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Leonie Peters und Tino Hübner können nicht nachvollziehen, warum die Uni den Masterstudiengang Bildungswissenschaften abschaffen will. Sie sind überzeugt: Es gebe durchaus Interesse, nur sei das Anmeldeverfahren zu undurchsichtig. Foto: phs

Uni will Masterstudiengang Bildungswissenschaften abschaffen

Lüneburg. Die Gerüchte kamen von zukünftigen Studenten. Sie hatten in der Studienberatung erfahren, dass der Master Bildungswissenschaften zum letzten Mal angeb oten werden soll. Eine Neuigkeit, von der nicht mal die Betroffenen wussten. Die Studenten möchten die geplante Schließung nicht einfach hinnehmen. Noch haben sie Hoffnung, dass sie die Entscheidung des Präsidiums kippen können, denn auch der Fakultätsrat stärkt ihnen den Rücken.

Leonie Peters studiert Bildungswissenschaften im Master, ist im 4. Semester, schreibt zurzeit an ihrer Abschlussarbeit. Die 25-Jährige kann sich gar nicht vorstellen, dass es dieses Fach in Lüneburg bald nicht mehr geben soll. „Die Leuphana wäre die einzige Universität in Deutschland, an der es im Bildungszweig nur noch Lehramt gibt.“

Hochschule erwägt Umbau im Herbst 2018

Die Uni begründet die Überlegungen damit, dass der Studiengang dauerhaft nicht ausgelastet sei. Sprecher Martin Gierczak weist darauf hin, dass der Master im Herbst noch wie bisher angeboten werde, sagt aber auch: „Aufgrund der Zielvereinbarung mit dem Land überprüft die Universität regelmäßig die Auslastung aller Studienprogramme, da in jeder Lehreinheit zumindest 80 Prozent erreicht werden müssen.“ Da die bildungswissenschaftlichen Master mit Lehramtsoption für Grund-, Haupt-, Real- und Berufsschule für die Studenten erheblich attraktiver seien, könnte es ab Herbst 2018, in Absprache mit allen relevanten Gremien, zu einem entsprechenden Umbau kommen. Ein weiterer Grund für die Schließung sei die Spezialisierung des Masterstudiengangs auf den Schwerpunkt Community Education. Dabei handele es sich um „ein noch wenig entwickeltes Forschungs- und Berufsfeld“.
Das sieht Leonie Peters anders. Sie kennt viele der bisherigen Absolventen und weiß, wie schnell sie eine Anstellung finden konnten. So arbeiten einige im Zentrum für Hochschulentwicklung, andere bei der Stadt im Bereich Jugendhilfe oder mit Geflüchteten. Es würden immer mehr Stellen geschaffen.

Das Fach bildet zudem eine Art Ausweg für jene, die während ihres Lehramtsstudiums oder Referendariats merken, dass sie ihre Zukunft nicht im Klassenzimmer sehen. David Storrek studiert Deutsch und Sport auf Lehramt, er hat diese Entwicklung oft bei Kommilitonen erlebt. „Für sie sind dann die Bildungswissenschaften eine gute Alternative.“ Wenn sie denn davon überhaupt wissen. Er schätzt, dass etwa drei Viertel seiner Mitstudenten gar nicht wissen, dass sie umsteigen könnten. „Deshalb sehen wir das Prob­lem als hausgemacht an.“

Geforderter Englischnachweis Grund für mangelnde Auslastung

Zurzeit hat der Master, den die Uni jetzt streichen möchte, 25 Plätze. Diese sollen nun im dritten Jahrgang nicht ausgeschöpft sein. Gemeinsam mit Leonie Peters haben damals 21 Personen ihr Studium begonnen, im Folge-Durchgang nur zehn. Den Grund dafür sieht sie im geforderten Englischnachweis. Nur wer den sogenannten TOIEC-Test besteht, hat eine Chance auf einen Platz. Eine Nachreichfrist gibt es nicht. „Es wäre doch sinnvoll, erstmal zu erfahren, ob man die Kriterien für den Master überhaupt erfüllt.“ Denn so müsse man erst mit rund 100 Euro in Vorleistung gehen. „Und das Geld wird nur zurückerstattet, wenn man den Test an der Leuphana macht und den Studienplatz annimmt.“ Erschwerend komme hinzu, dass die wenigen Termine für den Test außerhalb des Bewerbungszeitraumes lägen. „Man muss sich ein Jahr im Voraus anmelden.“

Die geringe Ausbeute liege an der Anzahl ungültiger Bewerbungen. Das Interesse am Masterprogramm sei viel größer. Zwischen 50 und 70 junge Menschen würden sich stets für Bildungswissenschaften bewerben. Leonie Peters und andere Betroffene haben viele Ideen, wie man den Master besser bewerben könnte. „Nur: Auf uns ist ja nie jemand zugekommen. Wie kann es sein, dass wir erst ganz explizit nachfragen müssen, nachdem wir Gerüchte gehört haben?“

Denn den entsprechenden Unterbau gibt es an der Leuphana. So können beispielsweise nicht nur Lehrämtler umsteigen, auch Kulturwissenschaftler, die Umwelt- oder Bildungswissenschaften im Nebenfach studieren, können sich auf den Master bewerben. Auch Tino Hübner, der an der Leuphana Berufliche Bildung in der Sozialpädagogik studiert, könnte wechseln. Er kämpft für den Erhalt des Programms, der 23-Jährige vertritt die Studenten in verschiedenen Gremien.

