Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Paulina Saerbeck und Amin Aslan durchforsten das Gemüsebeet nach Kartoffeln. Foto: t&w

Kulturgarten als Ort der Begegnung

Lüneburg. Seit mehr als zwei Jahren hilft Mohammad Hussaini im Kulturgarten aus, er erntet Kräuter, lockert den Boden oder befreit ihn von Unkraut. Für den 25-j ährigen Afghanen ist die Parzelle 105 im Kleingärtnerverein Moorfeld ein Paradies. „Ich freue mich auf die Unterhaltungen, ich habe hier viele Menschen kennengelernt“, erzählt er. Auch hätte die Zeit sein Deutsch verbessert. Das Potenzial des Gartens, der 2014 von Studenten ins Leben gerufen wurde, hat jetzt auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erkannt. Sie hat ihn als „Garten der Integration“ ausgezeichnet. Zeitgleich fand das Sommerfest im Kulturgarten statt.

48 Initiativen aus ganz Deutschland haben sich bei dem Wettbewerb beworben, überzeugt hat die Gruppe aus Lüneburg. Silke Wissel, Teamleiterin Stadtnatur der DUH, hat die Auszeichnung jetzt übergeben. „Man geht sehr einladend auf die geflüchteten Menschen zu, ich erlebe hier ein schönes Miteinander“, begründet sie die Entscheidung. Die Sprachbarrieren würden ausgeblendet. „Hier rücken Wohnsituation und Aufenthaltsstatus in den Hintergrund, vielmehr geht es um praktische Fragen, beispielsweise ab wann in den hiesigen Breiten Kartoffeln gepflanzt werden können und auf wie viele Arten sich Bohnen zubereiten lassen.“

Rund 25 Menschen verschiedener Nationalitäten, Generationen und Kulturen treffen sich regelmäßig im Garten. Das Ziel, Berührungsängste abzubauen und gemeinsam Zeit zu verbringen, ist längst erreicht. Eva Kern (29) engagiert sich in der Initiative seit sie nach Lüneburg gezogen ist, das war im Jahr 2015. Ihr Mitbewohner hat den Kulturgarten gegründet. Seither sind viele neue Leute hinzugekommen und andere gegangen. „Einige Flüchtlinge, bei denen mittlerweile die Familie nachziehen konnte, haben in ihren Unterkünften eigene Gärten angelegt.“ Kern promoviert an der Leuphana, ihre Freizeit verbringt sie gern in dem Kleingarten am Rande der Stadt. „Wir sind hier gemeinsam aktiv, dafür müssen wir nicht den gleichen Hintergrund haben oder die gleiche Sprache sprechen.“

Noch heute sei sie beeindruckt von dem Gartenwissen, das die jungen Männer mitbringen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. „Dort haben Gärten einen ganz anderen Stellenwert, oft leben mehrere Generationen in einem Haus.“ Die Wertschätzung sei eine andere, Lebensmittel würden noch dringender benötigt. Neu seien für sie die Jahreszeiten. „Bei uns ist es nun mal nicht immer nur heiß.“

30 Grad zeigte das Thermometer dafür beim Sommerfest. Das lockte viele Lüneburger an, sie konnten Kartoffeln und Topinambur, ein Wurzelgemüse, ernten, Fußball spielen, an einem Siebdruck-Workshop teilnehmen oder am Lagerfeuer ihr Stockbrot rösten.

Ein Gartentag, bei dem jeder willkommen ist, findet sonnabends um 14 Uhr statt.

Von Anna Paarmann

Zum Hintergrund

Wettbewerb „Garten der Integration“

Insgesamt zeichnet die Deutsche Umwelthilfe drei Gartenprojekte und Initiativen aus, die Geflüchtete miteinbeziehen oder von ihnen selbst initiiert wurden. Im September und November wird jeweils ein weiterer „Garten der Integration“ ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 500 Euro belohnt. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Oktober, bis dahin können Fragebögen ein- und Ergänzungen nachgereicht werden. Gefördert wird der Wettbewerb durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Weitere Informationen unter www.duh.de/gaerten-der-integration im Internet.