beteiligt ist, schwanke der Verdienst, hinzu komme aber noch das Trinkgeld, zwischen 10 und 15 Euro kommen da pro Tag zusammen. „Es könnte aber mehr sein, wenn Unternehmer anders kalkulierten“, sagt der Lüneburger. Sein Vorschlag: „Statt der teuren E-Klasse-Autos von Mercedes preiswertere Vans, in die man zudem besser einsteigen kann. Dann ist auch mehr Lohn für die Mitarbeiter drin.“

Foto t&w
Wenn die Unternehmen auf günstigere Autos setzen würden, könnten die Taxifahrer mehr verdienen, ist Reinhard Böttcher überzeugt.

Allein mit dem Verdienst aus der Taxi-Fahrerei und dem Trinkgeld käme er nicht über die Runden, sagt ein anderer Lüneburger, 45 Jahre alt, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Seit sieben Jahren fährt er Taxi, bis vor einem Jahr übernahm er stets die lukrativeren Nachtschichten. Doch wegen der vielen Betrunkenen und auftretender Schlafstörungen fährt er jetzt nur noch tagsüber. Neben dem Job verdient er sich mit Gartenarbeit etwas hinzu, „sonst geht es nicht“. Der Mindestlohn habe aus seiner Sicht „nichts gebracht, davon profitieren nur die schlechten Fahrer mit wenig Umsatz“.

Die Taxi-Unternehmen reagieren unterschiedlich auf den eingeführten Mindestlohn. „Es ist auf jeden Fall schwieriger geworden, der Mindestlohn bremst uns aus in den verkehrsschwachen Zeiten“, sagt Stefan Heins. Der Inhaber des Unternehmens LG-Taxi habe die Fahrzeiten seiner Taxen deshalb auch ändern müssen. So fahren seine in Bleckede eingesetzten Wagen jetzt nur noch bis 22 Uhr statt bisher 1 Uhr, auch in Lüneburg habe er reduziert. „Es gab deshalb auch schon viele Beschwerden, aber unternehmerisch geht es nicht anders.“ Nachteile für seine Mitarbeiter sieht er aber nicht: „Für den bequemen Fahrer ist es jetzt noch bequemer geworden.“ Nur mit dem Mindestlohn müsse keiner seiner 40 Fahrer nach Hause gehen, im Schnitt zahle er 1500 bis 1700 Euro netto im Monat, „in den umsatzstarken Monaten Oktober bis Dezember auch schon mal 1800 bis 1900 Euro“.

1850 Euro brutto für eine Sechs-Tage-Woche

Etwa 90 Prozent seiner Mitarbeiter würden mehr als den Mindestlohn bekommen, sagt Bernd Röhlig, Inhaber von Taxi Röhlig. Wer engagiert arbeite, unfallfrei fahre, sein Auto sauber halte und kundenfreundlich sei, bekomme zusätzlich zu einem festen Sockelbetrag noch einen Zusatzlohn, außerdem gebe es eine Umsatzbeteiligung und für Nachtfahrten 25 Prozent Aufschlag. „Für uns hat sich aber durch den Mindestlohn nichts geändert“, sagt Röhlig. 50 Mitarbeiter beschäftigt er in seinem Unternehmen, davon 45 Festangestellte, die zwischen drei und fünf Tage pro Woche arbeiten. Dass einige dennoch weniger verdienten, sei von ihnen häufig selbst so gewollt: „Es gibt Mitarbeiter, die nicht so viel verdienen dürfen, aus welchen Gründen auch immer.“ Für diesen Personenkreis lande ein Mehrverdienst über 1200 Euro netto dann meist nicht mehr in der eigenen Tasche.

„Wir sind nicht mehr so flexibel“, sagt Norbert Holzwarth von der Taxen-Zentrale Lüneburg. Da mit der Einführung des Mindestlohns auch Nachtzuschlag zu zahlen sei und die Acht-Stunden-Schicht eingeführt wurde, bleibe nicht mehr viel Spielraum: „Wir haben jetzt keine Kostendeckung mehr zwischen 1 und 6 Uhr morgens.“ Bei einer Sechs-Tage-Woche kämen Mitarbeiter auf einen Verdienst von 1850 Euro brutto, bei zusätzlich täglich drei Stunden Nachtzuschlag auf rund 2310 Euro brutto „ohne Umsatzbeteiligung und Trinkgeld“.

Vernünftige Arbeitslöhne und ein verlässlicher Fuhrpark seien aber nur möglich bei fest vorgegebenen Mindest-Tarifen für alle Mitbewerber in der Personenbeförderung, sagt Holzwart, der unter anderem auch eine Beibehaltung der Konzessionspflicht fordert. „Anders als in Berlin oder Hamburg aber wird das ja hier in Lüneburg auch so gehandhabt“, begrüßt Stefan Heins die Entscheidung der Lokalpolitiker.

Von Ulf Stüwe