Donnerstag , 15. November 2018
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Schienenverkehr bedeutet Lärm: Aktuell erstellt das Eisenbahn-Bundesamt einen Aktionsplan. Bürger aus Lüneburg können sich daran noch beteiligen. Foto: A/be

Beim Schienenlärm ist die Öffentlichkeit gefragt

Lüneburg. Noch 28 Tage lang können Anwohner in der Nähe von vielbefahrenen Bahnstrecken offiziell dem Eisenbahn-Bundesamt mitteilen, wie sehr sie der Schienenlä rm stört. Bis zum 25. August läuft nämlich noch die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung des Eisenbahn-Bundesamtes zur Aufstellung des Lärmaktionsplanes an Haupteisenbahnstrecken des Bundes. Bundesweit sind bereits rund 7500 Beteiligungen eingegangen. Dabei ist der Streckenabschnitt von Hamburg über Lüneburg bis Uelzen mit knapp 30 Eingaben eher unterrepräsentiert. Und tatsächlich ist noch nicht abschließend geklärt, welche Auswirkungen die Ergebnisse auf künftige Bahnbauprojekte haben könnten. Doch Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann warnt auch aus Sicht der Kommunen davor, eine Chance zu vertun, wenn man sich nicht beteiligt.

Maßnahmen zur Lärmminderung in Ballungsräumen

Lärmaktionspläne nach der EU-Umgebungslärmrichtlinie legen Maßnahmen zur Lärmminderung in Ballungsräumen und entlang von Hauptverkehrswegen wie Straße und Schiene fest. Für den Bereich des Schienenverkehrs erstellt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) alle fünf Jahre einen solchen Plan. „Das hier wird nach einem Pilotdurchgang unser erster regulärer Lärm­aktionsplan“, sagt auf LZ-Nachfrage EBA-Sprecher Moritz Huckebrink. Ein wesentlicher Teil davon ist die Situationsbewertung auf Grundlage der Lärmkartierung und der Beteiligung der Öffentlichkeit, heißt es beim EBA. Ein Weg der Öffentlichkeitsbeteiligung läuft über die Plattform www.laermaktionsplanung-schiene.de. Notwendig dafür ist eine Registrierung mit Namen und E-Mail-Adresse.

Anhand von zwölf Fragen soll beantwortet werden, wie sehr man sich durch Schienenverkehrslärm gestört fühlt, von welchen Geräuschen besonders oder ob einem aufgefallen sei, dass Güterzüge im Fahrbetrieb leiser geworden seien. „Auf der Grundlage dieser Auswertung und der Belastungsanalyse können langfristig Maßnahmen angeregt werden, um die Lärmbelastung zu senken“, heißt es beim EBA.

Gleichwohl betont EBA-Sprecher Huckebrink: „Einerseits dient der Lärmaktionsplan als Information für die Öffentlichkeit, für interessierte Stellen und Entscheidungsträger und mittelfristig kann das auch in die Lärmplanung mit einfließen, aber es hat keinen automatischen, unmittelbaren Einfluss auf konkrete Eisenbahnprojekte und es ergibt sich daraus auch kein Anspruch auf Lärmschutz.“

Ausschnitt aus der Lärmkartierung des Eisenbahn-Bundesamtes für die Bahnstrecke von Bardowick bis Lüneburg (Tageswerte). Grafik: GeoBasis-DE/BKG; EBA; DB Netz AG/Kleinebrahm

Beteiligung von Kommunen am Lärmaktionsplan

In die gleiche Kerbe schlägt Bahnsprecher Hans-Georg Zimmermann: „Die Lärmaktionsplanung und die Lärmvorsorge nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz sind zwei paar Schuhe.“ So bleibe auch laut Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte der Bahn, die Planung des Streckenausbaus zwischen Lüneburg-Uelzen nach der Variante „Alpha E“ von der Lärmaktionsplanung des EBA unberührt. Dort greife aber die gesetzlich geregelte Lärmvorsorge, die bei Neubau oder wesentlichen baulichen Änderungen eines Verkehrsweges Grenzwerte für Lärm festlegt: beispielsweise in reinen Wohngebieten 59 Dezibel (dBA) tagsüber und 49 db(A) nachts.

Gleichwohl sind auch die Kommunen dazu aufgerufen, sich an dem Prozess des Lärmaktionsplans zu beteiligen. So prüfe die Stadt Lüneburg laut Sprecher Daniel Gritz die Lärmkartierungen des EBA, die auf Berechnungen beruhen, mit Blick auf eine Stellungnahme. Für Bardowick sagt Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann: „Die Grundlagendaten, mit denen wir arbeiten müssen, sind nicht besonders gut. Aber wir können beispielsweise Ruheräume angeben, die es zu schützen gilt. Ob das jemals zum Tragen kommt, wissen wir nicht. Eine Beteiligung ist aus meiner Sicht erstmal reine Prophylaxe, nicht dass es später heißt, Ihr hättet ja was sagen können, und dann wäre eine Chance vertan.“

Von Dennis Thomas

One comment

  1. lärm ist die umweltverschmutzung nummer eins. wer will sie? die wirtschaft und ihre politikervasallen, wer sonst? lärm verhindern kostet geld. verkehrsvermeidung nicht.