Donnerstag , 22. Februar 2018
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Die Wege auf dem Friedhof in Rettmer sind kaum noch passierbar, Dorith Behrens beklagt den Zustand seit drei Jahren gegenüber der Stadt. Die aber findet: Der Friedhof ist nicht ungepflegt. (Foto: phs)

Friedhof Rettmer: Mangelnde Pflege wird zum Ärgernis

Lüneburg. Unkraut und Moos, zugewucherte Wege, Bäume, deren Äste bis auf den Boden reichen: Der Friedhof in Rettmer sieht trostlos aus. Angehörige, die auf eine n Rollator angewiesen sind, haben kaum eine Chance, das Grab ihrer Liebsten zu erreichen. Denn die Wege sind aufgrund der ausladenden Hecken nicht nur schwer zugänglich, die Witterung hat den Boden aufgeweicht und ihn zu einer Rutschfläche werden lassen. Dorith Behrens besucht das Familiengrab, in dem ihre Großmutter und ihre Mutter ruhen, seit 23 Jahren. Sie erinnert sich an bessere Zeiten, seit einigen Jahren aber hat sie kaum noch positive Worte für die Ruhestätte in Rettmer übrig. „Der Friedhof gleicht einer Müllhalde, er ist total verwahrlost.“

Rutschgefahr und kaum Sitzgelegenheit

Seit drei Jahren greift die 51-Jährige immer wieder zum Hörer, oft schon hat sie mit der Ortsvorsteherin in Rettmer und mit der Friedhofsverwaltung telefoniert. „Immer heißt es, dass man wisse, dass man im Verzug sei, aber es passiert nichts“, moniert sie. Mit Krankheits- und Urlaubszeiten habe man sie schon oft vertröstet. „Auch das schlechte Wetter ist immer wieder ein Grund.“ Was sie nicht verstehen kann, ist, dass die anderen sechs Friedhöfe in Trägerschaft der Stadt Lüneburg wesentlich gepflegter seien. Dass die Ruhestätte in Rettmer die kleinste sei, lässt Dorith Behrens nicht als Begründung für den Zustand gelten. Die Friedhöfe in Häcklingen und Oedeme, die eine ähnliche Größe aufweisen, sähen ja auch nicht so aus.

Weil alle Grabstätten von Hecken umgeben sind, können die Angehörigen nur innerhalb dieser Fläche für Ordnung sorgen. Dorith Behrens kommt mindestens einmal im Monat aus Vögelsen, um zu harken, Unkraut zu zupfen und neue Blumen zu pflanzen. Dass die ungeschnittene Hecke weit in die Grabfläche hineinragt, stört sie. „Abgestorbene Teile werden auch nicht ersetzt, da sind dann einfach Löcher oder es wächst etwas drüber.“ Ihren Vater lässt sie nicht mehr allein auf den Friedhof, zu groß sei die Angst, dass er ausrutscht. Ein weiteres Manko: „Es gibt auf dem ganzen Friedhof gerade mal zwei Bänke.“

Stadtpresse verspricht Besserung

Auch die Tür der Kapelle ist eingestaubt. Geöffnet wird diese nur für Beisetzungen.

Stadtpressesprecher Daniel Gritz verspricht in einigen Punkten Besserung: Bald sollen neue Stühle und Bänke aufgestellt werden. Die Hecken, die generell alle zwei Jahre geschnitten würden, seien in diesem Jahr wieder an der Reihe. „Bei dem Regenwetter geht das allerdings nicht, weil mit Elektroscheren geschnitten wird.“

Zu den Wegen, die von Unkraut und Moos bedeckt sind, sagt er, dass man dort früher zur Bekämpfung Herbizide eingesetzt habe. Seit 25 Jahren würde damit aber nicht mehr gearbeitet. Moos und Unkraut müssten also per Hand entfernt werden. „Unsere Friedhofsmitarbeiter machen eine solche Grundüberholung vor jeder Beisetzung, also ein- bis zweimal im Jahr und auch zwischendurch im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“

Über diese Aussage wundert sich Dorith Behrens, erst kürzlich hätten drei Beisetzungen stattgefunden, an einem Grab sei noch das gesamte Blumengesteck zu sehen. Veränderungen rundherum könne sie nicht wahrnehmen. „Das ist so schade“, sagt sie. In einem Fall hätten die Hinterbliebenen viel Geld in ein Urnengrab investiert, rundherum sei der Stein aber von hohem Gras umgeben.

Gritz aber versichert, dass Friedhofsmitarbeiter wöchentlich auf dem Gelände nach dem Rechten sehen und dafür sorgen würden, dass kein Müll liegen bleibe. Auch macht er auf den Arbeitsaufwand aufmerksam, schließlich gebe es mehr als 30 Kilometer Friedhofswege. Sein Fazit: Es stimme nicht, dass der Friedhof ungepflegt sei. „Er ist genauso gepflegt wie die anderen Lüneburger Friedhöfe auch.“

Von Anna Paarmann

Zum Hintergrund: Geschichte des Friedhofs

Die ersten Grabstätten wurden vor 1937 belegt, 1974 übernahm die Stadt im Zuge der Eingemeindung den Friedhof in Rettmer. Dass die Gräber jeweils mit Hecken eingefriedet sind, begründet Stadtpressesprecher Daniel Gritz damit, dass es sich um einen Heide-Friedhof handelt. „Früher konnte man anhand der Grabsteine die ganze Dorfgeschichte ablesen.“

Das sei auch heute noch möglich, aber eingeschränkter. Insgesamt bietet der Ortsteilfriedhof 500 Grabplätze, nicht alle sind belegt. Vier Bestattungsformen sind dort möglich: Wahlgräber, Familiengräber, Reihen- und Urnengräber.