Von Anna Paarmann

6 Kommentare

  1. Das ist doch eindeutig wieder ein Pfeil in die Zukunft von Prof. Dr. Cornelie Dietrich und Prof. Dr. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn.

    Herr Dr. (HSG) Spoun kann es einfach nicht ertragen, wenn Leute besser Deutsch sprechen als er.

    Kein gutes Omen!

    • „Spoun kann es einfach nicht ertragen, wenn Leute besser Deutsch sprechen als er“?

      Wenn er alle weghaben wollte, die das tun, müsste er die Uni komplett räumen lassen.

  2. Tja, wer den Unterhalt für ein 150 Millionen Euro-Eventzentrum, dessen Eingang „senkrecht“ zur Universitätsallee steht, mitzufinanzieren hat, kann nicht nach dem Motto managen „Erkenntnis- vor Geldgewinn“ oder gar „Studierendenansprüche vor Vermarktungsnotwendigkeiten“!

  3. Werner Schneider

    Dieser Schritt ist nur konsequent aus der Sicht des neuen Präsidenten: Erst hat er den Bachelor abgeschafft, auch die Sozialpädagogik gestrichen. Das Lehramt wollte er auch weg haben, da machte aber das Ministerium nicht mit. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass die wissenschaftliche Kommission des Landes Lüneburg zum bildungswissenschaftlichen Schwerpunkt machen wollte (die LZ berichtete)

  4. Bei genauerer Betrachtung sind die zwei Gründe, die das Präsidium als Begründung zur Schließung heranzieht, also zu geringe Auslastung und ein neuartiger Schwerpunkt, ziemlich pikant und nicht besonders vorbildhaft.
    Würden alle Studiengänge, bei denen es regelmäßig dazu komt, dass Plätze für Studienanfänger*innen freibleiben, würde es ein Massensterben geben im Bereich Physik, Maschinenbau, Informatik und anderen naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen. Vielleicht wird die Leuphna ja auch hier mit den technischen Studiengängen in Volgershall zum Vorreiter.
    Dann wird vom Präsidium der Leuphana bemängelt, dass mit dem thematische Schwerpunkt „Community Education“ ein Konzept gewählt wurde, das in Deutschland neu und noch unbekannt ist.
    Anderswo heißt sowas „profilbildend“, „innovativ“ und „international relevant“, es wäre ein „wettbewerbsrelevantes Alleinstellungsmerkmal“.
    An der Leuphana wird aber Wert auf Althergebrachtes gelegt, wie sich an den bodenständigen Fächern, dem altmodisch deutschem Studienkonzept und der klassischen Uni-Binnenstruktur zeigt (Achtung, Sarkasmus). Das grundständige Studium zum „College“ erklären, ein verpflichtender Englischtest als Zulassungsvoraussetzung (wegen der internationalen Ausrichtung der Uni…) aber keine englisch benannten Schwerpunkte wollen, ist schon irgendwie albern.
    Bestimmt ärgert sich das Präsidium, dass nach neuesten Studien die Auslastung der Schulen noch steigen wird, da muss Lehramt wohl noch weiter mitgeschleppt werden. Aber irgendwie wird die Leuphana ihre Fakultät Bildung wohl noch loswerden.
    Einfach immer druff!

    • Ich würde gerne an einen von Ihnen erwähnten Punkt anknüpfen und zwar an:

      „…ein verpflichtender Englischtest als Zulassungsvoraussetzung (wegen der internationalen Ausrichtung der Uni…) aber keine englisch benannten Schwerpunkte wollen, ist schon irgendwie albern.“

      Das sehe ich exakt genauso und kann da aus eigener Erfahrung als Ex-Student berichten, der damals die Zeit miterlebt hat, als diese Englischtests inflationsartig aufkamen und als Zulassungsvoraussetzung für die Masterstudiengänge dienten. Mittlerweile sind die allermeisten Unis in diesem Punkt zurückgerudert – außer anscheinend mal wieder nicht die Leuphana – da sich herausgestellt hat, dass diese Tests ausschließlich als zusätzliche Zulassungshürde dienten und privatwirtschaftliche Unternehmen reich gemacht haben, die wie am Fließband diese durchführten und dafür 100-150€ pro Person kassiert haben. Hier scheint dieser Englischtest anscheinend dafür bestimmt zu sein, potenzielle Interessenten abzuschrecken und ein anderes Institut, das diesen Test abnimmt, etwas mehr auszulasten. Einen anderen Grund kann man hierfür nicht sehen.

      Mein Gegenvorschlag wäre: Englischtest abschaffen und einen moderaten NC von z.B. 2,8 einführen. Ich wagen dann die Prognose, dass die Bewerberzahlen drastisch steigen würden und die geforderte Auslastung gegeben wäre. Aber auch hier gilt die alte Regel: Alles eine Frage des Willens! Dann würde natürlich DER wichtigste Grund fehlen die Bildungswissenschaften weiter drastisch zu beschneiden (den Anfang hat damals ja die Sonderpädagogik gemacht für die der Standort Lüneburg deutschlandweit eine Art Leuchtturmfunktion hatte).

      By the way: Mit kann auch keiner erzählen, dass sich ein junger Mensch mit vollwertigen Universitätsabschluss (Bachelor) nicht auf Englisch verständigen kann!