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Kevin René Fleher (17) nimmt Fahrstunden bei Joan Höfert-Maahs. Was den Lies-Vorstoß angeht, ist sie zwiegespalten: Manche seien mit 16 Jahren durchaus schon reif genug für den Führerschein, andere aber nicht. Foto. be

Mit 16 schon reif genug für die Straße?

Lüneburg. Seit 2004 dürfen Jugendliche in Lüneburg wie auch im Rest des Landes bereits mit 17 ans Steuer – allerdings zunächst ein Jahr lang nur in Begleitung e ines Erwachsenen. Meistens ist es die Mutter oder der Vater, die oder der auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Jetzt möchte der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) das begleitete Fahren ausweiten, schon mit 16 Jahren sollen Jugendliche ans Steuer dürfen (LZ berichtete). Was sagen die Fachleute zu dem Vorstoß? Die LZ hat bei Lüneburger Fahrlehrern nachgefragt. Manche stehen dem Vorschlag offen gegenüber, andere sind dagegen.

Jugendlicher Leichtsinn mit 16+ noch prägend?

Der Wunsch, schon mit 16 seinen Führerschein zu machen, sei da, ist Ralf Hübner von der Stadtfahrschule Lüneburg sicher. Ihm sei wichtig, dass bei einem Führerschein mit 16 nur die Eltern als Begleiter infrage kämen: „Eltern haben noch immer weit mehr Einfluss als andere Begleiter“, begründet er. Der jugendliche Leichtsinn sei mit 16, teilweise auch mit 17, noch sehr ausgeprägt. „Man muss es ausprobieren und dann die Entwicklung beurteilen“, findet er.

Robert John von der Fahrschule XXL gibt zu bedenken: „Bei 16-Jährigen ist das Problem, dass ihr Verantwortungsbewusstsein noch nicht genug ausgeprägt ist, um sich den Verhältnissen auf der Straße anzupassen.“ Oft seien sogar 17-Jährige für den Straßenverkehr noch zu unreif, nennt er seine Erfahrung.
Falls es ab 2018 zu einem Anstrum von 16-Jährigen in den Fahrschulen käme, stünde man zudem vor einem Problem. John berichtet von einem akuten Fahrlehrermangel in Deutschland. Im Durchschnitt seien deutsche Fahrlehrer 55 Jahre alt, Nachwuchs gebe es kaum. John nennt einen Grund: „Früher hat die Bundeswehr die meisten Fahrlehrer ausgebildet, dieser Zweig fällt heute aber fast vollständig weg.“

Eine, die sich diesem Trend entgegenstellt, ist Joan Höfert-Maahs. Gerade mal 24 ist die Fahrlehrerin, kaum älter als viele ihrer Fahrschüler. Den Führerschein mit 16 betrachtet sie differenziert: „Manche sind da schon reif genug, andere sind einfach noch zu jung, sodass man da nicht pauschal drüber urteilen kann.“ Ihr Ausbilder Robert John, mit jahrzehntelanger Fahrlehrer-Erfahrung, stimmt ihr zu.

Viele Eltern kommen als Begleiter gar nicht infrage

Helmut Gevert, Inhaber der Fahrschule 3ve, weist auf ein weiteres Problem hin: Das Punktesystem des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg habe sich geändert. „Die Begleitperson darf seit 2014 maximal einen Punkt in Flensburg haben, um als Begleiter anerkannt zu werden.“ Vor 2014 waren es noch drei. Es könnte also sein, dass es einige Eltern gibt, die deshalb gar nicht erst als Begleiter infrage kämen. Gleichzeitig steige aber der Bedarf an Begleitpersonen, wenn 16-Jährige nun auch begleitet fahren wollen.

Bis Punkte verfallen oder abgebaut werden, dauert es oft Jahre. Ein Punkteabbau durch ein Fahreignungsseminar kann dagegen ein großer finanzieller Aufwand bedeuten: Pro Seminar, das etwa 400 Euro kostet, wird ein Punkt abgebaut. Das geänderte Punktesystem und der Fahrlehrermangel sollten bei der Umsetzung von Modellen für das Fahren mit 16 berücksichtigt werden, finden die von der LZ kontaktierten Lüneburger Fahrlehrer, die sich auch einig sind: Wenn der Führerschein mit 16 kommt, dann muss auch die Begleitfahrzeit auf zwei Jahre ausgeweitet werden.

Skepsis gab es schon bei der Einführung des Führerscheins mit 17, erinnert sich Gevert: „Da fragten viele: ‚Sind die überhaupt reif genug?‘ Aber dann stellte sich das Vorhaben als positiv heraus.“ Ein Beleg dafür ist die Unfallstatistik, die zeige, dass ein Jahr in Begleitung zu einem sichereren Fahren geführt hat, verdeutlicht auch Fahrlehrer Jens Füßler von Lüne Drive. Wie berichtet, ging die Zahl der Verkehrsunfälle von unter 25-Jährigen seit 2004 um mehr als 20 Prozent zurück. Für Füßler steht fest: „Begleitetes Fahren mit 17 sollte ausreichen. Die meisten Heranwachsenden haben für den Straßenverkehr einfach noch zu wenig Konzentration.“

Von Esra Laubach