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Der 26-jährige Angeklagte sitzt neben seinem Verteidiger im Saal 21 des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor. Foto: be

Einbrecher sticht Frau nieder

Lüneburg. Die 55-Jährige wird in der Nacht zum 5. September 2016 wach, ein Einbrecher ist in ihrer Wohnung in Bispingen, macht bei der Durchsuchung der Räume Krach. Sie überrascht den Mann, der sie wenig später auf bestialische Weise umbringt. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass ein 26 Jahre alter Pole der Täter ist. Sie wirft ihm Mord vor und nennt dafür drei Motive: Er tötete die Frau aus Habgier, um eine andere Straftat zu ermöglichen und um seinen Geschlechtstrieb zu befriedigen. Gestern startete der Prozess gegen den Mann vor der 4. großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg.

Verwandte hatten sich Sorgen gemacht, da es keinen Kontakt mehr zu der Frau gab, und zwei Tage nach der Tat die Polizei informiert. Beamte drangen in die Wohnung ein – und standen zunächst vor einem Rätsel. Sie waren, wie damals gegenüber Medien geäußert wurde, zunächst nicht sicher: War es ein Unfall, ein Tötungsdelikt oder gar Selbstmord? Nach der Obduktion allerdings war für sie klar: Es war Mord. Bei ihren Ermittlungen stießen sie auf einen damals 25 Jahre alten, ortskundigen Mann. Das Amtsgericht erließ Haftbefehl gegen den Verdächtigen, der allerdings befand sich zu dem Zeitpunkt schon wieder in seinem Heimatland Polen. In Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden wurde der Verdächtige festgenommen und von Polen ausgeliefert, seit dem 26. Januar 2017 sitzt er in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Celle.

Staatsanwalt Frank Padberg verlas gestern die Anklageschrift. Danach spielte sich das Geschehen so ab: Der 26-Jährige, der am Abend Rauschmittel eingenommen hatte, drang in der Nacht vom 4. auf den 5. September durch die Balkontür in die Wohnung der 55-Jährigen ein. Als er die Räume nach Diebesgut durchsuchte, wurde er von der Frau überrascht, Padberg: „Da beschloss er, sie zu töten.“ Zunächst schlug der Einbrecher seinem Opfer mit der Faust gegen den Hals und den Oberkörper. In der Küche griff er sich ein Küchenmesser und stach mehrfach auf die Frau ein, versetzte ihr bis zu 17 Zentimeter tiefe Stiche. Und er übte Handlungen an der Frau aus, „um sich sexuell zu befriedigen“. Letztlich führten eine Luftembolie und die Gewalt gegen den Hals zu ihrem Tod.

Zum Prozessauftakt wurde gestern lediglich die Anklage verlesen. Der Angeklagte äußerte sich noch nicht zu der Frage, ob er zu dem Vorwurf Stellung nehmen wird. Die Hauptverhandlung wird am nächsten Dienstag fortgesetzt.

Von Rainer Schubert