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Sie gehören zum harten Kern bei den „Fielddays“ der Lüneburger Amateurfunker (v.l.): Manfred Schilling, Arno Schildt, Kurt und Gisela Kobbenrodt, Jürgen Schodder und Werner Luhmann. Foto dth

Amateurfunk in Lüneburg: Bis zum Horizont und noch viel weiter

Kirchgellersen. „CQ! CQ! Das ist ein allgemeiner Anruf!“, krächzt die Stimme eines Mannes namens Andreas aus Österreich aus dem kleinen Lautsprecher des digitalen Handfunkgeräts. Es rauscht und knackt kurz, dann antwortet eine andere Männerstimme: „Ja, hallo! Hier ist Detlev, nördlich von Duisburg.“ Offenbar kennen sich Detlev und Andreas noch nicht, beginnen aber sofort öffentlich ein angeregtes Gespräch über Relaisstationen. Jeder, der gerade auf der gleichen Frequenz funkt, kann sich an dem Gespräch beteiligen – oder einfach mithören. So wie der Lüneburger Werner Luhmann, der in einem Zelt in der Kirchgellerser Feldmark sitzt. Er freut sich allerdings gerade viel mehr darüber, dass sein paralleler Ruf per Kurzwelle gerade von einem Funker im japanischen Osaka wahrgenommen wurde.

Mitglieder des Lüneburger Ortsverbands „E05“ im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) haben in den vergangenen Tagen ihre „Fielddays“ in Kirchgellersen absolviert. Gut ein Dutzend Amateurfunker schlugen dafür nördlich des Ortes am Feldrand ihre Zelte auf und testeten tagelang ihre teilweise selbstkonstruierten Antennen für UKW und Kurzwelle. Mitte vergangener Woche war im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg sogar die Polizei auf die Funker aufmerksam geworden. „Aber die waren ganz freundlich, als ihnen klar wurde, dass wir hier kein Protestcamp veranstalten“, sagt Vereinsmitglied Kurt Kobbenrodt aus Luhmühlen. Der 76-Jährige zeigt stolz auf seine Langdrahtantenne, die am Heck seines Campingwagens wie eine übergroße Angelrute in den Himmel ragt. „Die ist für Kurzwelle. Ich wollte mal gucken, wie weit ich damit komme.“

UKW, so weit das Auge reicht

Bei Ultrakurzwelle (UKW) gilt für die Funkreichweite die Faustregel: „UKW, soweit ich seh“. „Also bis zum Horizont“, erklärt Werner Luhmann, aber mit Kurzwelle könne man sogar rund um den Globus funken, abhängig von Sendeleistung, Wetter und Sonnenaktivität. Je nach ­Ionisierungsgrad funktioniert ein Teil der Atmosphäre wie ein mehr oder weniger starker Reflektor für Funksignale. Je höher der durch schwarze Sonnenflecken hervorgerufene Grad positiver Teilchen in der Luft ist, gemessen in Flux, umso weiter werden vom Boden ausgehende Funksignale von der Ionosphäre reflektiert: Die Funksignale werden quasi über Bande weitergespielt, Eintrittswinkel gleich Austrittswinkel. Luhmann: „Dann sind Sprünge von rund 4000 Kilometern möglich.“

Neben Sprechfunk tauschen sich die DARCler auch per Tastfunk, also Morsen, aus. Die Spielarten der lizenzierten Amateurfunker, von denen jeder über eine individuelle Funkkennung verfügt, sind noch vielfältiger. Luhmann sagt: „Seit letztem Jahr werden wir vom Kreisverbindungskommando der Bundeswehr auch für den Katastrophenfall eingeplant. Denn für den Fall eines Blackouts sind wir hervorragend gerüstet.“ Sollte flächendeckend die Stromversorgung zusammenbrechen, können die Amateurfunker eigene Kommunikationswege für die Bevölkerung aufrechterhalten und die Rettungsdienste unterstützen.

Zu Hause ist der Ortsverband „E05“ auf dem Lüneburger Flugplatz. In der Gaststätte Zeppelin bietet Luhmann mit anderen Vereinsmitgliedern für interessierte Nachwuchsfunker kostenlose Ausbildungskurse an, ab kommender Woche immer sonntags von 10 bis 12 Uhr.

Dass man per Funk auch E-Mails versenden kann, stellte Vereinsmitglied Manfred Schilling gestern unter Beweis, schickte an die Redaktion online folgende Nachricht: „Als LZ-Leser sende ich per Winlink mit Hilfe von Pactor über die Kurze Welle einen Gruß an alle Interessierten von der Fielddaywiese hinter der ehemaligen Hundeschule.“
Weitere Infos gibt es hier.

Von Dennis Thomas