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Der Stiftungsvorstand Peter und André Novotny (r.) mit Landrat Vadim Marschalok, Mykola Daschkewitsch, Bürgermeister Gennadiy Dykyj und Chefärztin Nina Golovenko (von l.), die zur Delegation der Gäste aus Bila Zerkwa gehören. Lüneburg gefällt ihnen. Foto: be

Bila Zerkwa sagt Dankeschön für Hilfsgüter

Lüneburg. Auch noch mehr als 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben die Menschen in Bila Zerkwa, Ukraine, an den Folgen schwer zu tragen. Viele leiden an chronischen Erkrankungen oder haben einen Tumor. Doch es gibt keine staatliche Gesundheitsversorgung, und die Ausstattungen in den Kliniken sind veraltet. „Deshalb ist die Hilfe, die die Stiftung Hof Schlüter bei uns im sozialen Bereich leistet, so wichtig“, sagen Nina Golovenko, Chefärztin der Klinik Semaschko, und Gennadiy Dykyj, Bürgermeister von Bila Zerkwa. Mit einer Delegation waren sie nach Lüneburg gekommen anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Stiftung.

Die im Juli 1997 gegründete Stiftung ist aus dem Vermögen des kinderlosen Ehepaars Wilhelm und Lucie Schlüter aus Alt-hagen hervorgegangen. „Wir unterstützen in der Region Lüneburg Jugend-, Sozial- und Kirchenprojekte“, berichtet Stiftungsvorstand Peter Novotny. Seit 2000 engagiert sich die Stiftung außerdem in Bila Zerkwa, die Stadt liegt zirka 80 Kilometer von Kiew entfernt und zählt 210 000 Einwohner. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 seien viele Betriebe stillgelegt worden, was zur Verschärfung der Lebenssituation auch der Menschen in Bila Zerkwa geführt habe, sagt der Bürgermeister. Viele sind auch heute noch von bitterer Armut betroffen, auch wenn der Oberste Rat inzwischen entschieden habe, dass die Kommunen entscheiden können, wie sie Steuern einsetzen. Hinzu kommen die Folgen von Tschernobyl. Ehemalige Liquidatoren leiden an den Folgen, die atomare Wolke zog damals Richtung Kiew und Bila Zerkwa, was die Krebsrate hochschnellen ließ und zu Missbildungen bei Neugeborenen führte.

800 Tonnen Hilfsgüter

Die Stiftung Hof Schlüter schickte seit Anfang dieses Jahrtausend rund 800 Tonnen Hilfsgüter in die Stadt. Empfänger waren Waisenhäuser, Schulen, soziale Einrichtungen und Krankenhäuser wie Semaschko. Von Klinikbetten, Bettwäsche, Rollstühlen und medizinischen Geräten profitierte die Klinik, die größte in der Kiewer Region. „Die Stiftung hat aber auch die Initialzündung für unsere Dialyse-Station gegeben“, berichtet die Chefärztin. Sie versorgte das Krankenhaus zudem mit Endoskopen, finanzierte die Bauarbeiten für eine spezielle Schlaganfall-Abteilung. Peter Novotny sei in vieler Hinsicht so etwas wie ein Pionier gewesen, wenn es darum ging, die Klinik gut aufzustellen.

Regelmäßig besucht Novotny mit seinem Sohn André, der ebenfalls zum Stiftungsvorstand gehört, die ukrainische Stadt. Vor Ort mache er sich dann auch ein Bild davon, was in finanziell schwachen Familien besonders notwendig an Hilfe ist, führt Mykola Daschkewitsch an, zuständig für den Wohltätigkeitsfonds „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ in Bila Zerkwa und Vertrauensmann der Stiftung. Alljährlich lädt die Stiftung zudem Kinder aus armen Familien zum Erholungsurlaub nach Lüneburg ein. Nina Golovenkos Dank geht auch an die vielen Ehrenamtlichen, die die Stiftung unterstützen. „Sie engagieren sich zum Wohl der Menschen in der Ukraine, das ist unschätzbar.“

Bei der Feierstunde im Forsthaus Rote Schleuse lobte auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge das vielfältige Engagement der Stiftung, indem sie einerseits in der ukrainischen Stadt Kliniken, Waisenhäuser und eine Sozialstation unterstütze, die für Straßenkinder Sorge trage. „Zum anderen fördert sie zahlreiche Projekte in Lüneburg wie das Schubz, den Museumsverein, das Kinder- und Jugendtelefon oder die Finanzierung der Chor-Orgel in St. Johannis. Das alles hat sehr viel mit dem persönlichen Einsatz von Peter und André Novotny und dem Einsatz des Kuratoriums zu tun. Wo Hilfe gefragt ist, sind alle dabei. Ich hoffe, dass die Stiftung ihre segensreiche Arbeit noch lange fortsetzen kann.“

Von Antje Schäfer

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