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Dana Beecken, Mitarbeiterin des Betreuungsvereins, und Claus Klenner, ehrenamtlicher Betreuer. Foto: t&w

Betreuungsverein Lüneburg: Wenn es allein nicht mehr geht

Lüneburg. Vor 25 Jahren trat das Betreuungsrecht in Kraft. Genauso lange gibt es den Betreuungsverein Lüneburg. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen wie Dana Be ecken übernehmen gesetzliche Betreuungen, bieten Beratungen an und unterstützen Ehrenamtliche wie Claus Klenner, der seit zehn Jahren als Betreuer im Einsatz ist. Die LZ hat mit beiden über die Aufgaben gesprochen.

Einspringen, wenn die Familie nicht kann oder will

Das Betreuungsrecht dient dem Schutz und der Unterstützung erwachsener Menschen, die wegen einer psychischen Krankheit, einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder in Folge eines Unfalls teilweise oder ganz handlungsunfähig sind, „und für die aus diesem Grund bestimmte Angelegenheiten geregelt werden müssen“, erklärt die Sozialarbeiterin Dana Beecken. Dabei kann es unter anderem darum gehen, dass die Finanzen eines Menschen geregelt werden müssen, Hilfsangebote wie ein Pflegedienst oder hauswirtschaftliche Unterstützung organisiert werden müssen oder ausgelotet werden muss, was demjenigen rechtlich zusteht.

Grundsätzlich gilt: Wenn Personen in einer Vollmacht schriftlich fixiert haben, wer die Unterstützung übernimmt, bleibt das Betreuungsrecht außen vor. „Liegt diese nicht vor, läuft ein Verfahren an. Zuerst werden die Familienangehörigen gefragt, ob sie die Betreuung übernehmen.“ Wenn die ablehnen, weil sie nicht vor Ort leben oder sich mit der Aufgabe überfordert fühlen, aber auch, wenn der zu Betreuende das nicht möchte, kommen ehrenamtliche Betreuer oder bei zeitaufwändigen, komplizierten Fällen hauptamtliche Betreuer zum Zuge. „Beim Amtsgericht wird dazu ein Antrag auf Betreuung gestellt. Dieses wendet sich an die Betreuungsstelle des Landkreises, die dann vorschlägt, wer die Betreuung übernehmen könnte“, erläutert Dana Beecken das Verfahren.

Vielfältiges Aufgabenfeld für Betreuer

Claus Klenner war bis 2003 bei der Bundespolizei tätig. Nachdem er pensioniert wurde, machte ihn ein Bekannter auf die ehrenamtliche Tätigkeit als Betreuer aufmerksam. „Ich gehe gerne mit Menschen um, habe keine Berührungsprobleme mit Ämtern und organisiere gerne“, begründet der 71-Jährige sein Engagement, der außerdem Schöffe beim Landgericht und Mitglied des Runden Tisches „Gewalt in der Pflege“ ist. Um auf seine anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet zu werden, nahm er an einer Einführung zum Betreuungsrecht beim Betreuungsverein teil. „Der Verein bietet auch Fortbildungen sowie eine regelmäßige Gesprächsrunde zum Austausch für uns Ehrenamtliche an und ist Anlaufstelle, um Fragen und Probleme abzuklären.“ Ehrenamtlicher Betreuer kann laut Dana Beecken jeder werden. Das Amtsgericht sowie die Betreuungsstelle des Landkreises überprüfen die Eignung.

Das Aufgabenfeld der Betreuer ist so vielfältig und bunt wie das Leben selbst, macht Dana Beecken deutlich. Es gibt rechtliche Vorgaben, die genau abgrenzen, was der Betreuer darf mit Blick darauf, welche Möglichkeiten der Unterstützung dem zu Betreuenden zustehen.

Die Angst vor einer Entmündigung

Dana Beecken und Claus Klenner wissen, dass es bei manchem Bürger immer noch die Sorge gibt, dass eine Betreuung einer Entmündigung gleichkomme. Aber genau das habe der Gesetzgeber mit dem Betreuungsrecht ausschließen wollen. Klenner erläutert: Gemeinsam mit einem Richter werde der zu Betreuende aufgesucht, der müsse dann zustimmen, ob der Betreuer die Aufgabe übernehmen soll oder nicht. Bei Zustimmung erfolge dann ein erstes Gespräch, „um Vertrauen aufzubauen. Alle notwendigen Maßnahmen müssen dann im Einvernehmen mit dem Betreuten erfolgen.“ Es gehe um Begleitung und Unterstützung, wenn derjenige bestimmte Sachen nicht mehr selbst regeln könne. Solange man mit dem Betreuten Absprachen treffen könne, gelten seine Wünsche. „Erst wenn er das aufgrund seiner physischen oder psychischen Situation nicht mehr kann, greift der Betreuer regulierend im Sinne des Betroffenen ein.“
Weitere Informationen zum Verein gibt es auf dessen Seite unter www.betreuungsverein-lueneburg.de im Internet oder unter (04131)  789580.

Von Antje Schäfer