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Auf die Zeit des Ersten Weltkriegs blickten (v.l.) Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Siems Siemssen, Freya Eckhardt, Jobst von Saldern, Friederike Koch und Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder. Foto: fs

Kriegsgefangenenlager Bando: Wie aus Feinden Freunde wurden

Lüneburg. Erster Weltkrieg, die deutschen Truppen kapitulieren vor der japanischen Armee, die Soldaten müssen ins Kriegsgefangenenlager nach Japan. Mit allem hä tten die Deutschen dort gerechnet, aber nicht damit, wie es ihnen tatsächlich ergehen sollte. Begleitend zur Sonderausstellung „Begegnungen hinter Stacheldraht“ im Museum Lüneburg erzählten jetzt Nachfahren von Kriegsgefangenen über das Leben im japanischen Lager Bando. Freya Eckhardt, Friederike Koch, Siems Siemssen und Jobst von Saldern berichteten zum großen Teil aus Erinnerungen, die ihre Großeltern einst zu Papier gebracht hatten.

Friederike Kochs Großvater hat ein Buch geschrieben, dreißig Seiten darin handeln von der Gefangenschaft in Japan und China. Man nannte ihn Alfons, das war zwar nicht sein tatsächlicher Name, doch unter diesem Spitznamen wurde er von seinen humorvollen Freunden in Japan getauft – viele kannten seinen echten Namen gar nicht, weiß die Enkelin. Alfons hatte als Kaufmann gearbeitet und befand sich gerade in der chinesischen Hafenstadt Tsingtau, als der Krieg ausbrach. Dort wurde er gefangen genommen und nach zwei Jahren Gefangenschaft in China ins japanische Lager Bando verschifft. Die Zeit, die dort folgte, hatte er sich sicher anders vorgestellt. Denn „für meinen Großvater hatte die Gefangenschaft einen positiven Touch“, erzählte Friederike Koch.

Bando war kein typisches Gefangenenlager. Die Gefangenen wurden gut behandelt, konnten sich ihr Leben innerhalb des möglichen Rahmens selbst gestalten. Beispielsweise konnten sie diverse Sportarten betreiben oder in einem Gefangenenorchester musizieren. Dolmetscher sorgten für eine Verständigung zwischen den Gefangenen und Einheimischen.

Schicksal bis heute nicht in Vergessenheit geraten

Alfons sei sehr besonnen und ausgeglichen gewesen, was ihm einen guten Stand unter seinen Mitgefangenen verschafft hätte. Er lernte dort Chinesisch und Dänisch. „Er hat das Beste aus seiner Situation gemacht“, blickte seine Enkelin zurück. Bis an sein Lebensende habe er regen Kontakt mit seinen ehemaligen Mitgefangenen gehalten. Gemeinsam mit ihnen spendete er unter anderem an japanische Grabpflegerinnen. Die regen Verbindungen hätten dafür gesorgt, dass er noch heute nicht in Vergessenheit geraten ist. Vor ein paar Wochen habe ein japanischer Journalist Kontakt zu ihr aufgenommen, berichtete Friederike Koch, er wolle einen Bericht über ihren Großvater schreiben. „Es ist schön, dass die Geschichte wieder aktiviert wird und ihre Kreise zieht“, freute sie sich. Die Aufzeichnungen ihres Großvaters wird sie an das Museum Lüneburg weitergeben.

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge betonte die hohe Bedeutung von Erinnerungen: „Wir müssen lernen, was war, es bewahren und so dafür sorgen, dass Kriege nicht wieder passieren.“ fs