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Der Konzern kriegt rund 16,7 Millionen Euro Zuschuss, um unterversorgte Gebiete im Kreis mit Glasfaser zu versorgen. Symboldfoto: A/dth

Breitbandausbau im Landkreis Lüneburg: Telekom erhält den Zuschlag

Lüneburg. Die Deutsche Telekom erhält den Zuschlag, im Auftrag des Landkreises Lüneburg die unterversorgten Gebiete mit Breitband auszubauen. Das hat jetzt der Kreisausschuss des Lüneburger Kreistags in einer nichtöffentlichen Sondersitzung beschlossen. „Das ist eine Wende, die im wahrsten Sinne des Wortes viele überrascht“, sagt auf LZ-Nachfrage Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer.

Lange Zeit sah es so aus, als wäre unter den Bietern die Firma „Komnexx“ vorne. Doch nach Unregelmäßigkeiten in einem ähnlichen Ausschreibungsverfahren im Heidekreis hat sich das Blatt zugunsten der Telekom gewendet. Stefanie Halle, Sprecherin der Telekom, sagte auf LZ-Nachfrage: „Das wird bislang eines der größten Netze im ländlichen Raum, die wir komplett mit Glasfaser ausbauen.“ Und zwar in der Variante FTTH („Fibre to the Home“), also bis zu den Hausanschlüssen.

Landkreis bedient sich der Wirtschaftlichkeitslücken-Förderung

Im Lüneburger Ausschreibungsgebiet (siehe Infokasten) sollen insgesamt 14 359 Haushalte angeschlossen werden. Im Gegensatz zu anderen Landkreisen wie Uelzen baut der Kreis Lüneburg das Netz nicht selbst, um es später an einen Betreiber zu verpachten, sondern bedient sich der sogenannten Wirtschaftlichkeitslücken-Förderung: Das heißt, der Kreis bezuschusst ein privates Unternehmen für den Ausbau so weit, dass der Ausbau für die Firma wirtschaftlich ist. Der Kreis erwirbt dabei kein Eigentum an dem Netz, trägt aber auch nicht das wirtschaftliche Risiko des Netzbetriebs.

In Kürze geht es nun in die Vertragsverhandlungen, wo letzte Details geklärt werden. Eines steht aber bereits fest: Die Telekom wird Kunden während der Markteinführungsphase anbieten, kostenlose Hausanschlüsse zu legen, heißt es. Für alle Hausbesitzer, die entsprechende Tarife für schnelles Internet buchen wollen, übernimmt das Unternehmen also die notwendigen Bauarbeiten auf dem Grundstück. „Interessierte sollten dann schnell sein“, sagt Krumböhmer, „wer später nachrüsten will, muss mit zusätzlichen Kosten rechnen.“
Krumböhmer weiter: „Die Telekom hat sich uns gegenüber richtig bewegt, dass sie auch die letzte Meile mit Glasfaser ausbauen will.“ Dafür zahlt der Kreis einen Zuschuss von rund 16,7 Millionen Euro. Der Bund fördert das Projekt zur Hälfte mit 8,36 Millionen Euro, das Land gibt noch einmal zwei Millionen Euro dazu. Der Landkreis und die teilnehmenden Kommunen übernehmen jeweils rund 3,178 Millionen Euro.

Komnexx hält Ultimatum des Heidekreises ein

Krumböhmer freut sich, die Telekom für den Ausbau gewonnen zu haben: „Viele kommunale Aufgabenträger haben bei einem Ausbau in Eigenregie beklagt, dass die Telekom mit Wettbewerbsaktionen dagegen gearbeitet hat. Das Problem werden wir nicht haben.“ Zudem habe der Konzern ganz andere operative Möglichkeiten, die notwendigen Tiefbauarbeiten für die Kabelstränge zu organisieren. Krumböhmer: „Wir gehen davon aus, dass der Breitbandausbau bis Ende 2018 fertig sein wird.“

Unterdessen hat die Komnexx das Ultimatum des Heidekreises eingehalten und dieser Tage die geforderte Feinplanung eingereicht. Heidekreis-Sprecher Pütz sagt: „Sie haben uns gegenüber erklärt, mit welcher Technik sie den Breitbandausbau vornehmen wollen. Das haben wir an unsere Fördergeber weitergeleitet.“ Komnexx hatte kürzlich eingeräumt, sich bei der Angebotsabgabe verrechnet zu haben (LZ berichtete). Nun habe die Firma gegenüber dem Heidekreis für kommende Woche ein neues Angebot angekündigt, das von Rechtsanwälten geprüft und dann Kreis und Kommunen vorgelegt werden soll. Pütz sagt: „Lassen wir uns überraschen.“

Von Dennis Thomas

Die Kosten: Das sollen die Kommunen zahlen

Die Breitband-Initiative verfolgt den flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets in den als unterversorgt geltenden Gebieten außerhalb des Ortsnetzes 04131. Der Kreis übernimmt für die Wirtschaftlichkeitslücke 3,178 Millionen Euro. Die andere Hälfte des Eigenanteils sollen die teilnehmenden Kommunen übernehmen. Die in der Auflistung nicht genannten, unterversorgten Kommunen aus den Samtgemeinden Gellersen und Bardowick betreiben einen eigenen Breitband-Ausbau mit der „ElbKom“. Die übrigen Kommunen aus der Samtgemeinde Amelinghausen sowie Ellringen bei Dahlenburg haben den Ausbau in den vergangenen Jahren und Monaten auf eigene Faust weitgehend vollzogen.

  • Amt Neuhaus, Stiepelse ↔12 174,18
  • Amelinghausen ↔254 329,61
  • Artlenburg ↔61 534,93
  • Barendorf ↔156 493,50
  • Barnstedt ↔58 436,05
  • Bleckede ↔669 358,35
  • Boitze ↔31 874,21
  • Dahlem ↔41 613,55
  • Dahlenburg ↔232 637,44
  • Echem ↔75 922,59
  • Embsen  ↔170 881,17
  • Hittbergen ↔71 938,31
  • Hohnstorf/Elbe ↔167 782,28
  • Lüdersburg ↔55 558,51
  • Melbeck ↔223 562,15
  • Nahrendorf ↔108 903,54
  • Neetze ↔160 699,13
  • Reinstorf ↔95 622,62
  • Rullstorf ↔142 548,54
  • Scharnebeck ↔210 502,58
  • Thomasburg ↔62 198,97
  • Tosterglope ↔55 779,86
  • Vastorf ↔57 993,35

(ALLE ANGABEN IN EURO)

One comment

  1. Man mag es kaum glauben aber es scheint ja nun auch endlich im LK Lüneburg loszugehen, ein Wunder ist geschehen.
    Nun kann ich auch nachvollziehen warum die Herren mit der Telekom Mütze sämtliche Anträge auf einen IP Anschluß abgelehnt haben. Trotz Gewerbeschein und 2 Firmen im Haus immer wieder die Ausrede es gäbe keine Mögliochkeit einen IP-Anschluß zur Hybrid Nutzung zu bekommen.
    VDSL Ausbau in Barförde/ Hittbergen (wir konnten Magenta 1 kurzfristig schon buchen) wurde dann im Januar/Februar 2017 auch nicht mehr weiter verfolgt!

    Na nun gehts ja doch noch mit 16,7 Millionen aus dem Steuersäckle, da sag noch mal einer das wären Zufälle.