Donnerstag , 22. Februar 2018
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Bernd Trümper räumt auf: Der 64-Jährige hat Pappkartons und Sperrmüll zur Deponie gebracht, dort in den Containern getrennt entsorgt. „Das Service-Angebot der GfA finde ich prima“, sagt er. Foto: phs

GfA Bardowick: Arbeiten am „Monte Deponie“

Bardowick. Er ist das moderne Wahrzeichen Bardowicks – der 46 Meter hohe „Monte Deponie“ auf dem Gelände des Abfallunternehmens GfA. Ein Monument des Konsums. E in Mahnmal der Wegwerfgesellschaft und ein sichtbarer Beweis dafür, dass nichts für die Ewigkeit ist, alles seine Zeit hat.

Philosophische Gedanken, für die Tobias Richter freilich kaum Zeit hat. Der 27-jährige GfA-Mitarbeiter ist Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft und steht wie fast jeden Arbeitstag auch an diesen Morgen an den Containern für Kleinanlieferer. Doch wie ist das, wenn die Lüneburger ihren Müll zur Entsorgung bringen? Sich von ihren alten Gartenmöbeln, dem kaputten Computer oder Omas zerbrochenem Porzellan trennen (müssen)? Gibt es Diskussionen über das, was weggeworfen wird? Über die Gebühren, die dafür zu entrichten sind? Die LZ hat Tobias Richter einen Vormittag begleitet – und dabei interessante Einblicke gewonnen. In das Müllverständnis der Menschen, aber auch in das Seelenleben so mancher Anlieferer.

„Unsere Deponie hat noch mindestens eine Laufzeit bis 2032.“
Reiner Jilg, GfA-Kundenberater

Es ist ein schwül-warmer Mittwoch-Vormittag. „Das wird heute ein vergleichsweise ruhiger Tag“, weiß Richter und liefert auch gleich die Erklärung für seine Vermutung: „Es sind noch Ferien, es ist mitten in der Woche und es ist heiß. Wenn es sommerlich warm ist, machen die Leute lieber andere Dinge, als ihren Keller oder ihre Schuppen aufzuräumen.“ Es bleibt also ein wenig Zeit, mit Tobias Richter und seinen Kollegen über Beruf und Berufung, vor allem aber auch über die Ausrichtung und Zukunft der GfA in Bardowick zu sprechen.

Bardowick setzt auf Kraft von Bakterien

1986 wurde der erste Bauabschnitt der Zentraldeponie in Bardowick in Betrieb genommen. 125 Hektar groß ist das Deponie-Gelände, dessen Herzstück zweifellos die Mechanisch-Biologische-Vorbehandlungsanlage (MBV) ist. Denn auf der Deponie in Bardowick wandert der Abfall nicht in die Verbrennung, sondern hier setzt man auf die Kraft von Bakterien. Das Prinzip der MBV funktioniert dabei verblüffend einfach: Der angelandete Siedlungs-Abfall wird auf Transportbänder geladen. Über ein Siebverfahren werden Stör- und Wertstoffe wie Metalle und Kunststoffe, Plastik, Holz und Pappe, aber auch Steine aussortiert. Der Rest wandert in große Container. Abgeschlossene Behälter, die nach einem ausgeklügelten System bewässert und belüftet werden.
Insgesamt 120 dieser Container stehen in einer Halle der GfA, in denen die Siedlungsabfälle von rund 170 000 Bürgern aus Stadt und Kreis behandelt werden. 14 Tage fressen sich Bakterien durch den Müll, sorgen so für den Abbau organischer Bestandteile durch Kompostierung, sodass am Ende die Container nur noch zu etwa zwei Drittel befüllt sind.

Danach geht der Inhalt für acht bis zehn Wochen in die sogenannte Nachrotte. Der so aufbereitete erdartige Abfall kann dann auf der Deponie gelagert werden. Übrigens wird nicht nur der Siedlungsabfall aus der Stadt und dem Landkreis Lüneburg in der MBV endbehandelt, „sondern auch der Restmüll aus den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg“, berichtet Technik-Bereichsleiter Erich Tegtmeyer.
Dass die Deponie schon bald verfüllt sein wird und im Landkreis Lüneburg dann der Müllnotstand ausbricht– „diese Sorge ist unbegründet“, beruhigt schmunzelnd Tegtmeyers Kollege Reiner Jilg: „Unsere Deponie hat noch mindestens eine Laufzeit bis 2032.“ Rund 190 Mitarbeiter sind bei der GfA beschäftigt, vom Lkw-Fahrer über Bürokräfte bis zu den Fachkräften für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll

„Die Ausbildung ist anspruchsvoll“, sagt Tobias Richter, der zudem eine Zusatzschulung für Gefahrstoffe absolviert hat – die sogenannte TRGS 520 – die Technische Regelung für Gefahrstoffe. „Kein Tag ist wie der andere, das finde ich gut“, sagt der 27-Jährige, der auch den Kontakt mit den Kunden nicht missen möchte. Obwohl nicht alle einsichtig sind. „Natürlich gibt es auch die, die überhaupt kein Verständnis dafür haben, dass nicht alles gebührenfrei angeliefert werden kann“, sagt Richter. Schon bei drei Euro Gebühr verliere so mancher die Contenance: „Das nächste Mal werfe ich den Kram in den Wald…!“ Ein Spruch, den der 27-Jährige und seine Kollegen an den Containern öfters zu hören bekommen. Und wie reagiert Richter auf solche Äußerungen? „Höflich bleiben!“, sagt er, selbst dann, wenn der erboste Anlieferer wieder mit seinem Müll vom Hof fahren sollte. „Das haben wir auch schon erlebt!“

