Aktuell
Home | Lokales | Ratsmitglieder prüfen Tierhaltung im Zirkus
Über die Haltung und den Einsatz von Tieren informierte Brigitte Probst vom Circus Probst (2.v.l.) Mitglieder des Lüneburger Stadtrats bei einem Ortstermin auf den Sülzwiesen. (Foto: us)

Ratsmitglieder prüfen Tierhaltung im Zirkus

Lüneburg. Ist ein Zirkus eine Gefahr für das öffentliche Leben? Und wie geht man mit den dort lebenden Tiere um? Diesen Fragen gingen am Sonnabend Lokalpolitike r nach. Der Circus Probst hatte eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich selbst ein Bild von den vermeintlichen Verstößen gegen die Tierhaltung in Zirkussen zu machen, wie sie von der Links-Partei angeprangert worden waren. Belege für diese These brachte der Besuch nicht.

Alles doppelt und dreifach abgesichert

„Wir konnten uns davon überzeugen, dass hier viel für das Tierwohl getan wird und die Sicherheit nach meiner Einschätzung gegeben ist“, sagte Ratsmitglied Frank Soldan (FDP) nach der dreistündigen Visite auf den Sülzwiesen. Tiere würden im Zirkus leiden, hatte jüngst der linke Kreistagsabgeordnete Christoph Podstawa behauptet und auf Verstöße bei amtlichen Kontrollen verwiesen, die sich laut Darstellung des Landkreises aber im Wesentlichen auf formale Fehler in der Dokumentationspflicht bezogen (LZ berichtete).
Zum Ortstermin am Sonnabend aber war weder Christoph Podstawa erschienen noch sein Parteikollege David Amri aus dem Stadtrat, der ins selbe Horn gestoßen hatte und in Sachen Tierwohl „dringenden Handlungsbedarf“ erkannt zu haben glaubte. Die Kritik der Linken hatte den Circus Probst erst dazu veranlasst, den kompletten Rat persönlich anzuschreiben und einzuladen. Gekommen sind gerade mal fünf Ratsmitglieder.

„Schon aus Eigeninteresse können wir nicht wollen, dass unsere Tiere leiden“, sagte Brigitte Probst. Keiner der fünf deutschen Zirkusse, die heute noch Raubtiere hielten, könne es sich zudem leisten, „auch nur einen einzigen Fehler bei der Tierhaltung zu machen“, sagte sie, „wir haben nichts zu verbergen.“
Davon konnten sich die Ratsmitglieder – neben Soldan waren Carmen-Maria Bendorf (SPD), Christian Tobias Gerlach (CDU), Ralf Gros (Grüne), Rainer Petroll (Linke) und Prof. Dr. Gunter Runkel (AfD) der Einladung gefolgt – sowie Tanja Bauschke, Mitglied der Grünen Kreistagsfraktion, Inge Prestele aus dem Kreisvorstand der Grünen sowie Beate Gries, Mitglied der Grünen im Stadtrat in Braunschweig, überzeugen. Ausführlich ließen sie sich über Tierpflege und -gesundheit, Auslaufmöglichkeiten, Ernährung und Transport, aber auch über deren artspezifischen Einsatz in der Manege informieren. Brigitte Probst wich keiner Frage aus, führte die Gruppe zu den Stallungen und Gehegen, in denen Tiger, Kamele, Zebras, Emus, Pferde und andere Tiere untergebracht waren.

Leben in freier Wildbahn kennen die Tiere gar nicht

„Der Einblick, der uns hier gewährt wurde, war durchweg positiv“, sagte Carmen-Maria Bendorf nach dem Rundgang. Die Tiere würden artgerecht gehalten, „alles ist doppelt und dreifach abgesichert“. Ebenso äußerte sich Ralf Gros. „Die Tiere werden hier gut behandelt und haben viel Abwechslung, weil sie im Zirkus gefordert werden“, urteilte der Grüne. Missstände seien nicht erkennbar. Das Problem seien auch nicht die Zirkusse, „sondern der Artenschutz“. Der Fokus sollte daher stärker auf die landwirtschaftliche Erzeugung von Fleisch, auf Tiertransporte und den illegalen Handel mit Tieren gerichtet werden.
Christian Tobias Gerlach kritisierte, dass die Linken im Rat „ein gefahrenabwehrrechtliches Verbot“ nutzen wollen, um Zirkusse zu verbieten: „Dann aber müsste die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefahr angegeben werden, was im Vorfeld schwierig ist.“ Problematischer seien die von Koppeln ausbrechenden Rinder und Pferde. „Will man das künftig auch verbieten?“

