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Hannelore Augustin ist an diesem Tag fast allein unterwegs in der Lauenburger Elbstraße. Als sie 1967 dorthin zog, „konnte ich alles kaufen, was ich für den täglichen Bedarf brauchte“. Foto: t&w

Auf den Spuren der Einkaufsstadt Lauenburg

Lauenburg. Hannelore Augustin hat sie selbst noch erlebt: die guten Zeiten der Lauenburger Elbstraße. Als junge Frau lebte sie mit ihrer Familie im Herzen der Stadt, konnte zu Fuß in der Elbstraße alles kaufen, was sie für das tägliche Leben brauchte – vom Apfel bis zur Rohrzange. „Damals florierte die Straße, es war was los, gab Dutzende verschiedene Geschäfte“, erinnert sie sich. 50 Jahre später ist von dem Rummel von einst nicht mehr viel übrig, die Elbstraße oft wie ausgestorben. Wer die guten Zeiten heute noch einmal erleben will, hat am Sonntag, 16. Juli, erstmals Gelegenheit dazu: Um 14.30 Uhr entführt Hannelore Augustin mit ihrer neuen Stadtführung 90 Minuten lang in den Alltag der einstigen Elb- und Einkaufsstraße.

Stadtführungen in Lauenburg

Seit einem Jahr bietet die ehemalige Leiterin der Grundschule Hohnstorf/Elbe regelmäßig Stadtführungen in Lauenburg an. „Und dabei musste ich immer wieder erleben, wie enttäuscht Touristen waren, dass sie in der Elbstraße nicht richtig bummeln konnten.“ Eine Erfahrung, die sie auf die Idee brachte, mit einer neuen Stadtführung zumindest gedanklich auf Einkaufstour zu gehen. Sie sprach mit Zeitzeugen, sammelte Fotos und Unterlagen, hielt die eigenen Erinnerungen fest. Das Ergebnis ist eine Zeitreise in die Elbstraße kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit fast 50 Geschäften allein zwischen Ruferplatz und dem ehemaligen Marktplatz.

Dauerregen hängt über Lauenburg, die Elbstraße ist menschenleer, nur Hannelore Augustin bummelt mit buntem Regenschirm über das Kopfsteinpflaster. „Hier war mal ein Zigarrengeschäft“, sagt sie und zeigt auf ein schiefes Häuschen am Ruferplatz, „und hier, wo heute ein freier Platz ist, da gab es mal den Herrenausstatter Günsche.“

Käse-Frank, Klempner Kruse und Co.

Auf dem weiteren Weg erzählt die 70-Jährige von Käse-Frank und Drogerie Schreier, Klempner Kruse, Damenbekleidung Kampf, der Zündholzfabrik, Bleyer-Herrenausstatter und Bäckerei Eggers. „Die Menschen kamen aus der ganzen Region her, vor Weihnachten war bei den verkaufsoffenen Sonntagen jede Menge los.“ Bis 1957 legte auch noch die Fähre von Hohnstorf am Elbufer der Elbstraße an. „Meine Nachbarin aus Hohns­torf erzählte, dass am Wochenende manchmal 30 Leute mit Fahrrädern in Hohnstorf auf die Fähre nach Lauenburg warteten.“ Heute lädt in der Elbstraße nur noch ein Bruchteil an Läden zur Einkehr ein: „Die Cafés und Restaurants, ein paar kleine Kunsthandwerkerläden, Nagel- und Kosmetikstudio – viel mehr gibt es nicht mehr“, sagt Hannelore Augustin. „Traurig, wie ausgestorben es hier häufig wirkt.“

Begonnen hat der Niedergang der Elbstraße irgendwann Ende der 1960er-Jahre. „Damals hatte sich die Einwohnerzahl der Stadt durch die vielen Flüchtlinge verdoppelt“, erzählt Augustin, „und die Neubürger wohnten alle oben, in der Oberstadt.“ Das große Hochhaus wurde gebaut, das Kaufhaus Burgdorf kam in die Oberstadt, nach und nach zogen auch immer mehr Geschäftsleute aus der Elbstraße in die Oberstadt. „In den 1980er-Jahren war die Elbstraße dann mehr oder weniger tot. Und erholt hat sie sich bis heute nicht.“

Wiederbelebungsversuche scheiteterten bislang

Auch in der Oberstadt ist inzwischen nicht mehr viel los, „alle Bemühungen der Politik, das Einkaufsviertel wiederzubeleben, sind gescheitert“, bedauert die Hohnstorferin. Sie selbst macht ein Stadtrundgang heute oft ein wenig wehmütig – gerade in der Elbstraße. Umso schöner sei es, die Menschen an die guten Zeiten zu erinnern – und die einstige Einkaufsstraße zumindest in Gedanken lebendig zu halten.

Wer Lust hat, mit Hannelore Augustin die Elbstraße zu entdecken, sollte sich anmelden bis Freitag, 14. Juli, 18 Uhr, bei der Tourist-Information Lauenburg unter (041 53)59 09 220 oder touristik@lauenburg-elbe.de.

Mensingsches Haus, Elbstraße 49

Heute ein Wohnhaus (Elbstraße 87), damals ein Gemüsegeschaft… 

Elbstraße 50 bis 46

Elbstraße 50 bis 46

Fotohinweis: Repros (hannelore augustin), aktuelle bilder tamme