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Miss Marple und Stefanie Frischmuth sind wieder vereint – nach 14 Jahren. Ein kleines Wunder, findet die Melbeckerin. Foto: fb

Die Auferstehung von Miss Marple

Melbeck/Zernien. Es ist 21.45 Uhr. Am Donnerstag der vergangenen Woche. Das Telefon klingelt, auf dem Display erscheint eine fremde Nummer. Ste fanie Frischmuth aus Melbeck im Kreis Lüneburg nimmt den Hörer ab. Es meldet sich ein Tierarzt aus Lüchow-Dannenberg. Genauer: Dr. Marcus Schäfer aus Zernien. „Jemand hat Ihre Katze gefunden“, sagt der Tierarzt. „Nein, das kann nicht sein, meine Katze ist tot“, entgegnet Frischmuth. Der Tierarzt nennt einige Merkmale des Tieres, die im Haustierzentralregister Tasso angegeben sind: geboren 2001, braun-schwarzes Fell, Name: Miss Marple. In dem Moment wird Stefanie Frischmuth klar, dass es sich bei der gefundenen Katze wirklich um ihr geliebtes Haustier handelt – um Miss Marple, die sie 14 Jahre lang vermisst hatte.

„Mein ganzer Körper hat gezittert“, erinnert sich Frischmuth an den Moment, als ihr klar wurde, dass Miss Marple lebt. Die Hoffnung darauf hatte sie eigentlich schon lange aufgegeben. Schließlich war ihre Katze bereits vor 14 Jahren verschwunden. Damals hatte die Familie zunächst alles in der näheren Nachbarschaft abgesucht: „Wir haben alle Nachbarn gefragt, haben Schuppen durchsucht und auch auf der B 4 nach Katzenleichen gesucht“, erzählt Stefanie Frischmuth. Ohne Ergebnis.

Eigentlich mit Miss Marples „Tod“ abgefunden

Das Grundstück der Familie grenzt an die viel befahrene Bundesstraße 4. Eine Straße, auf der schon viele Katzen ihr Leben verloren haben. Zudem seien damals mehrere Katzen aus der Nachbarschaft spurlos verschwunden, man habe auch den Verdacht gehabt, ein Katzenfänger treibe sein Unwesen, erzählt die 43-jährige Melbeckerin. „Also haben wir uns mit der Zeit damit abgefunden, dass Miss Marple tot ist oder geklaut wurde.“ Umso größer war die Überraschung und Freude am vergangenen Donnerstag: „Ich konnte es wirklich kaum glauben“, sagt Stephanie Frischmuth.

„Ich habe in den vergangenen Jahren zusammen nicht so viel geweint wie an diesem Tag.“
Stefanie Frischmuth

Doch es stimmt: Joanna und Sven Langer aus Zernien haben Miss Marple gefunden. Besser gesagt: „Unser Dackel hat die Katze gefunden“, sagt Joanna Langer. Das fremde Tier habe sich eine Woche lang im Gebüsch am Zaun versteckt. Auf dem Nachbargrundstück, sodass der Dackel „schon versucht hat, den Zaun kaputtzumachen, um an die Katze zu gelangen“, berichtet Joanna Langer. Nach einem Anruf in der örtlichen Tierarztpraxis weiß sie, was zu tun ist: die Katze einfangen und in die Praxis bringen. Schnell stellt sich heraus: Das ist leichter gesagt als getan. „Mein Mann wurde zweimal gebissen, aber letztlich haben wir die Katze einfangen können“, erzählt Joanna Langer. Nach der Untersuchung in der Praxis ermittelt der Tierarzt per Anruf bei Tasso die Katzenbesitzer.

Wer hat sich all die Jahre um die Katze gekümmert?

Gleich am nächsten Morgen macht sich Stefanie Frischmuth auf den Weg nach Zernien, um ihre Katze abzuholen. „Ich habe in den vergangenen Jahren zusammen nicht so viel geweint wie an diesem Tag“, erzählt sie, „vor Freude und Rührung.“ Beide Frauen – Stefanie Frischmuth und Joanna Langer – sind sich einig: „Diese Geschichte ist ein Wunder.“ Und in noch einem Punkt sind sie sich einig: Jemand müsse sich in den vergangenen Jahren um Miss Marple gekümmert haben, denn „sie war zwar geschwächt, aber gut gepflegt und nicht abgemagert“. Ihr Dank gelte den Menschen, bei denen Miss Marple in den vielen Jahren gelebt habe, sagt Frischmuth: „Es wäre schön, wenn wir diese Menschen finden könnten.“ Vielleicht vermissen diese Menschen die Katze ja schon, meint Frischmuth. Wenn dem so sei, könnten sie sich unter der Telefonnummer (0 41 34) 91 14 74 bei ihr melden.

Erstmal lebt Miss Marple, die blind ist, wieder in ihrem alten Zuhause in Melbeck. „Wir haben mittlerweile zwei Jagdhunde, aber die verstehen sich ganz gut mit der Katze“, berichtet Stefanie Frischmuth. Das Problem: „Mit zwei Hunden und zwei Kindern ist bei uns die Tür fast immer offen“, sagt sie. Die blinde Katze wolle sie aber nicht mehr aus dem Haus lassen, „weil unser Grundstück mit zwei Teichen dafür nicht geeignet ist“. Die unerwartete Situation sei nun etwas überfordernd, aber fest steht für die Melbeckerin: „Das Tierheim kommt nicht in Frage.“ Und so gibt es für Miss Marple vorerst ein Happy End.

Von Florian Beye