„Gegen Zirkusse dieser Art spricht nichts“, findet Prof. Dr. Runkel. Deutschland habe einen hohen Standard beim Tierschutz, ein Wildtierverbot ergebe für ihn keinen Sinn, „denn was ist ein Wildtier?“, fragte Runkel mit Blick darauf, dass die Tiere nicht der freien Wildbahn entnommen, sondern in Zirkussen oder Zoos auf die Welt gekommen und an dieses Leben gewohnt seien.
Und die Linke? Rainer Petroll sagte lediglich: „Die Öffentlichkeitsarbeit des Zirkusses ist ganz phantastisch.“ Gegen Zirkusse spreche nichts, wohl aber gegen den Einsatz von Wildtieren. Zu den vermeintlichen Tierwohl-Verstößen sagte er: „Verstöße sind Verstöße.“ Einen Blick in das Dokumentationsbuch, das Brigitte Probst ausgelegt hatte, warf Petroll nicht.
Tanja Bauschke, die vorige Woche ebenfalls noch ein generelles Wildtierverbot gefordert hatte, kam nun zu dem Schluss: „Wenn Tiere so wie hier aufwachsen, sind auch Wildtiere, die nicht in der freien Wildbahn aufgewachsen sind, durchaus im Zirkus vertretbar.“

Von Ulf Stüwe

13 Kommentare

  1. Ich habe nicht die Kompetenz um diese Sachlage (Tierhaltung) beurteilen zu können … dafür gibt es Experten (z.B. in Reppenstedt). Aber ich kann sehen wenn sich jemand sehr schlecht verkauft, bzw. rumschreit und dann schnell in Deckung geht. Die Aussagen von Ratsmitglied Petroll passen dazu. Das ist schon peinlich.

    • Ron, tiere verblöden, wenn sie von menschen gehalten werden. deswegen weiß auch kein kamel im zirkus, was eine wüste ist. tiere werden vom größten raubtier nur missbraucht. ob zum essen, zum spielen, oder zur ergötzung.

    • Herr Petroll ist Bauplaner mit guten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Gegen sein abschließendes Statement („Verstöße sind Verstöße.“) hätte selbst Aristoteles Onassis vom Standpunkt der Logik aus nichts vorzubringen gewusst. Ich wette, Christoph Podstawa und sein Parteikollege David Amri aus dem Stadtrat hatten einen Fototermin bei Karlheinz Fahrenwaldt, der sie mit den Wildtieren Scharf und Buller auf ein satirisches Themenplakat für den Eberhard Manzke-Wohnpark am Wasserturm bringen wird.

      • ich breche hier mal eine lanze für herrn petroll. er war bei einer behörde angestellt und sieht in erster linie tatsächlich in die richtung. kann man ihm nicht vorwerfen. mit vielem hat er recht. sein blickwinkel ist natürlich eingeschränkt. auf dem sogenannten freien wirtschaftsmarkt geht es anders zu. wölfe sind da nur schoßhunde.deswegen sind ja auch einfaltspinsel in der politik nich in der lage, die wirtschaftszwänge und ihre gemeinheiten zu erkennen. damit meine ich nicht herr petroll, damit keine irrtümer auftreten, dieses werfe ich merkel , lichter fdp und anderen vor.

  2. Ich hoffe doch, dass die Ratsmitlieder auch die entsprechende Kompetenz für diese Prüfung mitbringen!

  3. ich halte nur etwas von artgerechter tierhaltung. ein kamel kann man in der politik halten, ohne probleme. aber ohne wüste ist ein kamel kein kamel, sondern nur eine sache, die zur schau gestellt wird.

