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Teilnehmer des Camps in Rettmer präparieren weiche Zweige, entstehen soll ein Weidenzelt. Foto: be

Kulturaustausch auf dem Bauernhof

Lüneburg. Danica ist 32 Stunden mit dem Bus angereist. Sie kommt aus Serbien und verbringt ihren Sommer in Rettmer. Das internationale Camp des Jugendwerkes der Arbeiterwohlfahrt bietet für die 22-Jährige eine willkommene Abwechslung zu ihrem Psychologiestudium. Mit dabei sind acht Jugendliche und junge Erwachsene aus Serbien und acht aus Frankreich. Neben Deutschen sind auch eine Guineerin, eine Ghanaerin und zwei Afghanen dabei. Insgesamt 23 junge Menschen machen zehn Tage Urlaub auf einem ehemaligen Bauernhof in dem Lüneburger Stadtteil. Sie lernen die anderen Sprachen und Kulturen kennen und arbeiten gemeinsam an einem Projekt.

Awo-Sommercamp als interkulturelle Begegnungsstätte

Teilnehmer des internationalen Austausches schlagen alte Kacheln von den Wänden.

Dieses Jahr ist der Bauernhof selbst das Projekt: Ein alternatives Wohnmodell, das von fünf Erwachsenen mit Kindern bewohnt und bewirtschaftet wird. Da dort noch einiges aufzufrischen ist, hat sich das Jugendwerk der Awo für diesen Standort entschieden, berichtet Malte Gieselmann, einer der Teamleiter. „Es ist das erste Mal, dass ich in einem Zelt übernachte“, erzählt Danica. Fünf weiße Zehn-Personen-Zelte stehen im hochgewachsenen, feuchten Gras.

Das ist die Schlafstätte der 23 Teilnehmer. Die Serbin ist zwar nicht begeistert vom Campen, aber sie genießt die Zeit mit ihren neu gewonnenen Freunden: „Es ist großartig, auf andere Menschen und Kulturen zu treffen. Ich habe schon viele neue Freunde gefunden, beispielsweise Alberta aus Afrika.“ Gemeinsam mit der 16-jährigen Ghanaerin konstruiert sie einen hölzernen Flipchart. Sie sprechen nebenbei offen über Kultur, Wissenschaft und Religion – ohne Tabus. „Da lernt man so einiges“, sagt Danica.

Sensibilisierung für Alternativen 

Sie lernen auf dem Hof auch einen nachhaltigen und reduzierten Lebensstandard kennen. Es gibt eine Komposttoilette, die mit Stroh statt Wasser funktioniert. Die Dusche ist ein Provisorium: Wasser erwärmen, in einen Eimer füllen, mit einer Schale ausschöpfen und waschen. Während sich die einen an das Prozedere erst gewöhnen müssen, empfindet es Said, ein 16-jähriger Afghane, als normal: „Bei mir in Afghanistan war das immer so“.

Morgens und mittags finden immer Sprachkurse statt. Der 17 Jahre alte Luka aus Serbien erläutert: „Am ersten Tag haben wir gelernt, wie man sich in den drei Sprachen begrüßt und verabschiedet. Dann, was ,Ich heiße…‘ und ,Wie geht‘s‘ heißt. Heute haben wir Farben gelernt“, an „weiß“ und „blau“ aus dem Deutschen konnte er sich noch erinnern. el