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Dr. Jakob Vicari (l.) und Marco Maas entwickeln einen Geschichten erzählenden Einkaufswagen. Ivana Rohr vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes ist von der Idee angetan. Foto: phs

Einkaufswagen der Zukunft: StoryTrolley erzählt Geschichten

Lüneburg. „Der Algorhythmus hat längst gewonnen.“ Kapitulierend war es nicht gemeint, was Marco Maas den zehn Tour-Teilnehmern, die jetzt in die Uni Lüneburg gekommen waren, über den Sieg des Internets mit auf den Weg gab, eher auffordernd und werbend. Gemeinsam mit seinem Lüneburger Partner Dr. Jakob Vicari stellte er dort ein Projekt vor, mit dem die Myriaden der im digitalen Netz umherwabernden Datenmengen der Gesellschaft sinnvoll zugänglich gemacht werden können – und zwar dort, wo sie benötigt werden, zum Beispiel an einem Einkaufswagen.

Spiegel im Bad liefert bald automatisch Nachrichten

„Wir wollen über Produkte informieren.“ Dabei wollen sie Alternativen zu den klassischen Wegen beschreiten. Maas betreibt in Hamburg eine Datenjournalismus-Agentur, gemeinsam mit dem Wissenschaftsjournalisten Jakob Vicari und dem Crossmedia-Produzenten Michael Grotenhoff hat er einen „StoryTrolley“ entwickelt. Dabei handelt es sich um einen schlichten Supermarkt-Einkaufswagen, der dem Nutzer stets dann die gewünschten Informationen über ein Produkt liefert, sobald dieses in den Wagen gelegt werden soll.
Doch nicht Produktwerbung, sondern „Daten, die uns alle angehen“, wollen die drei über ihren intelligenten Einkaufswagen zur Verfügung stellen. „Zum Beispiel, von welcher Kuh die Milch in der Tüte stammt, auf welchem Hof sie lebt und wie sie gefüttert wird. Oder wann genau das Ei aus dem Supermarkt gelegt wurde“, erläutert Maas. „Diese Daten sind verfügbar, man muss sie nur nutzen“, sagt der 39-Jährige.

„Die Daten verraten, von welcher Kuh die Milch in der Tüte stammt, auf welchem Hof sie lebt und wie sie gefüttert wird.“
Marco Maas, Entwickler

Funktionieren soll dies mittels eines kleinen Displays im Griffbereich des Einkaufswagens, dessen Software mit dem Produkt kommuniziert und dessen verfügbare Daten sichtbar macht. „Aber sie müssen journalistisch aufbereitet sein und zu Geschichten werden, um den Verbraucher auch zu erreichen“, sagt Partner Vicari. Daher der Name „StoryTrolley“.
Dass der Austausch von Daten und die Kommunikation von Geräten und technischen Einrichtungen untereinander längst keine Hexerei mehr sei, machte Maas am Beispiel aktueller Haustechnik deutlich: „Schon heute reagiert Wohnungslicht auf die individuellen Vorlieben der Bewohner, CO₂-Sensoren geben Alarm, sobald die Luft verbraucht ist, und der Staubsauger-Roboter arbeitet dann, wenn alle aus dem Haus sind.“ Viel mehr sei denkbar, etwa Bett-Sensoren, die den Kaffeeautomaten oder den Nachrichten-Spiegel im Badezimmer einschalten, sobald die Schlafstätte verlassen wird. „All‘ das wird kommen, auch ein StoryTrolley ist möglich“, sind Maas und Vicari überzeugt.

Lüneburger Supermarkt für Testphase gesucht

Ihre Ideen stellten die beiden den Teilnehmern eines bundesweiten Projekts vor, das sich „PHASE XI“ nennt und aus acht Teams mit Experten und Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft besteht. In dessen Rahmen sind sie derzeit mit einem weißen Doppeldecker-Bus auf Expedition durch Deutschland unterwegs und untersuchen Fragestellungen zur Zukunftsgestaltung der Gesellschaft von morgen.

Nach Lüneburg führte sie ihr Weg, weil hier die drei Ideengeber an ihrem „StoryTrolley“ arbeiten und als eines der acht Teams für PHASE XI ausgewählt wurden. Bei den Tour-Teilnehmern kam die Einkaufswagen-Idee gut an, auch wenn viele Fragen etwa zum Datenschutz oder zur Bereitstellung und Aufarbeitung der Daten noch unbeantwortet blieben.
Schon in wenigen Tagen soll es mit dem „StoryTrolley“ konkret werden. „Anfang August bauen wir die Grundeinheit, ab dem 11. August wollen wir mit der Testphase starten“, sagt Jakob Vicari. Hierzu sei man auch schon auf einen Lüneburger Supermarkt zugegangen, der mit einem breiten Produktsortiment auch die nötigen Vergleichsprodukte bietet. „Ohne diese hätten Kunden ja kaum die Wahl für ein Alternativprodukt“, sagt der Lüneburger. Eine Antwort des Supermarkts stehe aber bislang noch aus.

Von Ulf Stüwe

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