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G20: Wo waren die Lüneburger Hundertschaften?

Lüneburg. In Hamburg herrschte das Chaos, Polizisten aus ganz Deutschland versuchten, die immer weiter eskalierende Situation in den Griff zu bekommen. Nun beha uptet ein Beamter in einer E-Mail an die LZ: Auf Verstärkung aus Lüneburg hätten die Hamburger verzichten müssen. Die Polizeidirektion Lüneburg habe sich am vergangenen Freitag „geweigert, den Kollegen in Hamburg“ für das Wochenende „dringend benötigte Unterstützung in Form von Einsatzhundertschaften zur Verfügung zu stellen“, das sei ein „unsolidarisches und unkollegiales Verhalten“. Was in der E-Mail steht, kann eigentlich nur jemand wissen, der dazu gehört. Doch seine Kritik weist die Polizeidirektion zurück.

Die angeforderte Verstärkung verweigert

Die Polizei Hamburg hatte im Vorfeld des G20-Gipfels alle Bundesländer um Unterstützung gebeten. Für die niedersächsische Polizei beinhaltete dies neben der Bereitstellung der gesamten Bereitschaftspolizei mit sieben Hundertschaften auch die Verlegung anderer Kräfte nach Hamburg. Darüber hinaus hatte Hamburg die Bitte an Niedersachsen gerichtet, weitere sechs Einsatzhundertschaften einzusetzen. In Niedersachsen gebe es sechs Polizeidirektionen, jede davon verfüge über drei Einsatzhundertschaften, verdeutlicht der Kritiker aus den eigenen Reihen: „Da Hamburg sechs Hundertschaften angefordert hatte, war es eigentlich logisch, dass jede Polizeidirektion eine Hundertschaft stellt. Lüneburg hat diese Anforderung gegenüber dem Innenministerium in Hannover abgelehnt.“

Lüneburger Beamte, die in schwierigen Einsätzen wie bei Castor-Transporten erprobt seien, hätten ihren Hamburger Kollegen helfen wollen.
Ihre Beamten wollte die Direktion aber lieber in Lüneburg sehen, die Region war laut Direktion ebenfalls gefährdet. Oberkommissar Mathias Fossenberger, Sprecher der Polizeidirektion, formuliert es im Polizei-Deutsch so: „Die Polizeidirektion Lüneburg lehnt eine Anforderung aus dem Ministerium nicht einfach ab. Tatsächlich finden bei so einem Groß­ereignis Vorgespräche und eine gemeinsame Lageerörterung statt. Aufgrund der durch die räumliche Nähe zu Hamburg bedingten taktischen Erfordernisse war es sinnvoll, die Kräfte aus Lüneburg für zu erwartende eigene Einsatzlagen vorzuhalten.“

Angeblich keine Informationen über Störer in Lüneburg

Laut dem Kritiker hätten aber im Vorfeld keine Informationen über Störaktionen von G20-Gegnern im Raum Lüneburg vorgelegen, daher sei ein sogenanntes Stufenkonzept entwickelt worden, das von „nur“ vier bis neun Beamten je Polizeiinspektion ausging. Dazu sagt Fossenberger: „Die hier angesprochenen vier bis neun Beamten pro Polizeiinspektion ergeben zusammengefasst eine zusätzlich vorgehaltene Personalstärke von über 40 Beamten.“

In der Nacht zu Freitag warfen Chaoten die ersten Steine, am Tag selbst standen Autos in der Elbchaussee in Flammen. Der mutmaßliche Polizist, der sich mit seiner Kritik an die LZ gewandt hatte und sagt, viele seiner Kollegen seien auf seiner Linie, behauptet, dass die Innenbehörde Hamburg Freitagvormittag mit Blick auf zunehmend eskalierende Proteste „eine dringende, zusätzliche Kräfteanforderung“ an alle Innenministerien richtete, und weiter: „Die Einsatzhundertschaften aus Lüneburg mit einer Stärke von mehr als 300 Beamten, die innerhalb weniger Stunden einsatzbereit gewesen wären und eine Anfahrtzeit von 45 bis 90 Minuten nach Hamburg gehabt hätten, wurden nicht zur Unterstützung angeboten.“ Auch andere Direktionen in Niedersachsen hätten abgelehnt, nur Oldenburg habe 30 Beamte abgestellt.

Starke Präsenz im Bereich Lüneburg taktisch notwendig

Dazu sagt der Sprecher der Lüneburger Direktion: „Berücksichtigt man, dass die ,Demonstranten‘ eine Kleingruppentaktik verfolgten und immer wieder an unterschiedlichen Örtlichkeiten auftauchten, um zum Beispiel ,Fanale‘ – also Leuchtfeuer – zu setzen und dadurch Polizei außerhalb der Schwerpunkte zu binden, ist es folgerichtig, ausreichend Kräfte auch im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg vorzuhalten.“ Hier seien Lüneburger Beamte auch aktiv geworden. Am Sonnabend sei die Lage dann so bewertet worden, dass die Einsatzkommandos im Landkreis Harburg zusammengeführt worden seien: „Ab diesem Zeitpunkt waren in der Polizeidirektion Lüneburg permanent Kräfte im Einsatz. Am 8. Juli waren aufwachsend bis zu 150 Einsatzkräfte zeitgleich im Dienst. Der Auftrag Raumschutz – also verstärkte polizeiliche Präsenz – war taktisch notwendig.“

Dass keine Einsatzhundertschaft aus Lüneburg direkt in Hamburg aktiv wurde, erklärt Fossenberger so: „Jeder Beamte dieser Hundertschaften ist im Nebenamt in dieser Einheit. Das bedeutet, dass er im Hauptamt möglicherweise im Streifendienst tätig ist und darüber hinaus für besondere Lagen eingesetzt werden kann. Aufgrund der Lagebewertung hat das Niedersächsische Innenministerium nicht auf die Aufrufeinheiten der Direktion Lüneburg zurückgegriffen.“

Von Rainer Schubert

3 Kommentare

  1. die polizeidirektion lüneburg hat meiner meinung nach richtig gehandelt. es ist hier so, wie bei suppen, wer sie sich eingebrockt hat, sollte sie auch wieder auslöffeln. einen sogenannten hafengeburtstag, sollte man nicht mit polizei fluten.dumm gelaufen und naiv zugleich. wo bleibt merkels verantwortung? sie hat doch diese bühne gern genutzt. olaf scholz ist ein schönwetter-bürgermeister.

    • Andreas Janowitz

      Die 1% Regieren? 1000 Saboteure dominieren die Debatte obwohl sie angesichts von 100.000 friedlichen Demonstraten eine winzige Minderheit darstellen. Bloß kein Wort über den Protest gegen systmematische Steuerhinterziehung oder unverantwortliche Ausweitung des Fracking.

  2. Ich kann das nicht nachvollziehen.

    Die Kräfte sind mittlerweile ohne weiteres luftverlegbar, heisst bei Abordnung nach Hamburg: Luftverlegung im Bedarfsfall von HH nach LG zurück, Dauer: 20 Min. bis zu jedem (!) Einsatzort in LG, das ist schneller als Verlastung per Lkw innerhalb LG.

    Wollte sich das Land Niedersachsen ggf. Überstunden durch einsatzbedingte Ausfälle eigener Kräfte ersparen? Dieser Verdacht drängt sich mir auf.