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Noch Zukunftsmusik: Eine Drohne, an der ein Defibrillator befestigt ist, startet. Der sogenannte Defikopter soll das lebensrettende Gerät über ländlichen Gebieten oder unwegsamem Gelände abwerfen. Foto: ASB Deutschland e.V.

Drohnen für den Notfall

Lüneburg. Der erste Teil der Verordnung für den Betrieb von Drohnen hat erst vor Kurzem den Weg frei gemacht für den Einsatz der „unbemannten Fluggeräte“ im Be reich des Bevölkerungsschutzes. Aus Sicht von Harald Kreft, Geschäftsführer des Lüneburger Kreisverbands des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) und zugleich Fachdienstleiter für den Katastrophenschutz des ASB-Landesverbands Niedersachsen, ergeben sich daraus große Chancen für die Hilfsorganisationen im Land. Denn während für Privatpersonen im Bereich Drohnenflug neue Pflichten und Auflagen gelten, ist der Drohnen-Betrieb durch Behörden oder Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, wie Rettungsdienste von der Feuerwehr bis THW, „generell erlaubnisfrei“. Gleichwohl dürfte es bis zu einem Regelbetrieb noch einige Jahre dauern.

Von Restriktionen des Drohnenbetriebs befreit

Rettungsdienste sind nicht nur bei ihrer Aufgabenerfüllung im Zusammenhang mit Not- und Unglücksfällen sowie Katastrophen weitgehend von den Restriktionen des Drohnenbetriebs befreit. Das gilt auch für den Betrieb zu Ausbildungs- und Übungszwecken. Kreft kann sich gut vorstellen, „bei größeren und unübersichtlichen Einsatzlagen Drohnen zum Einsatz zu bringen.“ Bei den Elbefluten 2002 und 2006 sowie beim Zugunglück in Eschede 1998 war Kreft als ASB-Einsatzleiter dabei. Er sagt rückblickend: „Gerade hier hätte man mit Drohnen Lageerkundungen durchführen können.“

Doch Kreft weiß auch: „Um das alles zu realisieren, müssen noch einige Voraussetzungen geschaffen werden.“ Dazu gehöre geschultes Personal, das die Geräte professionell bedienen kann und die Standorte für die Drohnen müssten geklärt werden genauso wie die Finanzierung, so Kreft. Ähnlich sieht das Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel, wenn auch mit Blick auf einzelne Bereiche etwas skeptischer.

„Um das alles zu realisieren, müssen noch einige Voraussetzungen geschaffen werden.“
Harald Kreft, ASB-Kreisgeschäftsführer

Laut Lüneburgs oberstem Brandschützer Hensel ist der Einsatz der kleinen Fluggeräte in einzelnen Fällen schon in der Vergangenheit durchaus sinnvoll gewesen, beispielsweise 2014 zur Lageaufklärung bei dem Großbrand eines Zucker-Silos in Uelzen.

Während Einsätze der kleinen Multikopter für viele Rettungsdienste aber noch graue Theorie sind, hat sich beispielsweise die Kreisfeuerwehr Cloppenburg bereits vor zwei Jahren an ein „Einsatzkonzept Drohne“ herangewagt, wohlwissend, dass für jedes Drohnen-Team jeweils zwei Einsatzkräfte gebraucht werden: ein Pilot und einer zur Bildauswertung. Auch sie profitieren nun von der neuen Verordnung. Am Mittwoch präsentierten die Cloppenburger Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius ihr Fluggerät mit eingebauter Wärmebildkamera, das zur Erkundung, Personensuche und für Gefahrguteinsätze genutzt werden kann.

Einsatz im Katastrophenfall in wenigen Jahren Realität

Im Landkreis Lüneburg hingegen bleibt Kreisbrandmeister Hensel skeptisch, wenn es um den Drohneneinsatz vor allem im Bereich der Waldbrandüberwachung geht. Hensel: „Dafür ist die Technik noch nicht ausgereift genug.“ Denn: „Angesichts der Akkus und der relativ kurzen Betriebszeiten von Drohnen ist mir da das Feuerwehrflugzeug viel lieber. Zumal da ein Experte mit geschultem Auge mitfliegt und so bestimmte Gefahrensituationen besser einschätzen kann.“

Auch die 2015 vom ASB-Bundesverband vorgestellte Vision eines „Defikopters“ dürfte zunächst noch Zukunftsmusik bleiben: Demnach sollten Drohnen in abgelegenen Gebieten Defibrillatoren abwerfen können, um Ersthelfer bei der Reanimation von Herzpatienten zu unterstützen. Seinerzeit hatte der ASB zusammen mit dem Verein „Definetz“ gefordert, Flugerlaubnisse für vollautomatische Drohnenflüge zu erteilen, inklusive einer Abwurfgenehmigung. So weit ist der Gesetzgeber noch nicht. Doch mit der jüngsten Verordnung zeigt sich zumindest ASB-Kreisgeschäftsführer Kreft zuversichtlich, „dass ein Einsatz von Drohnen im Katastrophenschutz in fünf bis zehn Jahren Realität sein kann“.

Von Dennis Thomas