Frank Nestler gehört nicht zu den Nörglern: Der Musiker trifft an diesem Morgen bereits mit der dritten Kofferraum-Ladung voll Sperrmüll auf der Deponie ein. „Ich bin dabei, meinen Schuppen aufzuräumen“, berichtet der Lüneburger, der selbst darüber staunt, was sich im Laufe der Jahre so alles angesammelt hat. „Da wird‘s Zeit, mal auszumisten“, sagt Nestler, der auch in Neuseeland und in Australien gelebt hat. Stimmt es, dass die Deutschen für die Einführung der Getrenntsammlung und des Dosenpfands im Ausland oftmals belächelt werden? „Also, umweltbewusst sind die Australier und die Neuseeländer mindestens genauso“, sagt Nestler und fügt hinzu: „Wenn überhaupt, dann schüttelt man im Ausland eher über die deutsche Bürokratie den Kopf.“ Dass ihm aber Tobias Richter sagt, welcher Sperrmüll in welchen Container gehört, das findet Nestler gut. Der Musiker hat ein altes Fahrrad, alte Koffer, in denen er seine Instrumente transportierte, alte Eimer und diversen anderen Sperrmüll zur Deponie gebracht. „Ich finde es prima, wie das hier auf der Deponie gehandelt wird“, sagt er, bevor er vom Hof fährt, um sein Auto mit der nächsten Ladung Sperrmüll vollzupacken.

Handgranate im Müll entdeckt

„Es gibt nichts, was nicht schon bei uns abgegeben wurde“, berichtet Richter: Selbst eine Handgranate hatte schon ihren Weg auf die Deponie gefunden. „Das ging aber Gott sei Dank glimpflich aus“, berichtet der GfA-Mitarbeiter, während er sich bereits auf den Weg zur Annahme für Elektroschrott macht. Arne Doormann will alte Elektrogeräte abgeben – Staubsauger, alte Küchengeräte, eine ausrangierte Bügelmaschine… „Die Sachen gehörten einem guten Freund von mir“, sagt der Lüneburger – und setzt traurig nach. „Mein Kumpel war ein ‚Jäger und Sammler‘, jetzt liegt er im Hospiz!“

Viel Zeit, über solche Lebenswege nachzudenken, bleibt den GfA-Mitarbeitern nicht: An den Containern stehen jetzt gleich mehrere Pkw, manche mit Anhänger. Manfred Arnheim aus Deutsch Evern hat altes Bauholz, das er loswerden möchte, Hinnerk Dezje ist mit Bauschutt auf die Deponie gekommen und Friedhelm Liesner hat den Anhänger voll mit Grassoden und alten Plastikteilen. „Mein Sohn baut ein Carport, da müssen wir vorher Platz schaffen“, erklärt der 67-Jährige.
Platz schaffen – das gilt auch für Stefanie Eickhof aus Scharnebeck, die auf dem Grünablade-Platz ihren Anhänger leer macht. Wie so viele andere auch an diesem Tag: „Ich finde diese Möglichkeit großartig und total unkompliziert“, lobt die 48-Jährige. Und trotzdem gibt es noch immer Menschen, die ihren Unrat in Wald und Flur werfen…

Von Klaus Reschke

Hintergrund: Was auf die Deponie kommt 

Folgende Abfälle beziehungsweise Wertstoffe können Privatkunden kostenlos bei der GfA in Bardowick abgeben: Altpapier, Problemabfälle (das gilt nur für die Einwohner von Hansestadt und Landkreis Lüneburg), Elektroschrott, Metall, Altkleider, Altglas, Korken, CDs, Druckerpatronen und Toner, Mobilfunktelefone, Energiesparlampen und Agrarfolien.

Gegen entsprechendes Entgelt (das sich nach dem jeweiligen Tonnenpreis und den einzelnen Abfallarten berechnet) nimmt die GfA zudem folgende Dinge an: Bau- und Abbruchabfälle, Flachglas und Fenster, Kunststoffe wie PVC und Styropor, Asbestabfälle, künstliche Mineralfaser, Altholz, Altreifen und auch Nachtspeicheröfen.

Lieferanten können nicht liefern: Grünabfallsäcke werden knapp

Die GfA hat Probleme mit der Lieferung von Grünabfallsäcken. Der Grund: „Die Hersteller und Lieferanten von unseren Grünabfallsäcken können zurzeit keine Säcke produzieren, da auf dem Weltmarkt nicht ausreichend Kraftsackpapier erhältlich ist“, erklärt GfA-Vorstand Hubert Ringe. Momentan seien fast alle Papiersorten von Engpässen betroffen. „Vermutlich werden Papiermengen künstlich zurückgehalten, um durch die Verknappung des Angebotes Preise steigen zu lassen“, mutmaßt Ringe.

Das wesentliche Problem sei jetzt, dass es aufgrund des geringen Angebotes zu immer längeren Lieferzeiträumen komme und die Bürger nicht mehr ausreichend mit Grünabfallsäcken versorgt werden könnten. „Dadurch steigt die Verärgerung und der Unmut bei den Verteilerstellen und den Bürgern, was unsere Mitarbeiter durch tägliche Anrufe zu spüren bekommen“, berichtet Ringe. „Wir arbeiten derzeit mit drei verschiedenen Lieferanten zusammen und versuchen, weitere Mengen zu erhalten, um das Problem in den Griff zu bekommen.“