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Die Sonne ist da, jetzt muss sie nur noch bleiben, damit Sebastian Streicher mit seinem Mähdrescher in die Saison starten kann. Foto: phs

Bauern in der Zwangspause

Wendisch Evern. Kaum ist der Startschuss für die Getreideernte im Landkreis Lüneburg gefallen, stehen die Landwirte schon wieder in der Warteschleife. Der stark e Regen der vergangenen Tage hat Getreide und Böden derart durchnässt, dass die Mähdrescher aktuell zur Zwangspause verdammt sind. „Nach so viel Niederschlag braucht es ein paar Tage, bis das Getreide wieder trocken genug zum Ernten ist“, sagt Christian Schulz, Geschäftsführer des Maschinenrings Lüneburg. Die ohnehin schon rund zehn Tage verspätete Gerstenernte verzögert sich damit weiter. „Grundsätzlich kein Problem“, sagt Schulz, „es sei denn Landwirte brauchen die Gerste als Futter für ihre Tiere oder sie müssen dringend organischen Dünger fahren, damit ihre Güllelager nicht überlaufen.“

Getreideernte beginnt mit Gerste

Wie üblich hat die Getreideernte mit der Gerste begonnen, rund die Hälfte ist laut Schulz in der Region inzwischen gemäht worden. Als Chef des Maschinenringes koordiniert er den Einsatz der Mähdrescher, vermittelt zwischen Landwirten mit und ohne eigene Maschinen. Entsprechend gut hat er die Entwicklungen im Blick. Sein Zwischenfazit nach den ersten vier Erntetagen ist zuversichtlich: „Der Ertrag bei der Gerste ist entgegen den Erwartungen überdurchschnittlich gut.“

„Alle wünschen sich nur eins – beständig schönes Wetter.“
Christian Schulz, Maschinenring Lüneburg

Zu kämpfen haben die Landwirte in diesem Jahr auf vielen Gerstenfeldern mit Pflanzen, die aufgrund der dünn geratenen Halme abgeknickt sind und am Boden liegen. „Das macht die Ernte schwieriger, weil diese Pflanzen mehr Wind und Sonne brauchen, bis sie getrocknet sind“, erklärt Schulz. Entsprechend zurückhaltend waren die Ernteprognosen, tatsächlich seien die bisherigen Ergebnisse aber besser ausgefallen als gedacht. „Hinzu kommt, dass aufgrund des Wetters relativ wenig beregnet werden musste in diesem Jahr, die Landwirte also finanziellen und zeitlichen Aufwand beim Getreideanbau sparen konnten.“

Großteil des Getreides noch auf dem Feld

Noch allerdings steht der Großteil des Getreides auf dem Feld. Und das Ernteergebnis wird maßgeblich vom Wetter der kommenden Wochen abhängen. Mit welchem Feuchtigkeitsgehalt wird das Getreide geerntet? Müssen die Körner teuer getrocknet werden? Sind die Böden trocken genug, damit der Mähdrescher anrollen kann? Wie hoch waren etwaige Verluste auf dem Feld? Wie groß oder klein wird das Erntefenster? Fragen, die aktuell fast alle Ackerbauern beschäftigen. „Und alle wünschen sich nur eins“, sagt Schulz, „beständig schönes Wetter.“

Auch Sebastian Streicher kann es kaum noch abwarten, „dass es mal richtig losgeht mit der Ernte.“ Für mehr als eine halbe Million Euro hat sich der Landwirt und Lohnunternehmer aus Wendisch Evern im letzten Jahr einen neuen Mähdrescher gekauft – und von den 700 Hektar Gerste, die er für sich und andere mähen muss, bisher nur knapp 100 Hektar geschafft. Wenn nötig, wird er in den kommenden Wochen auch nachts ernten. „Doch auch dafür muss es nun erstmal trocken werden.“

Spielt das Wetter mit, werden in den kommenden Wochen der Reihe nach Raps, Weizen, Roggen und die Futtergetreidesorte Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) geerntet.

Von Anna Sprockhoff