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Annika Böhm (l.) und Marion Putensen präsentieren eine bunte Platte mit Köstlichkeiten aus Wildkräutern. (Foto: kre)

Walderlebnis Ehrhorn: Naturschutz zum Probieren

Ehrhorn. Schon mal Fichtenspitzenknospen gekostet? Oder frisch gezapften Birkensaft getrunken? Nun, bei einem Besuch in Ehrhorn mitten im Naturschutzgebiet Lüne burger Heide gehören solch kulinarische Ausflüge jetzt zum Angebot. Denn im „Walderlebnis Ehrhorn“ hat die „Wildkräuterey“ ihre Pforten geöffnet. „Damit kommen wir unserem Ziel, ein Kompetenzzentrum für Botanik mit den Schwerpunkten Wild- und Heilkräuter zu entwickeln, ein weiteres Stück näher. Durch diese Kooperation können wir unsere Angebote um touristische, gesundheitliche und kulinarische Aspekte erweitern“, freut sich Annika Böhm, die neue Leiterin des Walderlebnis Erhorn.

Es gibt viel zu entdecken

In der Tat bietet „Deutschlands schönste Dienststelle der Niedersächsischen Landesforsten“ – so Pressesprecher Knut Sierk – weit mehr als nur eine rund 300 Jahre alte Hofstelle mit musealem Charakter und Heide-Flair. „Unser Hauptanliegen ist es, allen Gästen hautnahe Natur­erlebnisse zu ermöglichen“, sagt Sierk, bis vor wenigen Monaten selbst Leiter des Waldpädagogikzentrums Lüneburger Heide. Man kann auch sagen: Im Walderlebnis Ehrhorn wird der Forscher- und Entdeckergeist von Groß und Klein geweckt.

Und zu entdecken gibt es vieles: So befindet sich zum Beispiel auf dem Areal das größte Ameisengehege Norddeutschlands, es gibt einen Bienenzaun und ein ganzes Insektendorf. Eine Streuobstwiese fehlt ebenso wenig wie ein 3,5 Kilometer langer Walderlebnispfad oder das „grüne Klassenzimmer.“ Abgerundet wird das Angebot nun durch die „Waldkräuterey“: Dazu wurde das Nebengebäude des „Walderlebnis“ in Ehrhorn umgestaltet. Aus dem unscheinbaren Holzschuppen wurde ein hölzernes Kleinod, in dem neben der Kräuterküche auch ein kleiner Verkaufsraum Platz gefunden hat.

Alle Sinne sind angesprochen

Das Ambiente mit dem moosgedeckten Tisch und den lila Stühlen hat fast schon was Märchenhaftes. Foto: kre

Vor dem Gebäude laden lilafarbene Sitzgruppen unter alten Eichen zum Verweilen ein. Eine gedeckte Tafel zieht die Blicke der Besucher sofort auf sich, edles Porzellan und Weingläser stehen auf einem mit Moos und anderen waldtypischen Pflanzen geschmückten Tisch, sogar die Stühle sind mit Moos überzogen. Die Szenerie hat fast schon was Märchenhaftes.
Das in einer Eichenbohle eingearbeitete „Nasenkino“ entführt die Gäste zudem in die Geruchswelt der Kräuter und Gewürze. „Bei unseren Gästen sollen alle Sinne angesprochen werden“, sagt Marion Putensen, Inhaberin der Waldkräuterey.

„Wir betreiben aktiven Naturschutz mit Messer und Gabel“, sagt die Kräuterfachwirtin. Denn während Ahnungslose „Unkraut“ am liebsten mit der chemischen Keule Glyphosat zu Leibe rücken, zaubert Marion Putensen aus dem Grün leckere Gerichte. „Wildkräuter sind viel mehr als nur lästiges Unkraut. Es gibt so viele Arten, die nicht nur schön sind, sondern sogar heilende Wirkungen haben und zudem essbar sind“, sagt sie. Leider sei das zusehends in Vergessenheit geraten.

Wildkräuter: viel Nährwert, Geschmack und Würze

„Dabei ist es unglaublich, wie viel Nährwert, Geschmack, Würze und Inhaltsstoffe in diesen Pflanzen vorhanden sind“, erinnert Putensen und fügt hinzu: „Seit Urzeiten wussten die Menschen Wildpflanzen zu nutzen. Wiesenpflanzen dienten als gesundes Gemüse oder verliehen Speisen ein würziges Aroma.“ So findet sich auf Putensens Speisekarte zum Beispiel eine Himalaya-Torte aus Springkraut-Blüten. Ein Gewächs, das ursprünglich aus Indien eingeschleppt wurde und etwas despektierlich auch Wiesen-Popkorn genannt wird. „Weil die Samen bei Berührung wegspringen“, erklärt die Kräuterexpertin.

In der Waldkräuterey haben die Besucher die Möglichkeit, innerhalb der Gläsernen Manufaktur bei der Produktion von „Heide-Kaviar“, Butterbrotblüten oder Heideblütensalz Marion Putensen und ihren Mitarbeitern über die Schulter zu schauen – oder Wiesentapas, Gänseblümchenlimonade, oder das „Wilde Frühstück“ selbst zu probieren. Die Öffnungszeiten der Waldkräuterey sind vorerst von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Hintergrund: Bildungseinrichtung der Landesforsten

Das Walderlebnis Ehrhorn als Teil des Waldpädagogikzentrums (WPZ) Lüneburger Heide ist eine Bildungseinrichtung der Niedersächsischen Landesforsten und außerdem eins von neun Naturtalenten in Niedersachsen. Es gehört zum Forstamt Sellhorn und liegt inmitten des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide zwischen den Ortschaften Wintermoor und Bispingen.

Das Haus beherbergt unter anderem eine kleine Ausstellung zum Thema: „Kleine Tiere – große Baumeister“. Der Schwerpunkt der Angebote liegt bei Führungen, die je nach Gästewunsch informativ, erlebnisorientiert oder spielerisch gestaltet sind. Weitere Informationen, Ansprechpartner und Termine unter www.ehrhorn-heide.de im Internet.