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Ein toter Jungstorch liegt in seinem Nest in Horburg. Das Alttier rechts ist der älteste Storch im linkselbischen Zählgebiet – eine 24-jährige Störchin aus Müggendorf, Kreis Perleberg, die seit rekordverdächtigen 22 Jahren in Horburg brütet. Foto: nh

23 Jungstörche verenden im Landkreis

Lüneburg. Anstelle sommerlicher Temperaturen gab es in den vergangenen Wochen immer wieder heftige Regenschauer. Darunter litten vor allem junge Störche in der Region – insgesamt 23 Tieren im Landkreis Lüneburg ist die langanhaltende Nässe zum Verhängnis geworden. Sie sind an Unterkühlung gestorben.

Jungstörche überleben schlechtes Wetter nicht

Rund 23 Prozent der Jungtiere im linkselbischen Teil des Landkreises Lüneburg haben das schlechte Wetter der vergangenen Wochen nicht überlebt. Storchbetreuer Hubert Horn aus Bleckede hat einige der toten Tiere gefunden. „Die Altstörche legen ihre toten Jungen entweder an den Rand des Nestes oder werfen sie hinaus“, erklärt er.

Grund für den Tod der Tiere sei der Regen. Die größte Gefahr für die jungen Störche stelle aber nicht die Gesamtmenge des Niederschlages dar. „Die Dauer der Regenfälle ist das Problem. Wenn es einmal heftig regnet und es danach aber wieder warm wird, können die Jungtiere wieder trocknen. In den letzten Wochen hat es aber über einen längeren Zeitraum stark geregnet“, erklärt Horn. Vom 29. Juni bis zum 1. Juli regnete es zirka 48 Stunden lang, die Niederschlagsmenge lag laut Wettermessstation Boizenburg bei 66 Millimeter. Dass es immer mal Junge gibt, die heftige Regenschauer nicht überleben, sei normal, sagt Horn, der sich seit 25 Jahren für die Störche in der Region links der Elbe engagiert. „Das ist ein natürlicher Prozess. Aber so massiv wie jetzt war es noch nie.“

Gefieder besteht noch aus Daunen

Vor allem zwei bis vier Wochen alte Tiere leiden unter den Bedingungen. Schuld ist ihr Gefieder, das in diesem Alter noch nicht aus Federn, sondern aus zarten, grauen Daunen besteht: „Die sind noch nicht fettig genug, um das Wasser abzuweisen“, sagt Horn. „Die saugen sich voll und die klatschnassen Jungen unterkühlen dann.“ Ein weiteres Prob­lem ist die Größe der Jungtiere in diesem Alter: „Sie sind dann schon zu groß, als dass sich die Eltern auf sie setzen könnten, um sie zu wärmen“, erklärt Horn.

Der nasse Horstboden, auf dem die Jungen liegen, beschleunige die Unterkühlung zusätzlich, ebenso wie der Wind, dem die Tiere hoch oben in ihren Nestern ausgesetzt sind. Doch wie kann man den jungen Störchen helfen, um ihren Kältetod zu verhindern? „Man kann die Nester mit Stangen durchbohren, damit das Wasser durch die Löcher ablaufen kann“, sagt der Experte. „Zwar tun dies die Störche auch selbst mit ihren Schnäbeln, aber das reicht nicht immer aus, um eine Wasseransammlung zu verhindern.“ Es komme außerdem auch immer auf das Material an, das die Alttiere ins Nest tragen. „Am geeignetsten ist Stroh, das ist am durchlässigsten. Wenn man weiß, wo die Tiere ihr Nistmaterial sammeln, kann man dort gezielt welches hinlegen. Aber das hat man leider nicht immer in der Hand.“

Der Bestand sei dennoch nicht gefährdet

Zwar sei der Tod der 23 Jungstörche ein trauriger Verlust, gefährdet sei der Bestand dadurch aber nicht. „In den letzten Jahren ist der Bestand gestiegen. Es gab dieses Jahr viele Jungtiere, wir haben insgesamt 73 Exem­plare verzeichnet.“ 56 Jungstörche in der Region links der Elbe haben überlebt, das sichere die Population. Und in wenigen Wochen wird ihr Gefieder dann so weit ausgebildet sein, dass ihnen der Regen auch nichts mehr anhaben kann.

Von Patricia Luft

Die Situation in der Region: Allein sechs tote Tiere in Amt Neuhaus

Die meisten Verluste mit zwei oder drei Jungstörchen traten in den Nestern in Lüdershausen, Hohnstorf, Barförde, Radegast und Walmsburg auf.

Im Kreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern verendeten 45 von 140 Jungtieren, im Kreis Lüchow-Dannenberg waren es 67 von 163 und rechts der Elbe, in Amt Neuhaus, überlebten sechs von 80 Jungstörchen die heftigen Regenschauer nicht.