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Viele Kinder sollen nach dem Wunsch ihrer Eltern in Oedeme zum Gymnasium gehen. Die Schule stößt an Kapazitätsgrenzen. Foto: A/t&w

Losverfahren am Gymnasium Oedeme nicht rechtmäßig

Lüneburg. Es waren zu viele. Wieder einmal. Die Eltern von 237 Viertklässlern wollten ihr Kind nach den Sommerferien zum Gymnasium Oedeme schicken. Die Kapazitä t reicht dort aber nur für sieben Klassen, also maximal 210 Schüler, und schon das soll eigentlich die Ausnahme sein, sechs Klassen sind das erklärte Ziel. Also wurde gelost, welche Kinder woanders lernen müssen. In den Lostopf kamen nur die Namen von Kindern aus der Stadt. Weil der Landkreis Träger der Schule ist, sollten jene Mädchen und Jungen, die außerhalb der Stadtgrenzen wohnen, einen Platz sicher haben. Nun hat das Verwaltungsgericht entschieden: Das war so nicht korrekt. Zumindest Kinder aus den Stadtteilen Oedeme, Häcklingen und Rettmer hätten mit den Kindern aus den umliegenden Kommunen gleichbehandelt werden müssen. Die Konsequenz: Bereits abgelehnte Viertklässler erhalten nun doch die Chance, in ­Oedeme zu lernen.

Mehrere Eltern aus Oedeme hatten gegen die Ablehnung ihrer Kinder geklagt – und Recht bekommen. Der Landkreis muss nun die Kinder der drei Kläger und alle anderen zu Unrecht abgelehnten aufnehmen, fordert das Gericht und verweist im Urteil auf das Jahr 1975. Damals sei die Trägerschaft für die Schulen in Lüneburg auf die Stadt übertragen worden, allerdings war ein Teilgebiet ausdrücklich ausgenommen: das Einzugsgebiet des Gymnasiums Oedeme, zu dem die drei genannten Stadtteile zählen. Und aus diesem Grund war es nicht zulässig, Schüler aus jenen Gebieten schlechter zu behandeln als die aus dem übrigen Kreisgebiet. Nicht in diesem Jahr, und im Grunde auch nicht in den vergangenen Jahren, in denen das Verfahren häufig angewendet wurde.

Für das Losverfahren gab es eindeutige Vorgaben des Landkreises und der Landesschulbehörde. Der Kreistag hatte festgelegt: Das Gymnasium Oedeme soll maximal siebenzügig sein. „Übersteigt die Zahl der Anmeldungen die Kapazitätsobergrenze, ist zu losen“, heißt es im Beschluss vom 23. März 2015. Das Losverfahren sei dann „laut Verfügung der Landesschulbehörde vom 9. März 2015 auf Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in der Hansetadt Lüneburg zu beschränken“.
Schulleiter Dieter Stephan sagt: „Daran habe ich mich strikt gehalten.“ Nun urteilte das Gericht: Ein Losverfahren sei generell durchaus möglich, auch eine unterschiedliche Behandlung der Schüler je nach Wohnort sei grundsätzlich nicht zu beanstanden, in diesem Fall aber war das Auswahlverhalten, wer in den Topf kommt und wer nicht, wegen der mehr als vierzig Jahre alten Vereinbarung fehlerhaft ausgeführt worden. Kinder aus ­Oedeme, Häcklingen und Rettmer hätten nicht anders behandelt werden dürfen als jene aus Reppenstedt oder Melbeck. Kinder aus anderen Stadtteilen Lüneburgs nachrangig einen Zugang nach Oedeme zu gewähren, sei hingegen in Ordnung.

Stephan begrüßt das Urteil, immer wieder hatte er sich dafür stark gemacht, nicht ausgerechnet jene Kinder abweisen zu müssen, die in unmittelbarer Nähe zur Schule wohnen. Bislang vergeblich, Politik und Behörden machten klare Vorgaben, wen er bevorzug aufzunehmen habe und wen eben nicht. „Wir sind in einem ständigen Zwiespalt: Einerseits sind wir eine Landkreisschule, andererseits identifizieren wir uns aber auch mit dem Stadtteil Oedeme.“
Inzwischen wurde in der Landesschulbehörde fleißig telefoniert. Es wurden all jene Eltern aus Häcklingen, Oedeme und Rettmer angerufen, deren Kinder beim Losverfahren Pech hatten. Denn jetzt haben sie ein Recht auf einen Platz, die Schule muss sie sogar aufnehmen, wenn die Eltern das denn so kurz vor dem Schuljahresbeginn auch noch wollen. Der aktuelle Stand: Elf Schüler kommen nun noch hinzu – mindestens, denn wegen der Urlaubszeit seien noch nicht alle erreicht worden.

Selbst bei sieben 5. Klassen würde die Kapazität nicht reichen. Der Landkreis hat die Notsituation erkannt und gestern – trotz Abwesenheit des Landrats – nach Rücksprache mit der Landesschulbehörde eine Eilentscheidung getroffen: Es wird nach den Sommerferien acht 5. Klassen geben. Für Stephan angesichts der Situation die richtige Entscheidung: „31 Schüler in einer Klasse, das wäre zwar rechtlich möglich, hielte ich pädagogisch aber nicht für sinnvoll.“ Aber er sagt auch klar: „Der Schulträger ist nun gefordert, klar zu regeln, nach welchen Richtlinien künftig Schüler aufgenommen werden sollen.“ Und zwar möglichst so, dass diese Richtlinien nicht wieder von einem Gericht gekippt werden kann.

Von Alexander Hempelmann

4 Kommentare

  1. 31?wir waren 51 in der klasse, ging auch. warum? bei uns war benehmen eben keine glücksache. erziehung ist eben wichtig. egoisten werden nicht geboren, sondern erzogen.

    • Ulrike Buchholz

      Sehr geehrter Herr Bruns, ich kann Ihnen als Lehrerin am Gymnasium Oedeme versichern, dass unsere gemeinsame Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern auf gegenseitiger Achtung, Respekt und Benehmen beruht.
      Vielleicht können Sie nochmals über ihre Worte nachdenken. […früher gab es auch noch einen Kaiser.]

      • Ulrike Buchholz
        schön zu lesen, wie sagte eine freundin von mir, sie war bis vor kurzem rektorin: nicht die kinder sind das problem, sondern deren eltern. kinder sind danach alle sonderbegabt und brauchen immer eine extra wurst,sprich sonderbehandlung, meinen deren eltern. schmunzeln.

  2. Meine Tochter wurde vor drei Jahren auch ,, weggelost“.
    Im Nachhinein das Beste was uns passieren konnte. Sie ist an einer überschaubaren guten Schule mit geringerer Klassenstärke als in Odeme. Unseren Sohn haben wir dieses Jahr erst garnicht dort angemeldet, obwohl das Gymnasium Oedeme günstiger liegt.