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Die „3bein-Aktion“ ist aus Sicht der Experten im Landkreis ein wenig in Vergessenheit geraten und soll jetzt wiederbelebt werden. Foto: A/dth

Wildunfall: Blaues Licht schützt Leben

Lüneburg. Sie stehen in Wald und Flur am Straßenrand: Orangefarbene „3beine“. Manche sehen aus, als seien sie gerade frisch aufgestellt worden, andere dagegen s ind bereits mächtig verwittert. Die „3bein-Aktion“ war vor Jahren von der Polizei und Jägerschaft ins Leben gerufen worden, um Autofahrer auf Wildunfälle aufmerksam zu machen. Trotzdem scheinen die Holzgestelle im Landkreis Lüneburg ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Christian Voigt, der neue Vorsitzende der Lüneburger Kreisjägerschaft, will das ändern. Im Gespräch mit der LZ spricht der Lüneburger über die steigende Zahl von Wildunfällen, über die Ursachen und wie die Jägerschaft mit dazu beitragen will, die Zahl der Kollisionen mit Wild zu minimieren.

Zur Erinnerung: In diesem Jahr registrierte die Polizeiinspektion Lüneburg bereits 405 Wildunfälle allein im Landkreis Lüneburg. 2016 weist die Statistik für ganz Deutschland 230 000 Wildunfälle mit Schalenwild aus, davon 194 410 Rehe. In Niedersachsen waren allein im vergangenen Jahr 25 280 Rehe unter die Räder gekommen und verendet. Und nicht immer ist nur das Wild das Opfer von Kollisionen im Straßenverkehr: 2015 registrierte das Statistische Bundesamt 2 830 Wildunfälle mit Personenschaden, 18 Menschen wurden getötet.
Doch woran liegt es, dass immer mehr Wildunfälle passieren? „Es gibt nicht nur mehr Wild in unseren Wäldern“, sagt Voigt, „auch der Autoverkehr hat zugenommen. In der Vergangenheit wurden viele neue Straßen gebaut und damit der Lebensraum für das Wild verringert.“

Seit Jahren versuchen Experten, das Wildunfall-Problem in den Griff zu bekommen. Anfang 2007 wurde das Projekt „3beine in drei Landkreisen“ als gemeinsame Aktion von Jägerschaften, Landesforsten, Polizei, Straßenverkehrsämtern, Landesverkehrswacht und Straßenbaubehörden ins Leben gerufen. Die orangefarbenen Holzgestelle sollen an den Stellen für Aufmerksamkeit sorgen, an denen sich Wildunfälle ereignet haben. Für jeden Wildunfall sollte ein Gestell aufgestellt werden – und nach einem halben Jahr wieder entfernt werden, damit sich bei den Autofahrern erst gar kein Gewöhnungseffekt einstellt. Ein guter Ansatz, der im Landkreis Lüneburg ein wenig in Vergessenheit geraten ist. „Deshalb wollen wir die Aktion wieder neu beleben“, verspricht Christian Voigt, der diesbezüglich auch schon Gespräche mit Dirk Bonow von der Straßenverkehrsbehörde geführt hat. Auch die großen Warntafeln mit der plakativen Aufschrift „besser langsam als Wild“ sollen wieder aufgestellt werden. Wann das passieren soll, steht allerdings noch nicht fest: „Wir müssen erst noch einmal die Standfestigkeit der Tafeln prüfen lassen“, sagt der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft.

Die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu schärfen, ist das eine. „Untersuchungen zeigen, dass die amtlichen Warnschilder ‚Wildwechsel‘ von den Autofahrern am wenigsten beachtet werden“, weiß auch Oskar Lüning, Pressesprecher der Lüneburger Jägerschaft. Besser sei es daher, dafür zu sorgen, dass das Wild von der Straße ferngehalten wird.
Geschehen soll das mithilfe von Reflektoren an Begrenzungspfählen, die beim Auftreffen einer Lichtquelle blaues Licht reflektieren. „Das gibt es in der Natur nicht, deshalb meiden Tiere diese Lichtquelle“, erklären Voigt und Lüning. Doch so wirkungsvoll diese Maßnahme auch ist: Sie ist mit Verwaltungsaufwand und hohen Kosten verbunden. Um alle 350 Reviere im Landkreis mit den Reflektoren auszurüsten, „muss die Jägerschaft mehr als 100 000 Euro investieren“, gibt Voigt zu bedenken. Vom Kreis bekommt die Jägerschaft als anerkannter Naturschutzverband lediglich einen Zuschuss von 10  000 Euro im Jahr – für alle Maßnahmen zusammen, so Christian Voigt. Trotzdem habe die Minimierung von Wildunfällen hohe Priorität. „Daran arbeiten wir!“, sagt er und Lüning ergänzt: „Wir wollen alle Beteiligten an einen runden Tisch holen.“ Was vor Jahren schon einmal geklappt hat, soll jetzt neu belebt werden.

Von Klaus Reschke