Donnerstag , 22. Februar 2018
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Im Edeka-Gebäude in der Vrestorfer Heide – hier ein Archivbild – gäbe es noch Kapazitäten, falls in Lüneburg wieder mehr Geflüchtete untergebracht werden müssten. Foto: t&w

Flüchtlinge in Lüneburg: Stadt sieht sich für Fall der Fälle gewappnet

Lüneburg. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz macht die Flüchtlinge zum Wahlkampfthema. Er warne davor, dass sich die Situation von vor zwei Jahren wiederholen kö nne, als binnen eines Jahres mehr als eine Million Menschen nach Deutschland flüchteten. Die Lage sei hochbrisant. Ein Blick auf die aktuelle Situation in Lüneburg zeigt, dass die Zahl der hier ankommenden Menschen derzeit weitgehend stabil ist. „Sollten jedoch mehr Flüchtlinge zugewiesen werden, ist die Stadt gewappnet mit einer Reserve an Unterkünften“, sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz auf LZ-Anfrage.

700 Personen leben in den Gemeinschaftsunterkünften

Momentan sind 700 Personen in Gemeinschaftsunterkünften im Stadtgebiet untergebracht, im Juli 2016 waren es 18 mehr. Dazu kommen rund 1300 anerkannte Asylbewerber. Aufgrund des zu erwartenden Familiennachzugs geht die Stadt davon aus, dass die Zahlen tatsächlich steigen werden. Alle, die kommen, haben Anspruch auf Wohnraum und müssen integriert werden. Ziel der Kommunen ist es unter anderem, geflüchteten Menschen nach der Zeit in den Gemeinschaftsunterkünften regulären Wohnraum zu vermitteln. Das ist definitiv nicht einfach in einer wachsenden Stadt wie Lüneburg, in der Wohnraum schon jetzt knapp ist. Sozialarbeiter stehen ihnen unter anderem dabei beratend zur Seite.

Obwohl die Anzahl der untergebrachten Personen stabil geblieben ist, konnten die Unterkünfte Meisterweg (50 Plätze), Papenburg (30 Plätze), Vor dem Neuen Tore (30 Plätze), Haus 13 der Psychiatrischen Klinik (75 Plätze) und Ritterstraße 12 (50 Plätze) aufgegeben werden. „Dadurch wurden Überkapazitäten abgebaut“, sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz. Denn aufgrund der Prognosen Ende 2015/2016 hatte die Stadt wie andere Kommunen in Deutschland auch mit einer höheren Zahl an geflüchteten Menschen gerechnet, die unterzubringen sind. Dementsprechend richtete sie Unterkunftsmöglichkeiten ein.

Einvernehmlich Lösungen mit Eigentümern

„Als ersichtlich wurde, dass nicht mehr alle Unterkünfte benötigt werden, hat die Stadt einvernehmliche Lösungen mit den Eigentümern gefunden, so dass diese Mietverträge frühzeitig beendet werden konnten“, erläutert Gritz. Weitere freie Kapazitäten wurden projektweise neu genutzt: So wohnen zum Beispiel Studenten mit einem entsprechenden Zeitvertrag in der Gemeinschaftsunterkunft Rettmer. Gritz macht auch deutlich: Wenn wieder erheblich mehr Flüchtlinge untergebracht werden müssten, gebe es dafür zusätzliche Möglichkeiten in Böhmsholz sowie im Edeka-Gebäude in der Vrestorfer Heide.

Eine große Herausforderung ist die Integration, ein Schwerpunkt dabei der Spracherwerb, Grundlage auch für eine Vermittlung in Arbeit. Die Volkshochschule bietet dazu Integrations- sowie berufsbezogene Kurse an. Allerdings gebe es in allen Bereichen Wartelisten, auf denen aktuell 320 Personen stehen, die erst 2018 in die Kurse einsteigen könnten, hieß es gerade erst von der VHS. Daniel Gritz verweist darauf, dass es zurzeit nicht genügend entsprechend qualifizierte Lehrer gebe. Neben der VHS gebe es aber noch eine große Zahl an freien Trägern, die Sprachkurse und Berufsförderungsmaßnahmen anböten. „Die werden systematisch erfasst, um auch dorthin zu vermitteln.“
Auch die anderen Bildungseinrichtungen bemühen sich um bestmögliche Integration. Insgesamt 529 Flüchtlingskinder sind im Stadtgebiet derzeit in Kitas (114), Grundschulen (210) und weiterführenden Schulen (205) untergebracht.

Von Antje Schäfer