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Die Polizei-Anwärter Lennart Constien (l.) und Eddi Trautmann informieren Heike Grobe (r.) und Sylvia Störte aus Wentorf über die üblen Tricks der Betrüger. Foto: be

Sie wollen miesen „Enkeln“ das Handwerk legen

Lüneburg. „Unfassbar“, „niederträchtig“, „widerwärtig“, aber auch: „Das würde mir nicht passieren.“ Das Echo auf die in den letzten Monaten gehäuft aufgetretenen Enkeltrick-Betrügereien fiel bei Lüneburgern wie Lüneburg-Besuchern bei der gestern in der Innenstadt durchgeführten Informationskampagne der Lüneburger Polizei gleichermaßen heftig aus. Ein zwölfköpfiges Präventionsteam um Polizeihauptkommissarin Eleonore Tatge hatte Passanten über die üblen Machenschaften vermeintlicher Enkel und falscher Polizisten aufgeklärt und Verhaltens-Tipps gegeben.

„Ja, da habe ich schon von gehört. Das ist wirklich schlimm, was diese Menschen mit den alten Leuten anstellen“, sagt Ingrid Michaelis. „Erstaunlich ist nur, dass immer wieder Leute darauf hereinfallen. Ich glaube nicht, dass mir so etwas passieren würde“, vermutet die Lüneburgerin.
Antworten wie diese konnten Eleonore Tatge und die zwölf Polizei-Anwärter, die gestern um die Mittagszeit vor dem Rathaus, in der Bäckerstraße und An der Münze auf Passanten und Marktbesucher zugingen, immer wieder hören. „Und dennoch haben die Betrüger mit ihrer Masche Erfolg“, klärte Tatge auf. Das Vorgehen sei dabei stets das gleiche: Am Telefon meldet sich ein angeblicher Enkel oder Verwandter und berichtet von einer Notlage, die nur durch umgehende Zahlung eines Geldbetrags gemildert oder vermieden werden könne. Über einen angeblichen Vertrauten – in Wirklichkeit ein Komplize – wird das Geld dann vom Opfer abgeholt.

Großer Einfallsreichtum bei den Tätern

„Es gibt zahlreiche Trick-Varianten“, weiß Tatge, bei der Lüneburger Polizei Beauftragte für Kriminalprävention. So seien in letzter Zeit auch Fälle bekannt geworden, in denen Betrüger sich als Staatsanwälte, Bankmitarbeiter oder andere Amtspersonen ausgegeben hätten. „Die Opfer werden oft mit viel Einfallsreichtum in Angst und Schrecken versetzt.“ Weil Betrüger sich aber auch als Polizeibeamte ausgeben, die zum Schutz vor Einbrüchen Schmuck und Wertgegenstände aus der Wohnung abholen, ist die Lüneburger Polizei nun in die Informationsoffensive gegangen.
Wie schwer es ist, den Betrügern durch Aufklärung das Handwerk zu legen, macht Tatge deutlich: „Mancher Täter ist so dreist zu behaupten, dass die Polizei Hinweise auf Mittäterschaft von Bankmitarbeitern habe. Damit soll verhindert werden, dass die Opfer von aufmerksamen Bankmitarbeitern am Geldabheben gehindert werden.“ Die Banken, aber auch Arztpraxen und Apotheken seien informiert worden, um möglichst breit aufzuklären.

Dass die Gutgläubigkeit älterer Menschen mitunter schlimme Folgen haben kann, belegen Zahlen: Allein bei zwei „geglückten“ Enkeltricks sei ein Schaden von insgesamt 40 000 Euro entstanden. Noch schlimmer sieht die Bilanz bei den „falschen Polizisten“ aus: Hier gab es einen erfolgreichen Versuch, bei dem eine Schadenssumme von 70 000 Euro entstanden sei, wie Tatge berichtet. Insgesamt habe es im Bereich der Polizeiinspektion Lüneburg 13 Enkel-Trick-Versuche und 16 Versuche mit falschen Polizisten gegeben, „das aber sind nur die bekannten und uns mitgeteilten Fälle, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher“.

Der Täter habhaft zu werden, sei leider kaum möglich, auch wenn die Polizei längst genaue Kenntnis über die Strukturen dieser organisierten Betrugsmasche habe. „Dahinter steckt ein uns bekannter Familien-Clan im östlichen Ausland“, sagt Tatge. Weil es aber mit dem Land kein Auslieferungsabkommen gebe, komme man an die Hintermänner nicht heran. „Da hilft es auch nichts, wenn uns die ‚Läufer‘, die das Geld abholen, ins Netz gehen.“
Den gestrigen Informationstag sieht Tatge daher als wichtigen Schritt, den Betrügern schon im Ansatz das Handwerk zu legen. „Die Leute waren alle sehr aufgeschlossen und dankbar, dass wir darüber aufklären.“

Von Ulf Stüwe