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36 Jugendliche aus neun Ländern genießen in diesen Tagen beim internationalen Jugendcamp ihren Aufenthalt in Böhmsholz. Foto: be

CISV-Camp in Böhmsholz: Das internationale Paradies

Lüneburg. Der Einsatz kommt spontan. Im Nu bilden die Jugendlichen einen Kreis, kurz darauf tritt eine von ihnen in die Mitte und es geht los. „I drive my car“, ruft Manuela, laut kommt das Echo im Chor von den anderen zurück. „I get into my car“, geht es weiter, wieder folgt die Erwiderung aus der Gruppe, dieses Mal noch etwas lauter, auch bei den folgenden Einsätzen. „Energizer“ nennen die 36 Jungen und Mädchen diese Aktion, die sie immer dann starten, wenn sie zwischendurch mal einen Muntermacher brauchen. Denn das Programm, das sie in diesen Tagen im internationalen Jugendcamp des CISV in Böhmsholz absolvieren, fordert sie gut.

Ein „Energizer“ …

„Der Tag beginnt um acht, für die, die wecken, schon etwas früher“, sagt Leon Schlotfeldt. Er gehört zum „Staff“, wie das vierköpfige Organisationsteam genannt wird, wie fast alles im Jugendcamp natürlich auf Englisch. Seit dem 9. Juli sind die aus neun Ländern angereisten 14-jährigen Jungen und Mädchen in Böhmsholz, sie kommen aus Europa, aus den USA, dem Libanon, Brasilien und der Mongolei.

„Es geht um die Erziehung der Kinder zum Weltfrieden“, erläutert Leon den Grundgedanken des CISV. Die vier Buchstaben stehen für „Children‘s International Summer Villages“, eine Organisation, die 1951 in den USA ins Leben gerufen wurde und sich Völkerverständigung und den Abbau von Vorurteilen auf die Fahnen geschrieben hat. Mittlerweile ist sie in 70 Ländern vertreten. In Deutschland gibt es elf „Chapter“, eigenständige Vereine, die aber strikt an die CISV-Leitlinien gebunden sind. Auch Lüneburg mit seinen rund 200 Mitgliedern ist so ein „Chapter“.

… und ein Musical für die Menschenrechte

Kinder seien nicht vorbelastet, offen für neue Wege und meist ohne Vorurteile, sagt Leon. „In den Camps kommen sie zusammen, lernen sich kennen, es bilden sich Freundschaften – die beste Grundlage, künftig Kriege zu vermeiden“, ist der 24-Jährige überzeugt, der Gesang studiert hat, jetzt an der Leuphana Soziale Arbeit studiert und sich ehrenamtlich im CISV engagiert. Als „Staff“-Mitglied ist er das erste Mal dabei, eine Aufgabe, die „wahnsinnig viel Spaß macht, einen aber auch fordert“.

Jeder Tag ist prall gefüllt: Jeweils drei Aktivitäten sind vorgegeben, welche, entscheiden die Jugendlichen selbst. Dazu kommen sie in „Planning Groups“ zusammen, diskutieren und entwickeln Ideen, die sich in diesem Jahr alle um ein Thema drehen müssen: Menschenrechte. Wie die Jugendlichen es umsetzen, bleibt allein ihnen überlassen. Teilnehmer aus der Mongolei etwa haben ein Szenario entwickelt, bei dem man sich diese Rechte kaufen kann, andere versuchen, am Beispiel des nachgespielten Musicals „Cinderella“ aufzuzeigen, welche Menschenrechte hier verletzt wurden.

„Für Freizeit sind täglich nur drei Stunden vorgesehen“, sagt Kjell Neis aus Darmstadt, auch er ein Staff-Mitglied. Darüber hinaus sind Exkursionen geplant, zum Beispiel nach Hamburg. Im Lüneburger Rathaus wurden sie bereits empfangen. Langeweile komme nicht auf. „Die drei Wochen, die sie hier sind, gehen für die meisten ohnehin zu schnell vorbei“, sagt der 18-Jährige.

Eigene Wege zur Konfliktlösung finden

Manuela und André aus dem brasilianischen Sao Paulo wollen noch nicht an Abschied denken, sie fühlen sich in Böhmsholz rundum wohl. „Man kann es nicht beschreiben, es ist wie im Paradies“, sagt die 14-Jährige.

Buyanaa aus Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, ist schon das dritte Mal in einem Camp, sie sagt: „Wir verstehen die Probleme anderer Länder besser und lernen voneinander.“ Und wenn doch mal Streit aufkommt? „Dann müssen sie selbst eine Lösung finden“, sagt Leon, „wir geben nichts vor, zeigen höchstens Wege auf.“

Wer selbst mal einen Blick ins Camp werfen und vielleicht Kontakt aufnehmen möchte, ist am Sonntag, 23. Juli, herzlich nach Böhmsholz eingeladen. Beim „Open Day“ von 15 bis 18 Uhr stellt sich jedes Land mit seinen Besonderheiten vor, auch an den Aktivitäten kann teilgenommen werden. Auch an einem der aufmunternden „Energizer“.

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Eine tolle Aktion und schön so etwas zu lesen. Für den „open day“ werde ich mir Zeit nehmen.