Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Eine Direktbank hat mit dem Hinweis auf das Geldwäsche-Gesetz das Einrichten eines Klassenfahrtkontos abgelehnt. Das hat ein hiesiger Lehrer mitgeteilt. Foto: boick

Lüchow: Lehrer gerät in Konflikt mit dem Geldwäsche-Gesetz

Lüchow. Dass man mit dem Geldwäsche-Gesetz in Konflikt kommen könnte, weil man ein Klassenfahrtskonto führt, auf diesen Gedanken würden vermutlich die Wenigsten kommen. Einem Lehrer einer Lüchower Schule ist das jedoch passiert. Der Pädagoge, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass ihm die ING-DiBa ein separates Konto gekündigt habe, weil er darüber die Elternanteile für eine mehrtägige Klassenfahrt abrechnen wollte.

Einzahlungen machen Bankangestellte misstrauisch

Er habe nach einer Bank gesucht, bei der eine kostenlose Kontoführung möglich ist, schildert der Lehrer. Als dann die ersten Einzahlungen für die Klassenfahrt auf dem Konto eingingen, habe ihn die Direktbank mitgeteilt, dass eine solche Nutzung nicht den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für ein solches Konto entspreche. Ein Mitarbeiter der Bank habe ihm dann mitgeteilt, dass aus den Überweisungen ersichtlich sei, dass die Gelder nicht für ihn persönlich bestimmt seien.

Man könne, so der Bankangestellte, den Eindruck gewinnen, das Konto diene zur Geldwäsche. Einen klar geäußerten Geldwäsche-Vorwurf habe es zwar nicht gegeben, aber die Direktbank habe ihm eine Frist gesetzt und das Konto förmlich gekündigt. Niemand habe ihn nach Nachweisen gefragt, was es mit den Überweisungen auf sich habe, ärgert er sich. „Die waren nicht daran interessiert, die Sache aufzuklären und mich als Kunden zu behalten“, berichtet der Lehrer. Für ihn sei klar, dass er mit dieser Direktbank nicht mehr weiter zusammenarbeiten werde.

Ein Sprecher der ING-DiBa erläuterte auf Nachfrage, dass Privatkundenkonten nur für den rein privaten Gebrauch vorgesehen seien und eine Nutzung als Klassenfahrtkonto nicht möglich sei. Dass ein Lehrer praktisch als Treuhänder agiere, widerspreche den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für ein solches Konto. Zum Hinweis auf Geldwäsche sagte der Banksprecher: „Ich weiß nicht, wie die Kollegen da argumentiert haben.“ Allerdings seien die Mitarbeiter gehalten, die Einzahlungen auf ein Konto entsprechend zu prüfen. Ob die Direktbank bei der Zentralstelle für Geldwäsche-Verdachtsfälle beim Bundeskriminalamt einen solchen Anfangsverdacht gemeldet hat, dazu wollte der Pressesprecher des Instituts mit Hinweis auf das Bankgeheimnis keine Informationen geben.

Banken müssen Richtlinien streng beachten

Frank Kolakowski von der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg bestätigte, dass die Banken die Geldwäscherichtlinien streng beachten müssten. Es gehöre zur Sorgfaltspflicht der Mitarbeiter, dass sie schauen, was auf einem Konto los ist. Wenn es einen entsprechenden Verdacht gebe, müsse der beim Bundeskriminalamt gemeldet werden.
Bei einer anderen Direktbank habe er später keine Probleme gehabt, ein Klassenfahrtkonto einzurichten, schildert der Lehrer. Allerdings sei der Aufwand wegen des Kontowechsels für alle Beteiligten, also auch die Eltern, erheblich gewesen. Immerhin ging es um eine Gesamtsumme von rund 16 000 Euro.

Mittlerweile habe auch das Niedersächsische Kultusministerium reagiert, weiß der Lehrer. Von nun an dürften Schulen eigene Girokonten führen, um speziell Klassenfahrten abzurechnen. Doch das sei sehr kompliziert und führe zu einem Haufen Mehrarbeit.

Von Detlef Boick