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In der Post an der Sülztorstraße befindet sich hinter dem Schalterraum der Flur mit den Postfächern, die jetzt Geld kosten. Foto: be

Wer seine Post selbst abholt, muss nun zahlen

Lüneburg. Für Rüdiger Schulz klingt es paradox: Man nimmt einem Unternehmen Arbeit ab und muss dafür sogar noch extra zahlen. Der Vorsitzende des Bürgervereins spielt auf die Postfächer im Gebäude an der Sülztorstraße an. Dort können Kunden ihre Post lagern lassen und selbst abholen. Doch das kostet jetzt Geld. „Durch das Fach wird Postboten doch ihre Arbeit erleichtert, sie müssen dadurch weniger austragen“, sagt Schulz.

Einführung der Miete unvermeidbar

Jahrzehnte war die Nutzung der Fächer – abgesehen von einer Einmalzahlung zu Beginn – kostenfrei, nun müssen Kunden wie der Bürgerverein 19,90 Euro im Jahr berappen. Schulz hat dafür kein Verständnis, zumal der Erlös, den die Deutsche Post nun durch die zusätzlichen Einnahmen erziele, bei einem Jahresumsatz von mehr als 56 Milliarden Euro doch wohl kaum ins Gewicht falle. Jens-Uwe Hogardt, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group, allerdings sagt: „Die Einführung der Miete war aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht vermeidbar.“

Auch wenn mancher heute beim Begriff Postfach gleich an sein E-Mail-Benutzerkonto denkt und in Zeiten des Internets die Briefmengen stetig zurückgehen, wird auch das traditionelle Postfach in den Postfilialen – bereits 1878 in Württemberg eingeführt – noch rege genutzt. Mehr als 800 000 solcher Fächer unterhält der Konzern. Bislang wurde bei der Einrichtung eine Einmalzahlung von 15 Euro fällig. Seit Juli vergangenen Jahres allerdings zahlen neue Mieter bereits die Jahresgebühr von 19,90 Euro, die nun seit wenigen Monaten auch für langjährige Kunden gilt. Rein rechnerisch bedeutet dies für die Post ein Jahres­plus von rund 16 Millionen Euro – bei gleichbleibender Kundenzahl. Die Inflation und steigenden Unterhaltungskosten zum Beispiel für die Miete der Postgebäude, Strom und Wartung, gestiegene Personalkosten – all das führt das Unternehmen als Begründung an.

Kein hoher Bedarf an Postfächern in Lüneburg

Einige Kunden haben nach Mieteinführung ihr Postfach gekündigt, räumt Hogardt ein: „Das war aber in überschaubarem Rahmen. Es sind ja gerade mal 1,66 Euro pro Monat.“ In der Lüneburger Hauptpost gibt es laut dem Konzern-Sprecher 20 große Postfach-Schränke: „Nur ein kleiner Teil der darin befindlichen Fächer ist nicht vergeben.“ Der Bedarf in Lüneburg sei „noch nie sehr hoch gewesen“. Genutzt werde der Service vor allem von Geschäftsleuten, die dort auch größere Sendungen unterbringen könnten. Das Fassungsvermögen vieler Fächer sei größer als das der Briefkästen an Privat- oder Geschäftshäusern. Hogardt sagt auch: „Sendungen sind dort bei mehrtägiger Abwesenheit wie Urlaub sicher aufgehoben, Nachsendeanträge überflüssig.“ Manche Kunden deponieren auch Dokumente oder Wertsachen in den Fächern.

Hogardt weiß, dass es lange vor seiner Zeit als Post-Sprecher schon mal eine Phase gab, in der für Postfächer kassiert wurde. Das war 1979, als eine Gebühr von zwölf Mark im Jahr erhoben wurde – sie wurde aber schnell wieder abgeschafft. rast