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Fön, Handtücher, TV-Fernbedienung – alles schon verschwunden im Hotel Lübecker Hof, verdeutlicht Mitarbeiterin Petra Buldo. Langfinger sind ein echtes Ärgernis für Lüneburger Hoteliers. Foto: be

Die Langfinger unter den Hotelgästen

Lüneburg. Die Versuchung scheint groß zu sein. Mal ist es der flauschige Bademantel, mal das Handtuch, mal ein Fön. Liegt schließlich alles bereit im Hotelzimmer. Und manch ein Gast versteht den Service offenbar falsch. Er steckt die Leihgabe einfach in seinen Koffer und nimmt sie als Souvenir mit nach Hause. Sehr zum Ärger der Hoteliers, die den Schaden haben. Die tröstet auch nicht, dass andere Gäste statt etwas mitzunehmen eigenen Besitz zurücklassen. Die LZ hat sich bei Hotels in Stadt und Landkreis umgehört, was Gäste dort schon mal haben mitgehen lassen und was vergessen wurde.

Seife stehlen für viele offenbar ein Kavaliersdelikt

Das Mitnehmen von Seifen oder Stiften gilt vielen Hotelgästen als Kavaliersdelikt, doch dabei bleibt es bei Weitem nicht: Manche Besucher sind so dreist, dass sie Fernseher, Klaviere oder gar ausgestopfte Tiere aus dem Hotel tragen, hat eine Befragung des Internetportals „Wellness Heaven“ unter 1026 Hoteliers in Vier- und Fünf-Sterne-Herbergen ergeben. Das Kernergebnis: Handtücher und Bademäntel werden am häufigsten gestohlen, dicht gefolgt von Kleiderbügeln, Stiften und Besteck. Doch es gibt auch skurriles Diebesgut. So haben Gäste ausgestopfte Jagdtrophäen ebenso schon stibitzt wie komplette Badarmaturen inklusive Waschbecken.

Auch in Lüneburg haben es unehrliche Gäste am häufigsten auf Handtücher und Bademäntel abgesehen, manchmal verschwinden auch TV-Fernbedienungen. „Bettwäsche ist auch sehr beliebt“, sagt Philipp Jessen vom Gästehaus am Wasserturm, zudem verzeichnet er häufig Einbußen in der Minibar. Auch eine Nachttischlampe sei mal entwendet worden. Obwohl Matthias Wiede eine geringe Diebstahlrate im Schloss Lüdersburg verzeichnen kann, berichtet er von einem Schaden in Höhe von ungefähr 2000 Euro jährlich, den Diebe dort verursachen. Das Comfort Hotel Embsen vermisst hin und wieder ganze Blumenkästen, Besteck und Haartrockner. Haartrockner wurden auch im Lübecker Hof in Lüneburg schon häufig mitgenommen. Darauf hat das Hotel reagiert: „Ein Fön wird jetzt nur noch auf Nachfrage ausgehändigt“, sagt Mitarbeiterin Petra Buldo.

Doch es gibt auch viele Hotelgäste, die etwas zurücklassen, meist aus Schusseligkeit. Birgit Brede-Bretschneider von der Kutscherstube in Lüneburg ist beim Aufräumen schon häufiger auf getragene Socken und Unterhosen gestoßen. Im Schloss Lüdersburg werden Mobiltelefone, Personalausweise und Kreditkarten am häufigsten vergessen. „Wir warten aus Diskretionsgründen darauf, dass sich die Eigentümer von selbst melden“, sagt Wiede. Solange werden die Fundsachen im hauseigenen Fundbüro aufbewahrt.

Zimmermädchen finden geladene Waffe

Auch Philipp Jessen vom Gästehaus am Wasserturm sagt: „Es bleibt so einiges liegen. Neben Mützen, Kopfhörern und Büchern auch Reisepässe, Flug- und Eintrittstickets und allerhand technische Geräte.“ Ein Ehepaar habe nach dem Check-out erst 100 Kilometer auf der Autobahn zurückgelegt, ehe ihm aufgefallen sei, dass die Koffer noch in der Unterkunft stehen.

Von einem ungewöhnlichen Fund kann Uta-Christina Krienke, Geschäftsführerin des Comfort Hotels, berichten: Zimmermädchen hätten mal eine geladene Pistole gefunden. Der Eigentümer, der auch einen Waffenschein besessen habe, wurde umgehend kontaktiert. Er habe die Schusswaffe zeitnah abgeholt.
Eine Besonderheit hat auch die Untersuchung von Wellness Heaven ergeben: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein TV-Gerät gestohlen wird, sei in 5-Sterne-Hotels um ein Zehnfaches höher als in 4-Sterne-Hotels. Und Kunstwerke, Decken, Kaffeemaschinen und Matratzen seien bei Gästen in 5-Sterne-Hotels fünfmal beliebter als bei Besuchern, die ein 4-Sterne-Hotel bewohnen.

Von Esra Laubach