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Die Tretboote liegen verwaist vor Schröder‘s Garten. Kein Wetter für eine Ausfahrt. Foto: t&w

Der Sommer fällt ins Wasser

Lüneburg. Der Regen scheint nicht enden zu wollen, die Prognosen versprechen auch für die nächsten Tage keine Besserung. Zwar traf es Lüneburg gestern nicht ganz so schlimm wie den Süden Niedersachsens, wo innerhalb von 24 Stunden 60 bis 90 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, doch auch in der Region bleiben in den Freibädern die Liegewiesen leer. Andere dagegen haben gut zu tun.

„Schlechtes Wetter ist eigentlich nicht schlecht für uns“, sagt Svenja Heuer vom Stadtmarketing und der Tourist-Info. „Die Führungen laufen gut. Am Montag hatten wir beispielsweise 52 Teilnehmer in zwei Gruppen bei der öffentlichen Stadtführung, ein guter Wert. Und das Rathaus mit seinen Schätzen ist natürlich auch eine Alternative bei einem Schauer.“ Statt zum Wandern oder Radeln in der Heide kämen Urlauber nach Lüneburg.

Einbußen im Freibad, mehr Besucher im SaLü

Anders schaut‘s für Thorsten Schulte aus. Der Geschäftsführer des VfL blickt besorgt auf seine beiden Minigolfplätze am Sültenweg und im Kurpark: „Da ist jetzt nichts los. Wir stöhnen und ächzen unter diesem Wetter.“ Er rechnet in dieser Saison mit einem Minus von zehn bis fünfzehn Prozent bei den Einnahmen: „Das hat Auswirkungen, wir müssen dann Reparaturen verschieben, weil Geld fehlt.“ Doch nicht nur beim Minigolf leidet der Verein: „Die Rasenplätze sind kaum bespielbar, der Trainingsbetrieb ist eingeschränkt.“ Das gelte für die Fußballfelder an den Sülzwiesen und ähnlich für das Baseballfeld am Kreideberg.

Das Freibad Hagen verzeichnet ein dickes Minus: Kamen im vergangenen Jahr vom 1. Mai bis zum 22. Juli exakt 46 125 Besucher, um zu plantschen oder zu schwimmen, waren es in diesem Jahr im selben Zeitraum lediglich 39 844 Gäste. Die Kurmittel GmbH kann sich aber trotzdem freuen, denn das SaLü zählte in dieser Zeit 72 333 Gäste und damit reichlich 10 000 mehr als im Vorjahr. Zupass kommt dem Bad, dass es in diesem Jahr keine Pause für Reparaturen gibt. Erst im kommenden Jahr startet eine aufwändige Sanierung.

Entspannt bleiben die Mitarbeiter in der Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst: Der Dauerregen habe kaum zu Einsätzen geführt: „Nichts Ungewöhnliches.“ Gefordert gewesen seien die Feuerwehren aber in den vergangenen Wochen bei zwei größeren Unwettern, als zum Beispiel Bäume gleich dutzendfach umgestürzt waren.
In der Landwirtschaft wird der anhaltende Regen zunehmend zum Problem. Die Getreideernte sollte eigentlich auf Hochtouren laufen, gemäht ist bisher allerdings nur die Wintergerste. Und auch die ist aufgrund des Wetters mit Verlusten eingefahren worden. „Die Erträge sind nicht schlecht, aber unterdurchschnittlich, die anfänglichen Erwartungen haben sich leider nicht erfüllt“, sagt Christian Schulz vom Maschinenring Lüneburg.

Da wird ein Ass am Blitz schwierig: Das Wasser steht auf Bahn 18 der Minigolfanlage an den Sülzwiesen.

Durchnässte Böden erschweren Ernte

Ein Problem neben den vielen umgeknickten Halmen ist inzwischen die Befahrbarkeit der Flächen. „Die Böden sind so durchnässt, dass die Mähdrescher sich zum Teil festfahren“, berichtet Schulz. Schwierig wird es bei so wechselhaftem Wetter zudem bei der Strohproduktion. „Da muss eigentlich die Strohpresse direkt hinter dem Mähdrescher herfahren, damit das Stroh nicht gleich wieder nassregnet“, sagt der Maschinenring-Chef. Bleibt die Hoffnung, dass sich nun endlich anhaltend die Sonne durchsetzt – und Raps, Weizen und Roggen noch ohne größere Verluste geerntet werden können.

„Für den Wald ist der viele Regen kein Problem, im Gegenteil“, sagt Knut Sierk, Pressesprecher der niedersächsischen Landesforsten. Die vergangenen Jahre und auch das Frühjahr waren vergleichsweise trocken, da schade der Regen jetzt nicht. Die Waldbrandgefahr sinke, die Grundwasservorräte würden wieder aufgefüllt und die Borkenkäfergefahr werde durch das feuchte Wetter minimiert. Was leide, seien die Waldwege. „Die sind aufgeweicht“, sagt Sierk. Schlecht für die Holzernte, denn schwere Rückefahrzeuge dürfen auf dem durchnässten Boden nicht in den Wald, um ihn nicht zu sehr zu schädigen.

„Es schneit doch nicht“

Gelassen reagiert Andreas Wiegmann auf das Wetter. Er ist einer der beiden Wirte von Schröder‘s Garten: „Es ist kein ungewöhnlicher Sommer, das kann ich am Umsatz ablesen.“ Klar gebe es schlechte Tage: „Bei 17 Grad und Dauerregen lassen wir den Biergarten geschlossen.“ Auch die Tretboot- und Ruderboot-Flotte bleibe vertäut an den Stegen: „Da kommt dann niemand.“ Mit einem Grinsen rät Wiegmann zu Optimismus: „Es schneit doch nicht.“

Für die Kanalisation ist der Dauerregen in der Regel kein Problem. Stadtpressesprecher Daniel Gritz sagt: „Höchstwassermengen, die durch Niederschlag oder sonstige Ereignisse in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren immer wieder mal vorkommen, führt die Kanalisation dezentral ab. Hochwasser, die seltener vorkommen, nicht unbedingt. Das ist aber auch nirgendwo in Deutschland anders. Allerdings haben wir bei uns rechnerisch noch ein paar Reserven drin.“ Durch Regenrückhaltebecken habe man zudem einen Sicherheitspuffer.
Allerdings gibt es problematische Stellen in Lüneburg: „An Tiefpunkten der Stadt kann es nach Starkregen zu größeren Wasseransammlungen kommen, zum Beispiel unter der Eisenbahnbrücke Bleckeder Landstraße.“ Ein kräftiger Regen könne im Zweifel aber auch ganz hilfreich sein: Denn ein ordentlichen Regenguss wäscht die Rohre kräftig aus und nimmt auch Ablagerungen mit. ca/kre/off