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Das Reinstorfer Gasthaus steht zurzeit noch leer. Geht es aber nach Jens Thomsen und seinen Mitstreitern, wird sich das bald schon ändern. Sie wollen junge Flüchtlinge in dem Haus ausbilden.

Dorftreff, Bistro und Flüchtlingshilfe im Reinstorfer Gasthaus

Reinstorf. „Grundsätzlich ist das eine gute Idee“, äußert sich Reins­torfs Bürgermeisterin Marion Brohm (CDU) – noch etwas zurückhaltend. Denn die Gemeindechef in hat selbst erst vor wenigen Tagen von den Plänen erfahren. Frank Hagedorn aus Holzen und Jens Thomsen aus Barnstedt wollen die seit Jahren leer stehende Gaststätte in Reins­torf neu beleben: als Dorftreff, als Bistro, als Treffpunkt und Ausbildungsort für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge. Dazu wollen sie den Verein „One World Ostheide“ gründen. Die Gespräche laufen. Am Montag, 7. August, wollen die Initiatoren den Verein und ihr Projekt ab 19 Uhr im Gasthof der Öffentlichkeit vorstellen.

Jens Thomsen hat nach eigenem Bekunden Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit. In Barnstedt hat er unter anderem die „Barn­stedter Musikmeile“ ins Leben gerufen. Ein Event, bei dem Musiker und Künstler auf ihre Gage zugunsten der Flüchtlingsinitiative in der Gemeinde verzichten. Nun also will sich Thomsen auch außerhalb Barnstedts engagieren.

Dass die Wahl auf Reinstorf und die leer stehende Gaststätte fiel, ist Thomsens Worten zufolge dem Zufall geschuldet: „Ich bin nicht auf Reinstorf zugekommen, die Reinstorfer sind auf mich zugekommen“, sagt der Barnstedter im Gespräch mit der LZ und fügt hinzu: „Die Musikmeile hat offenbar überzeugt!“

Das leer stehenden Reinstorfer Gasthaus hält Thomsen ideal geeignet für sein neuestes Projekt: gut erhalten, verschont von üblichen innenarchitektonischen Sünden der 70er- und 80er-Jahre und im Prinzip sofort wieder betriebsbereit. „Eben ein wunderschöner klassischer Treff und Veranstaltungsort im Ortskern“, beschreibt Thomsen die Immobilie und fügt hinzu: „Gleichzeitig wollen wir in dieser neuen Form eines soziokulturellen Zentrums Paktikums- Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, die den zu uns kommenden Menschen Orientierung, Perspektive und Sicherheit auf ihrem Weg in ein neues Leben geben.“

Geplant ist das Projekt für bis zu 30 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge

Um entsprechende Fördermittel für das Projekt zu erhalten, sei man bereits mit der N-Bank im Gespräch. Auch die Landesbeauftragte für Migration, die SPD-Landtagsabgeordnete und Ex-Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf sei eingeschaltet. „Wir hoffen, sie als Schirmherrin für unser Vorhaben gewinnen zu können“, berichtet Jens Thomsen. Aber auch mit örtlichen Bildungsträgern und Schulen stehe man in Kontakt. Um welche es sich dabei handelt, wollte der Initiator Thomsen jetzt noch nicht verraten.

Geplant ist das Projekt für bis zu 30 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge, die eine Ausbildung im Event- als auch im Gastrobereich erhalten sollen. Denn nichts sei schlimmer für Flüchtlinge, „als den ganzen Tag ohne sinnvolle Beschäftigung auf der Bude hocken zu müssen und die Wand anzuglotzen“, sagt Thomsen. Für den Barnstedter und seine Mitstreiter ist das Vereins- und Bildungsprojekt auch eine Bereicherung für die Menschen vor Ort: „kulturell, solidarisch, familiär, handwerklich und kulinarisch.“ Denn vorgesehen ist, die derzeit noch verwaiste Gaststätte wieder an vier Tagen in der Woche – donnerstags bis sonntags – zu öffnen. Und nicht nur Speisen und Getränke, sondern auch Kulturveranstaltungen zu bieten – von Musik über Theateraufführungen bis hin zu Ausstellungen.
Von Klaus Reschke