  4. Tierfreunde Deutschlands

    So ist die Wirklichkeit, wer am lautesten schreit „Tiere aus dem Zirkus“ kommt nicht. So ist es auch bei Leserbriefen, die von Tierrechtlern kommen. „Ich gehe schon seit 10 Jahren in keinen Zirkus“, aber Hallo, und woher nehmen sich diese Leute das Recht über die heutige Tierhaltung zu urteilen? Es gibt sicher Verbesserungen in jeder Tierhaltung, die auch, wie es sich hier zeigt, immer umgesetzt wurden. Tiershcutz ist sehr wichtig und wöchentlich, manchmal noch öfters, werden die Tiere im Zirkus von den jeweiligen Veterinären der Stadt oder Landkreis kontrolliert. Zirkusunternehmen, die mit Tieren reisen müssen sich niemals rechtfertigen. Vorallem nicht gegenüber von Tierrechtsvereinen, wie Peta, die Tiere zu Tausenden jedes Jahr wegen der Kosten töten ließen. Und die Tierfreunde bleiben, was ich unglaublich finde, stumm

  5. Ron, Sie haben nicht die Kompetenz um diese Sachlage (Aussagen von Ratsmitglied Petroll) beurteilen zu können …
    Dafür gibt es Experten (z.B. in Reppenstedt).

  6. Die Tiere würden artgerecht gehalten, „alles ist doppelt und dreifach abgesichert“.
    das letzte glaube ich gern, sonst würde der laden schnell geschlossen. artgerecht kann man weder raubtiere noch wüstentiere im zirkus halten können. außer er zieht zum deutschen bundestag. dort könnten die gleichgesinnten für positive stimmung sorgen.

  7. Den Wildtieren geht es an den Kragen

    Wie das Bundesumweltministerium verkündet, geht das Insektensterben in Deutschland weiter. In Teilen des Landes habe man den Bestand des lästigen Geschmeiß‘ seit dem Jahr 1982 um bis zu 80 Prozent verringern können.

    „Wer heute mit dem Auto übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe“, frohlockte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (Diesel). Die Hauptursache für den Erfolg im Kampf gegen Insekten sieht Hendricks in der Intensivierung der Landwirtschaft: „Die heutige Landwirtschaft macht den Insekten das Überleben glücklicherweise schwer: Es werden große Mengen von Pestiziden eingesetzt, und es gibt zu wenig Blühstreifen und Hecken – einfach geil!“ Die Folgen des Insektenrückgangs seien gravierend: „Mit den Insekten schwindet auch das nächtliche Ärgern über das laute Brummen und Schwirren! Außerdem wird man viel seltener gestochen und die Nahrungsgrundlage für nervige Vögel und ekelhafte Fledermäuse schwindet ebenfalls mit diesen Biestern! Juuuchhuu!“ jubelte Hendricks.

    Besonders stark betroffen sind Bienen. „Ich garantiere Ihnen: Schon im Sommer 2018 können Sie Ihren Kuchen ungestört auf dem Balkon genießen, ohne daß eine dieser schwarz-gelben Nervensägen auftaucht. Mmmhhh lecker, Kuchen!“ versprach die 65jährige.

    Eingereicht von Florian

  8. Sehr geehrter Herr Bruns,

    Prinz William und Kate (beide 35) bekamen am Mittwoch bei Kanzlerin Angela Merkel (63) Lachs und Thunfisch zur Vorspeise, Kabeljau mit Gemüse zum Hauptgang und Joghurt mit Erdbeeren zum Nachtisch, wie es aus Regierungskreisen hieß. (https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/881472-das-mittagessen-von-william-und-kate)

    Darf man den künftigen Aufenthalt dieser Wildtiere (Salmo salar bzw. Oncorhynchus und Thunnus) als „argerecht“ bezeichnen?

    • Rudi
      vom ende der nahrungskette ausgesehen, kann man alles sehen. ob es aber richtig ist? sind tiere nicht auch geschöpfe gottes? ich bin nur atheist und verstehe nichts davon.

    • Rudi
      ich habe da noch eine frage. werden wir denn artgerecht gehalten? wenn ja, von wem? wenn nein, warum nicht? wer hält sich wen bei uns?