Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Ihre Liebe besiegeln Cosima Gomell und Günter Buschujew heute im Heinrich-Heine-Haus. Die Trauung wird Susanne Twesten, langjährige Kollegin von Cosima Gomell, vornehmen. Foto: t&w

Standesbeamtin wechselt die Seiten

Lüneburg. Fast 20 Jahre war Cosima Gomell als Standesbeamtin bei der Stadt Lüneburg tätig. Wie viele Paare sie in dieser Zeit getraut hat, lä sst sich nicht genau sagen. „Aber es waren bestimmt Tausende“, meint sie. Am 1. Juni hat sie dieses Kapitel ihres beruflichen Lebens zugeschlagen. Doch sie kehrt noch einmal ins Trauzimmer des Heinrich-Heine-Hauses zurück – für einen Seitenwechsel. Denn heute gibt sie ihrem Günter das Ja-Wort. Damit schließt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die vor mehr als 40 Jahren begann.

Kennengelernt haben sich die beiden Lüneburger, da war sie 16 und er 18. Die erste große Liebe, die sie neun Jahre verband. Doch als Günter Buschujew nach Hannover zum Studium ging, blieb dem Paar nur am Wochenende und in den Semesterferien gemeinsame Zeit, und es war abzusehen, dass es für ihn nach dem Studium nicht mehr nach Lüneburg zurückgehen würde. „Ich bin aber Lüneburgerin von ganzem Herzen, wollte auf keinen Fall weg. Außerdem war ich inzwischen bei der Stadtverwaltung beschäftigt“, erzählt sie. Dort lernte sie dann ihren ersten Mann kennen. Als sie klaren Tisch machte, „haben wir beide wie Schlosshunde geheult“, schildert Cosima Gomell, und Günter Buschujew ergänzt mit liebevollem Blick: „Sie war doch für mich die Frau fürs Leben.“

Neuanfang mit einer E-Mail

Sie heiratete 1985 das erste Mal, er zwei Jahre später. Sie bekam einen Sohn, er wurde Vater einer Tochter und eines Sohns. Sie lebte in ihrem geliebten Lüneburg, er in Nienburg. Rückblickend seien das wunderbare Jahre gewesen, bei denen das Familienleben im Mittelpunkt stand, machen beide deutlich. Doch in all den Jahren sei man gedanklich auch immer mal wieder bei dem anderen gewesen: Wie mag es ihr/ihm gehen, wie ist ihr/sein Lebensweg?

Der zweite schmerzvolle Einschnitt in seinem Leben – nach der Trennung von „Cosi“ – sei gewesen, als seine Frau 2006 starb. „Meine Kinder waren damals 15 und 18 Jahre alt, und es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich wieder Boden unter den Füßen hatte.“ Damals habe er häufiger an seine Jugendliebe gedacht und wollte einfach wissen, wie es ihr geht. „Ich hab‘ dann im Internet recherchiert und ihr eine E-Mail geschickt.“ Die Antwort kam prompt. Es folgten Treffen, lange Gespräche – und beide entdeckten, dass es inzwischen viele Parallelen auf ihren Lebenswegen gegeben hatte und dass da noch etwas ist: Vertrautheit aus alten Tagen und dass das Gefühl füreinander noch währt.

Eher nüchterner Heiratsantrag

„Nienburg war zwar meine Heimat geworden, aber nach dem Tod meiner Frau stand für mich auch fest, dass ich nach Lüneburg zurück wollte. Außerdem hatte sich mein Sohn für ein Studium an der Leuphana eingeschrieben“, erzählt er. Bei alledem reifte in ihm aber auch der Wunsch, dass es eine zweite Chance für ein gemeinsames Leben mit seiner „Cosi“ geben könnte. Ein Herzenswunsch, den auch sie teilte, nachdem sie mit einem Teil ihrer Vergangenheit abgeschlossen hatte. Gemeinsam haben sie dann ein Haus gebaut, ein herrliches Refugium am Rande der Stadt. Glück ist für sie, dass sie sich auf ihrem Lebensweg wiedergefunden haben und sich der Kreis geschlossen hat. Den Bund fürs Leben auch zu besiegeln, war da nur eine Frage der Zeit. „Denn unsere Einstellung ist, dass wenn man zusammenlebt, die Heirat dazu gehört.“

Nur mit dem Heiratsantrag sei das so eine Sache gewesen, sagt sie und zwinkert ihn an. Er als Ingenieur sei ein Pragmatiker, sie als Standesbeamtin, die schon viele emotionale Traureden gehalten hat, eine echte Romantikerin. Dementsprechend hätte sie sich schon etwas Besonderes gewünscht. Doch der Antrag kam ohne großes Brimborium. „Als ich am Abend meines letzten Arbeitstages in der Küche stand, hat er einfach gesagt: Eigentlich könnten wir doch jetzt heiraten.“ Für ihren Geschmack ist das ein bisschen zu nüchtern – vergeben, wenn Günter erklärt: „Für mich braucht es keine großen Worte, um Cosi zu sagen, dass ich sie liebe.“

Von Antje Schäfer

Hochzeitsstadt Lüneburg

Laut Statistischem Landesamt ist die Eheschließungsrate in Lüneburg teilweise doppelt so hoch wie in anderen niedersächsischen Kommunen, berichtet Susanne Twesten.

Die Leiterin des Bürgeramtes war zuvor viele Jahre Leiterin des Standesamtes. Während sich 2006 knapp 500 Paare hier das Ja-Wort gaben, schnellte die Zahl bis 2015 auf 844 Eheschließungen hoch.

„2016 wurden insgesamt 847 Ehen und neun Lebenspartnerschaften in Lüneburg geschlossen. Für 2017 sind aktuell schon 750 Eheschließungen terminiert, so dass wir wieder mit einer Rekordzahl rechnen.“

Möglich wurde das auch, weil es mittlerweile sechs Trausäle gibt und die 13 Standesbeamten von montags bis freitags Termine anbieten. „Mehr als die Hälfte der Paare kommt von auswärts, was sicher auch da­ran liegt, dass unsere Stadt eine fantastische Kulisse für den großen Tag bietet.“