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Zuletzt hatte die Samtgemeinde Bardowick in der Alten Kämmerei Asylsuchende untergebracht. Der Umbau für ein neues Wohnprojekt hat bereits begonnen. Foto: dth

Bardowick: Alte Kämmerei wird soziales Wohnprojekt

Bardowick. Ein historisches Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Bardowicker Dom wird jetzt zu einem Wohnhaus für Benachteiligte umgebaut. Insgesamt rund 660 0 00 Euro brutto investiert der Lüneburger „Herbergsverein Wohnen und Leben“ in die Umgestaltung der „Alten Kämmerei“ (Hinterm Dom 2) zwischen Kirche und Bardowicker Rathaus. In dem Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude, das auch als Schule sowie zwischenzeitlich Kapelle für katholischen Gottesdienst genutzt wurde, sollen nun insgesamt acht Wohnungen entstehen.

Zentraler Kooperationspartner ist die Klosterkammer Hannover, die einerseits dem Herbergsverein das Gebäude überlassen hat und einen Zuschuss zahlt, aber als Eigentümerin des Grundstücks auch Erbpacht erhält.

Bauarbeiten haben bereits begonnen

Bereits begonnen haben die Bauarbeiten im Inneren des Hauses, das als Teil des Gebäude-Ensembles im Dom-Umfeld unter Denkmalschutz steht. „An der äußeren Erscheinung werden wir kaum etwas ändern“, sagt Architekt Ben Möller. Derweil sollen drinnen fünf Wohnungen im Erdgeschoss entstehen sowie drei weitere im Obergeschoss. Die acht Wohneinheiten variieren in den Größen zwischen 27 bis 44 Quadratmeter. Eine Einheit ist als Concierge-Wohnung vorgesehen, sieben für die Zielgruppe „mit besonderem Wohnungsbedarf“

Michael Elsner, Vorstandsvorsitzender des Herbergsvereins, sagte: „Die besondere Lage des Hauses ist eine Wertschätzung für Menschen, die es in ihrem Leben bisher schwer hatten.“ Das Angebot richte sich beispielsweise an bedürftige Wohnungsuchende, an ehemals Abhängigkeitskranke bis hin zu seelisch versehrten Menschen, die nach einer Starthilfe wieder in ein geregeltes Leben zurückfinden können. Da die künftigen Bewohner in der Regel auf staatliche Unterstützung angewiesen sein werden, sei angesichts der ortsüblich relativ hohen Quadratmeterpreise ein „effizienter Zuschnitt“ der Wohnungen gewählt worden.

„Das ist eine Wertschätzung für Menschen, die es in ihrem Leben schwer hatten.“
Michael Elsner, Vorsitzender Herbergsverein

Laut Elsner habe sich die Klosterkammer als verlässlicher Partner erwiesen. Sie stellte nicht nur das Gebäude für einen Euro zur Verfügung, sondern zahlte auch noch einen Zuschuss von 100 000 Euro für den Umbau. Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas sagte jetzt bei einem Pressetermin vor Ort: „Wir sind froh, dass wir hier ein sinnvolles Projekt unterstützen können.“ Auf der anderen Seite wird die Klosterkammer bei ihrer historischen Leistungsverpflichtung zur Unterhaltung des Gebäudes entlastet.

Und die Klosterkammer erhält weiterhin als Grundstückseigentümerin Erbpacht, vertraglich vereinbart auf zunächst 80 Jahre. Damit das Sozialprojekt auch jene Kosten tragen kann, hatte sich der Herbergsverein um eine Grundstücksteilung bemüht. So übernimmt der Flecken Bardowick große Teile des Gartens in seine Obhut und trägt somit einen großen Teil der jährlich fälligen Erbpacht mit.

„Garten der Begegnung“ soll folgen

Bardowicks Gemeindedirektor Heiner Luhmann kündigte an, das Gartengrundstück zwischen Alter Kämmerei und Dom zu einem „Garten der Begegnung“ umgestalten zu wollen. Zudem soll das kleine Nachbarhaus in der Schulstraße zum Sanitärgebäude mit öffentlichen Toiletten umgebaut werden. Die Kostenschätzung liegt dafür bei rund 150 000 Euro. Aber noch ist das Zukunftsmusik.

Derweil hofft Elsner, dass der Umbau der Alten Kämmerei bis Ende März 2018 abgeschlossen sein wird. Dass das soziale Wohnprojekt realisiert werden kann, ist noch weiteren Unterstützern zu verdanken. So steuerte das Diakonische Werk Evangelischer Kirchen in Niedersachsen 50 000 Euro für die Anschubfinanzierung bei und die Lüneburger VGH Stiftung bezuschusst die Concierge-Wohnung mit über 10 000 Euro. Elsner: „Wir investieren selbst 105 000 Euro.“

Der Rest werde über ein Darlehen bestritten. Auch die Kirchengemeinde Bardowick war behilflich, hat mit der Bereitstellung von zwei weiteren Parkplätzen auf einem Grundstück im Gemeindebesitz den Stellplatznachweis ermöglicht und ein Wegerecht eingeräumt. Auch Pastor Hans-Martin Kätsch lobte das Projekt, „das auf Grund und Boden der Klosterkammer und im Herzen der Gemeinde Bardowick“ entsteht.

Von Dennis Thomas